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Havelland: Kulturverwaltung massiv überlastet

Spannungen in der Szene Havelland: Kulturverwaltung massiv überlastet

Wie gut ist der Landkreis Havelland in Sachen Kultur aufgestellt? Welche Angebote gibt es, wer nimmt diese wahr und in welchen Bereichen gibt es Probleme? Mit diesen Fragen beschäftigen sich derzeit Kulturschaffende, Experten und Mitarbeiter der Verwaltungen um einen Kulturentwicklungsplan zu erarbeiten – denn die Stimmung ist mies.

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Hip-Hop-Tanz in Rathenow.

Quelle: Christin Schmidt

Havelland. Zuerst das Positive: In Sachen Kultur ist der Landkreis ziemlich gut aufgestellt. Die Verwaltung leistet sich ein eigenes Kulturreferat, es gibt verschiedene Trägermodelle zur Sicherung kultureller Einrichtungen – zum Beispiel teilen sich die Stadt Rathenow und der Landkreis die Trägerschaft für das Kulturzentrum. Insgesamt betrachtet hat die Kultur einen recht hohen Stellenwert in der Region. „Auf diesen Dingen kann man gut aufbauen“, sagt Dr. Patrick Föhl, Leiter des Netzwerkes Kulturberatung. Seit Beginn dieses Jahres beschäftigt er sich mit der Kulturentwicklung im Havelland. Sein Auftrag: Schwerpunkte für eine zukunftsorientierte Kulturpolitik im Landkreis erarbeiten.

Neben der allgemeinen positiven Ausgangslage gibt es aber auch einiges zu verbessern, wie die bisherigen Untersuchungen zeigen. Ein Hauptproblem besteht in der Überlastung der Kulturverwaltung des Landkreises, die aufgrund der stark zentralisierten Steuerungsstrukturen kaum Spielraum für zusätzliche Netzwerkarbeit hat. Zudem ist die Kooperationskultur relativ schwach ausgebildet und es kommt immer wieder zu Terminüberschneidungen durch fehlende Abstimmung. Abhilfe könnte hier eine zentrale Koordinierungsstelle schaffen.

Spannungen in Ribbecker Kulturszene

Weiterhin werden lange Entscheidungswege und die starke Abhängigkeit vom Landkreis kritisiert. „Das persönliche Engagement des Landrats spielt eine nicht unerhebliche Rolle bei der Förderung bzw. Nicht-Förderung bestimmter Kulturveranstaltungen“, heißt es in der Zwischenbilanz. Nicht zuletzt würden auch Differenzen zwischen Einheimischen und Zugezogenen sowie das zunehmend schwindende bürgerschaftliche Engagement in einigen Teilen des Landkreises die Kulturentwicklung hemmen.

Theateraufführungen im Kulturzentrum werden von den Schulen nur mäßig besucht

Theateraufführungen im Kulturzentrum werden von den Schulen nur mäßig besucht.

Quelle: Ch. Schmidt

Die Analyse deckt auch konfliktbehaftete Beziehungen und Spannungen im Kulturbereich auf. Demnach scheint es vor allem in Ribbeck zu brodeln. Sowohl das Schloss wie auch der Ort mit seinen unterschiedlichen Interessengruppen und die Havelländischen Musikfestspiele bilden ein Spannungsfeld.

„Die Auflösung der hier bestehenden Konflikte könnte maßgeblich für die Kulturentwicklung des Landkreises sein“, heißt es in dem Papier. Einige Akteure äußerten den Wunsch, dass Schloss Ribbeck als kulturelles Aushängeschild des Landkreises sollte sich künftig offener gegenüber Zusammenarbeiten zeigt. Bisher agiere es relativ isoliert und vernetzte sich relativ wenig mit anderen Akteuren.

Kulturworkshops mit allen Beteiligten

Um die Defizite zu beheben und vorhandene Potenziale zu nutzen und weiterzuentwickeln, arbeiten Akteure aus Kultureinrichtungen, den Kommunen, Kunstschaffende und interessierte Bürger in drei breit angelegten Kulturworkshops zusammen. Ein erster Workshop fand im Juli in Falkensee mit rund 80 Teilnehmern statt. Letzte Woche trafen sich rund 60 Menschen in Rathenow, um Ziele und Maßnahmen für die Kulturentwicklung zu erarbeiten. Als Grundlage dienen die Ergebnisse der Kultur-, Netzwerk- und Strukturanalysen sowie zahlreicher Experteninterviews. Ein Abschlussworkshop ist für den 12. November im Schloss Ribbeck geplant. Der ausführliche Kulturentwicklungsplan soll dann 2016 vorliegen, so Föhl.

Schon jetzt ist klar, für eine positive Entwicklung ist eine engere Verknüpfung zwischen dem Osten und Westen des Landkreises erforderlich. Die Aktivierung lokaler Kulturakteure sei maßgeblich für die Kulturarbeit, insbesondere für die Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses. Hier sind Musik- und Theaterlehrer gefragt, aber auch Schulen und Kindergärten sollten enger mit Kulturschaffenenden zusammenarbeiten. Föhl rät außerdem, Jugendliche verstärkt in Planungsprozesse einzubeziehen.

Neue Ideen gesucht

„Der Landkreis tut nicht nur gut daran, Jugendlichen mehr Angebote zu unterbreiten, er sollte auch Jugendliche als Berater einbeziehen“, so Föhl. Er schlägt die Gründung eines Beirats vor, in dem auch Jugendliche einen festen Platz haben. Dieser Beirat könnte dem Kreistag beratend zur Seite stehen und die Kulturplanung begleiten. Es werden neue Sichtweisen gebraucht, Ideen, die über Fontane und die Herrenhäuser hinaus gehen, denn Ähnliches gebe es in allen Regionen. Hierbei ist das kreative Potenzial junger Menschen gefragt.

Eine Übersicht zum aktuellen Stand der Planung gibt es auf der Internetseite des Landkreises: www.havelland.de/kulturentwicklungsplanung

Von Christin Schmidt

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