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Havelland Havelländisches auf Ribbecker Menükarte
Lokales Havelland Havelländisches auf Ribbecker Menükarte
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17:40 29.03.2016
Restaurantleiterin Ivonne Mertens und Koch Martin Blume präsentieren das Carreé vom Gülper Schwein. Quelle: Jens Wegener
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Ribbeck/Gülpe

Der Gast im Schlossrestaurant Ribbeck findet ab sofort ein neues Gericht auf der Menükarte: „Carreé vom Gülper Schwein mit Birnen-Speck-Risotto in Schwarzbiersauce“. Was man auf den ersten Blick gar nicht vermuten würde, handelt es sich dabei um eine Premiere. Erstmals beliefert mit der Agrargenossenschaft Gülpe ein landwirtschaftlicher Betrieb aus dem Havelland Fleisch für das Schlossrestaurant. Genauer gesagt ist es Fleisch von Schweinen, die in dem Gülper Betrieb aufgezogen werden.

„Diese ganz junge Kooperation zwischen Agrarbetrieb und Schloss soll ein erster Schritt zu einer stärkeren regionalen Vermarktung havelländischer Produkte sein“, sagte Frank Wasser, Geschäftsführer der Schloss Ribbeck GmbH. Gemeinsam mit dem Kreisbauernverband Havelland sei die Idee entstanden, so Wasser. Er verspreche sich davon Synergieeffekte: „Es profitiert hoffentlich der Agrarbetrieb, der seine Produkte besser vermarkten kann. Es profitiert das Schlossrestaurant, weil wir mit havelländischen Produkten werben können und es soll Anstoß für andere sein, Ähnliches zu versuchen.“

Preisverfall bei Milch und Schweinefleisch

Dass havelländisches Fleisch nicht schon längst auf der Speisekarte der örtlichen Restaurants steht, hat verschiedene Gründe. Einer sind die stetig fallenden Preise für Milch und Schweinefleisch. „Wenn wir bei den großen Abnehmern immer weniger Geld für unsere Produkte bekommen, sind wir gezwungen, andere Einnahmequellen zu nutzen“, erklärt Enrico Voigt von der Gülper Agrargenossenschaft. So setzt der Betrieb, der Rinder und Schweine hält, mehr und mehr auf Direktvermarktung. Es gibt Hofläden in Rhinow und Rathenow. Letzterer soll demnächst komplett erneuert und ausgebaut werden. Auch an einen weiteren Laden in Friesack sei gedacht. „Unsere Milchproduktion steht vor dem Aus. Gab es 2014 noch 40 Cent pro Liter, bekommen wir derzeit noch 22 Cent. Die Tendenz ist weiter fallend.“ Dagegen seien die Umsätze im Direktverkauf kontinuierlich gestiegen.

Ein zweiter Grund für die nur langsam anlaufende regionale Vermarktung ist aus Sicht von Enrico Voigt die dafür nötige EU-Zertifizierung. Agrarbetriebe, die die Gastronomie über den eigenen Hofladen hinaus beliefern wollen, müssen ein solches Zertifikat haben“. Die Gülper Agrargenossenschaft ist diesen Weg gegangen.

Ob die Kooperation mit dem Ribbecker Schloss funktioniert, wird sich zeigen. „Wir möchten, dass es länger als eine Testphase von 100 Tagen andauert und der Gast langfristig auf der Karte etwas sieht, was aus der Region kommt“, wünscht sich Landrat Burkhard Schröder (SPD). Im Havelland sei die Vermarktung von Tierprodukten in der Gastronomie „deutlich unterbelichtet“, so Schröder weiter.

Andererseits müsse die Zuverlässigkeit bei einem Partner vorher genau geprüft werden, erklärte Schlossherr Frank Wasser. „Die Nachhaltigkeit spielt eine wichtige Rolle. Der Agrarbetrieb muss absichern, kontinuierlich das Fleisch aus eigener Produktion liefern zu können.“

Ausbau der Kooperation ist möglich

Langfristig denke man schon über einen Ausbau dieser Kooperation mit dem Gülper Betrieb nach. „Warum soll im Außenbereich des Schlosses nicht Gülper Bratwurst verkauft werden. Oder es könnte ein Angebot für Schlossgäste geben, sich zu bestimmten Terminen den Agrarbetrieb anzusehen, aus dem die Schweine kommen“, so Frank Wasser.

Der Kreisbauernverband Havelland begrüßt die Zusammenarbeit zwischen dem Agrarbetrieb im Westhavelland und dem Schloss Ribbeck. „Damit wurde erstmal ein Signal gesetzt. Ob es ein Startsignal für andere wird, muss sich erweisen“, sagte der Vorsitzende Dirk Peters. Grundsätzlich würden im Havelland solche regionalen Marken wie Beelitzer Spargel oder Spreewälder Gurken fehlen. Gleichzeitig aber gebe es einige Familienbetriebe in Falkensee, Seeburg, Damme und Spaatz mit regionalen Lebensmitteln, auf die die Verbraucher noch stärker hingewiesen werden müssten. „Wir sollten uns mit einer Imagemarke für die Region befassen. Vielleicht mit einer Dachmarke Havelland.“

Von Jens Wegener

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