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Havelland: Mehr Unterstützung für Sterbende

Neues Hospizgesetz Havelland: Mehr Unterstützung für Sterbende

Ende 2015 verabschiedete der Bundestag ein Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung. Es verspricht vielfältige Maßnahmen zur Förderung des flächendeckenden Ausbaus der Hilfe, in der letzten Lebensphase. Was bringt das neue Gesetz für den ambulanten Hospizdienst im Havelland?

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Petra Nimz ist Koordinatorin des hiesigen ambulanten Hospizdienstes „Leben bis zuletzt“.

Quelle: Ch. Schmidt

Havelland. Nützt das neue Gesetz es zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung tatsächlich den rund 40 ehrenamtlichen Helfern im Havelland, die Sterbende und ihre Angehörigen begleiten?

Petra Nimz leitet seit 15 Jahren den hiesigen ambulanten Hospizdienst „Leben bis zuletzt“. Sie ist recht optimistisch, dass das neue Gesetz Verbesserungen mit sich bringen kann. Es mache deutlich, dass sich die Hospiz-Bewegung vom bürgerschaftlichen Engagement zu einem festen Bestandteil des Gesundheitssystems entwickelt. „Früher war es gewollt, dass Spenden eingeworben werden, um Hospiz als Idee leben zu lassen. Es ging darum zu helfen, wo Not ist und dabei völlig unabhängig zu sein. Inzwischen ist es keine reine Ehrenamtsarbeit mehr“, so Nimz. Der Staat habe erkannt, dass die Menschen im letzten Lebensabschnitt mehr Unterstützung brauchen. „Die spannende Frage lautet für mich, wie füllt man dieses Gesetz nun mit Leben?“, sagt Petra Nimz.

Pflegeeinrichtungen müssen Kooperation transparent machen

Ab sofort gibt es für die ambulante Hospizarbeit Sachkostenzuschüsse. Eine Neuerung, die insbesondere kleinere Vereine, die von Mitgliedsbeiträgen und Spenden leben, entlasten wird. Bisher musste der Hospizdienst selbst, beziehungsweise dessen Träger, das Diakonische Werk Havelland, für Fahrkosten und Ähnliches aufkommen. Wie und in welcher Form die Kosten erstattet werden, ist noch nicht klar. Aus dem neuen Gesetz geht auch hervor, dass Pflegeheime jetzt zur Zusammenarbeit mit ambulanten Hospizdiensten verpflichtet sind und Kooperationen transparent machen müssen. Wie das konkret aussehen soll, lässt der Gesetzgeber offen.

„Leben bis zuletzt“

Jeder hat einen Rechtsanspruch auf Palliativversorgung und Hospizdienst, egal ob in der Stadt oder an einem angelegenen Ort auf dem Land lebt.

Die letzte Neuerung im Bereich der Versorgung Sterbender gab es 2007.

Damals wurde die gesetzliche Grundlage für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) geschaffen.

Drei Jahre später nahm das SAPV-Team Havelland 2010 seine Arbeit auf.

Vom 18. bis 23. April findet die nächste Havelländische Hospizwoche statt.

Mehr Informationen im Internet auf: www.diakonie-hvl.de

Bisher läuft die Zusammenarbeit mit einzelnen Pflegeeinrichtungen sehr unterschiedlich, es gibt enge und weniger enge Kooperationen. „Wir können natürlich nicht jeden Heimbewohner begleiten“, macht Nimz deutlich. Ihr ehrenamtliches Helferteam ist bereits gut ausgelastet. Rund die Hälfte der Begleitungen werden in Heimen durchgeführt. Viel mehr sei nicht möglich. „Wir brauchen schlicht und ergreifend Nachwuchs“, betont Petra Nimz. Es sei wichtig, dass auch das Pflegepersonal für diese Arbeit bestmöglich ausgebildet ist.

Begleitung soll ehrenamtlich bleiben

Dann könnte man unter anderem den Bewohnern in Pflegeheimen eine „individuelle Versorgungsplanung“ für die letzte Lebensphase anbieten. Wichtig seien Gespräche, wenn möglich mit den Angehörigen und dem Betroffenen selbst. Auch der Hausarzt sollte dabei sein, um von allen Seiten zu schauen, was getan werden kann. Dabei könne der Hospizdienst weiterhin unterstützen. „Ich würde mir wünschen, dass das Pflegepersonal ganz selbstverständlich diese Aufgabe übernimmt und dass der Umgang mit dem Tod und dem Sterben wieder zum Leben gehört.“ Den Tod auszublenden sei ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Die meisten Einrichtungen, sagt Nimz, sind sehr bemüht. In einigen werde der Hospizgedanke tatsächlich gelebt, aber sie kommen an ihre Grenzen, was auch eine Frage des Personalschlüssels sei. „Leitung, Verwaltung, Pflege – alle Ebenen müssen es wollen und selbst Rituale entwickeln“, wünscht sich Petra Nimz. Sie ist sicher, dass die einzelnen Maßnahmen nicht nur dem Patienten selbst gut tun, sondern auch den Mitarbeitern.

Ob die derzeit rund 40 ehrenamtlichen Begleiter künftig den Bedarf noch decken können, hängt davon ab, inwiefern durch das neue Gesetz die Nachfrage der Pflegeeinrichtungen nach Unterstützung und Begleitungen steigt. Petra Nimz hat in jedem Fall die Akquirierung von neuen Begleitern im Blick. Bis Juni wird eine Gruppe in Falkensee ausgebildet, im Herbst beginnt ein neuer kostenloser Kurs in Rathenow. Begleitung sollte auch künftig ehrenamtlich bleiben, findet Nimz. Um sie zu stärken, müsse aber mittelfristig über Investitionskostenzuschüsse nachgedacht werden.

Von Christin Schmidt

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