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Havelland Havelländer Schäfer protestieren in Berlin
Lokales Havelland Havelländer Schäfer protestieren in Berlin
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19:20 13.03.2018
Fritz und Olaf Kolecki am Dienstag bei der Demo in Berlin. Quelle: Ralf Stork
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Falkensee/Berlin

Plötzlich sind da auch noch Schafe. Mitten in Berlin, in Sichtweite der britischen Botschaft und des Hotel Adlon. Die kleine Herde wurde mit zwei großen Anhängern herbeigeschafft. Jetzt steht sie in einem Gatter vor dem Sandsteinportal des Bundesagrarministeriums. Die Schafe blöken. Hinter dem Gatter stehen ein paar Hundert Schäfer in Tracht. Sie halten Schilder in die Luft und machen mit ihren mitgebrachten Glocken ordentlich Radau. Sie wollen endlich gehört werden. Mittendrin: Der Falkenseer Schäfer Olaf Kolecki. „Ich bin hier, damit auch mein Sohn Fritz noch eine Zukunft als Schäfer haben kann“, sagt Kolecki. Der 16-Jährige steht neben ihm und nickt ernst.

Schäfer protestieren in Berlin. Quelle: Ralf Stork

Die Schäfer sind nach Berlin gekommen, um eine Weidetierprämie für Mutterschafe und Mutterziegen zu erstreiten. Wieder mal. „Das fordern wir schon seit mindestens zehn Jahren, aber nichts ist bisher passiert“, sagt Olaf Kolecki.

Umverteilung der Fördermittel

Die Schäfer wollen mehr Geld vom Staat, genauer gesagt eine Umverteilung der bisher gezahlten Fördermittel. Bislang ist es so, dass die Bauern für jeden Hektar den sie beackern eine Förderung von mehr als 200 Euro erhalten. Schäfer, die mit ihren Tieren Flächen beweiden, die nicht ihnen gehören, gehen dagegen leer aus. „Um das zu ändern fordern wir eine Weidetierprämie, die für jedes Mutterschaf gezahlt wird“, sagt Kolecki.

Die Forderung des Verbandes liegt bei 38 Euro pro Jahr und Tier, die sozusagen von den Flächenprämien abgezwackt werden könnten. Die Landwirte würden zwei bis vier Euro weniger für den Hektar bekommen.

Aber müssten die Schäfer nicht auch mit Wolle und Fleisch der Schafe Geld verdienen können? Kolecki winkt ab: „Meine Schafe haben dunkle Wolle, die will keiner haben. Am Ende kann ich froh sein, wenn ich die verschenken kann und nicht wegschmeißen muss.“ Das Fleisch lässt sich zwar vermarkten, aber besonders viel ist an den Tieren auch nicht dran. Der Falkenseer züchtet alte Haustierrassen, die vom Aussterben bedroht sind. Besonders produktiv sind die nicht. Dafür aber sehr widerstandsfähig und deshalb bestens für den Einsatz in der freien Natur geeignet.

Pflege im Landschaftsschutzgebiet

Kolecki hat knapp 400 Schafe, die in Schönwalde, Falkensee, Nauen, Rohrbeck und Berlin Tegel zum Einsatz kommen. Die Flächen liegen zum Teil im Landschaftsschutzgebiet, und gerade dort sieht Kolecki den grundsätzlichen Mehrwert von Schafen und Schäferei: „Wo Schafe weiden, ist die Vielfalt an Pflanzen und Insekten viel größer als auf anderen Flächen“, sagt er. Die Wiesen könnten natürlich auch ohne Schafe kurz gehalten werden. Aber schweres Gerät auf Deichen zum Beispiel könnte - anders als Schafe – Schäden verursachen.

Erhalt der Kulturlandschaft

Und während Käfer, Heuschrecken und Schwebfliegen einem gefräßigen Schafmaul einfach ausweichen können, würden sie im Schneidwerk des Rasenmähers schnell zerhäckselt. „Wir wollen, dass die Leistung, die wir zum Erhalt der Kulturlandschaft erbringen, auch angemessen bezahlt wird. Deshalb ist die Weidetierprämie so wichtig“, sagt Kolecki.

Tierischer Protest in Berlin. Quelle: Ralf Stork

Mittlerweile spricht ein Mitarbeiter des Ministeriums auf der kleinen Bühne, die die Schäfer errichtet haben: „Ich nehme das mit“, „Wir bleiben in der Diskussion“, „Ich werde weitergeben, dass Ihnen das sehr wichtig ist“, „Wir werden Sie auch weiterhin unterstützen“ - Was er da sagt, klingt erstmal nicht nach dem ganz großen Durchbruch.

Beruf mit Zukunft?

Kann er da wirklich guten Gewissens seinem Sohn empfehlen, auch in die Schafhaltung einzusteigen?

„Erst mal ja. Es ist ja wichtig, dass wir uns für den Erhalt der Kulturlandschaft einsetzen“, sagt Kolecki, der darauf hofft, dass die Forderungen der Schäfer am Ende noch erfüllt werden.

Möglich wäre es in jedem Fall, eine Weidetierprämie noch in diesem Jahr auf den Weg zu bringen. Umweltverbände wie Nabu und WWF unterstützen das Anliegen der Schäfer. Außerdem gibt es viele gute Beispiele, dass eine Weidetierprämie möglich ist. In 22 anderen EU-Ländern wird eine solche Förderung der Landwirte bereits praktiziert.

Immer weniger Schafe

Die Zahl der Schafe und Ziegen im Havelland ist seit Jahren rückläufig. Von 2011 bis 2016 hat sie sich halbiert. Wurden damals noch 4862 Schafe und Ziegen gezählt, waren es 2016 nur noch 2405 Tiere.

Die Schäfer fordern eine Weidetierprämie von 38 Euro pro Muttertier und Jahr. Damit soll die besondere Arbeit honoriert werden, die die Schäfer zum Erhalt der Kulturlandschaft leisten. Das Geld soll durch eine Umverteilung der bestehenden Agrarförderung bei den Schäfern landen.

Von Ralf Stork

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