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Hauseigentümer zerstören Schwalbennester

Wustermark Hauseigentümer zerstören Schwalbennester

Weil sie sich über Lärm und Dreck der Vögel ärgern, lassen immer mehr Hausbesitzer Schwalbennester entfernen. Das ist aber streng verboten.

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Eine Schwalbe fängt etwa 120.000 Mücken, Fliegen und andere Insekten, um ihre Junge großzuziehen.

Quelle: dpa

Wustermark. Manfred Sprengel wählt drastische Worte. „Wenn wir so weiter machen, sind die Schwalben in Brieselang und Wustermark bald ausgerottet“, warnt der 73-Jährige. Er beobachtet seit Längerem, dass immer mehr Hausbesitzer die Nester an ihren Gebäuden entfernen lassen, weil sie sich vom Lärm der Vögel und ihren Hinterlassenschaften gestört fühlen. „Wenn die Dachrinnen gereinigt werden, kommen die Nester oft gleich mit ab“, sagt Manfred Sprengel.

Eigentlich ist der Rentner im Vorstand des Brieselanger Vereins Frische Briese aktiv, der sich eher den Themen Kultur und Bildung verschrieben hat. Mittlerweile engagiert er sich jedoch auch für die Schwalben in der Region. „Das ist ein so schöner Vogel und ein eleganter Flieger“, sagt er. Und nützlich obendrein: „Schwalben sind nützliche Insektenfresser“, erklärt Manfred Sprengel. Um ihre Jungen aufzuziehen, fangen die Vögel etwa 120 000 Mücken, Fliegen und andere Insekten. „Es kann deshalb nicht sein, dass wir unseren Urenkeln später nur noch Fotos zeigen können, weil es keine Schwalben mehr gibt“, findet Sprengel.

Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises teilt mit, es würden nicht mehr Nester entfernt als in der Vergangenheit. Manfred Sprengel ist trotzdem verärgert. Er habe beobachtet, dass die Nester vor allem an Supermärkten rigoros abgeschlagen werden. Aus den Brieselanger Geschäften heißt es dazu auf Nachfrage der MAZ, man habe die Nester nicht selbst entfernt und auch nichts dergleichen veranlasst. „Das ist gar nicht meine Aufgabe“, sagte eine Filialleiterin und berichtete, dass bei ihr zu Hause auch Schwalben nisten würden.

In Wustermark deutet Manfred Sprengel auf ein Wohnhaus, an dem – auf Wunsch der Bewohner – mehr als ein Dutzend Nester entfernt worden sind. An der Fassade sind die Spuren noch immer zu erkennen. Damit sich die Vögel nicht gleich wieder einnisten, hat der Besitzer zudem Netze anbringen lassen. Einer Schwalbe wurden sie zum Verhängnis: Sie verfing sich darin und verendete. Die aufgestellte Nisthilfe ignorierten die Schwalben. „Man kann Vögeln eben nicht vorschreiben, wo sie zu nisten haben“, so Manfred Sprengel.

Die Mehl- und Rauchschwalbe ist eine besonders geschützte Art. Nach Auskunft von Kreissprecherin Stephanie Reisinger kann die Entfernung der Nester mit einer Geldbuße bis zu 65 000 Euro geahndet werden. Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, „Fortpflanzungs- und Ruhestätten der wild lebenden Tiere besonders geschützter Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören“. Dies gilt auch für verlassene Nester nach Abschluss der Brutsaison, weil Schwalben diese Brutstätten in der Regel immer wieder nutzen. Allerdings kann die Untere Naturschutzbehörde eine Ausnahmegenehmigung erteilen, wenn etwa die Gesundheit des Menschen oder die öffentliche Sicherheit gefährdet sind.

Wer sich allerdings bloß über den Dreck auf seinem Fensterbrett ärgert, hat keinen Grund, die Nester abzunehmen. Manfred Sprengel schlägt für solche Fälle das Anbringen einer Kot-Konsole vor. Das Brett, das nach der Brut im Herbst wieder abgenommen werden kann, soll vor übermäßiger Verschmutzung schützen.(Von Philip Häfner)

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