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Havelland: Politik ruft zum Kampf gegen Rechts

Neonazi-Zelle in Nauen Havelland: Politik ruft zum Kampf gegen Rechts

Vergangene Woche wurde in Nauen eine Neonazi-Zelle ausgehoben, die unter anderem für den Brandanschlag auf eine als Asylbewerberunterkunft vorgesehene Turnhalle verantwortlich sein soll. Nun fragen sich viele: Hat die Funkstadt ein Nazi-Problem? Einige Landratskandidaten haben sich jetzt zu Wort gemeldet – mit teils sehr unterschiedlichen Ansichten.

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Die Ruine der Nauener Sporthalle, die mutmaßlich von Neonazis angezündet wurde. In der Halle sollten Asylbewerber unterkommen.

Quelle: Danilo Hafer

Nauen. Hat Nauen ein Nazi-Problem? Das fragen sich zurzeit viele, auch Kandidaten für die Landratswahl am 10. April. „Ich halte nichts davon, die Stadt Nauen zu stigmatisieren und sie als Nazi-Problem-Stadt an den Pranger zu stellen“, sagt Roger Lewandowski von der CDU, zurzeit Vize-Landrat. „So wie ich die Stadt Nauen kennengelernt habe ist sie weltoffen und tolerant.“

Kai Gersch (AfD)

Kai Gersch (AfD).

Quelle: Tanja M. Marotzke

Kai Gersch, der Kandidat der Alternative für Deutschland (AfD) meint, „wer jetzt die Nauener Einwohner pauschalisieren will, um sein eigenes politisches Süppchen zu kochen, der handelt politisch unverantwortlich.“ Gersch fordert die Bekämpfung von Extremismus jeglicher Couleur – Rechts- und Linksextremisten gleichermaßen.

Harald Petzold (Linke) weist aber darauf hin, dass die Funkstadt überdurchschnittlich viele aktive Neonazis habe. „Dies ist lange ignoriert oder verdrängt worden, dadurch hat Nauen ein Nazi-Problem bekommen. Dies ist nach wie vor nicht allen politischen Kräften wirklich bewusst. Überall da, wo der Widerstand nicht sofort konsequent einsetzte, haben die Nazis Fuß fassen können“, sagt er.

Harald Petzold (Die Linke)

Harald Petzold (Die Linke).

Quelle: Tanja M. Marotzke

Inzwischen gebe es aber eine vielfältige, aktive Zivilgesellschaft mit Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD) an der Spitze, die den Rechten widerstehe und selbst eigene Akzente für Weltoffenheit und Demokratie setze – zum Beispiel mit dem Toleranzfest.

Grüne fordern lokalen Aktionsplan gegen Rechts

Petra Budke (Grüne)

Petra Budke (Grüne).

Quelle: Tanja M. Marotzke

Grünen-Kandidatin Petra Budke spricht sich daher für eine Fortführung des Toleranzfestes aus, fordert aber weitere Schritte seitens der Stadt. Insbesondere der Jugendarbeit komme eine große Bedeutung zu. Aus ihrer Sicht ist zudem ein lokaler Aktionsplan gegen Rechts längst überfällig. „Ich verstehe nicht, warum Bürgermeister Fleischmann und die Stadtverordneten sich dafür nicht stark gemacht haben“, so Budke.

Vergangene Woche war in Nauen eine Neonazi-Zelle ausgehoben worden, die unter anderem für den Brandanschlag auf eine Turnhalle verantwortlich sein soll, in der Flüchtlinge untergebracht werden sollten. Mehrere Personen sitzen in Untersuchungshaft, darunter der Nauener Stadtverordnete Maik Schneider (NPD).

Martin Gorholt (SPD)

Martin Gorholt (SPD)

Quelle: Joachim Wilisch

„Es ist ein großer Erfolg, dass die Täter, die Straftaten von Schmierereien über Anschläge auf Parteibüros und Kraftfahrzeuge bis zum Terroranschlag auf die Nauener Turnhalle verübten, jetzt ermittelt werden konnten“, erklärt Martin Gorholt, Landratskandidat der SPD. „Es handelt sich um ein eindeutig rechtsextremistisches und kriminelles Milieu, in dessen Kern die NPD steht. Niemand darf jetzt den Rechtsextremismus weiter verharmlosen.“ Gorholt will eine Kampagne „Respekt statt Gewalt“ starten, die sich grundlegend gegen die Verbreitung von Hass, Hetze und Gewalt wendet.

CDU: Sorgen der Bürger ernst nehmen

Roger Lewandowski (CDU)

Roger Lewandowski (CDU).

Quelle: Tanja M. Marotzke

Roger Lewandowski sagt, man müsse sich mit den Sorgen und Ängsten der Bürger ernsthaft auseinandersetzen, transparent informieren und gemeinsam an konstruktiven Lösungen arbeiten, damit gezielt gestreute Gerüchte und hetzende Parolen entlarvt werden. Das gelte nicht nur in Nauen. Die Hoffnung von Petra Budke ist, „dass den vielen Leuten, die sich an Spaziergängen und Kundgebungen von Pegida oder selbst ernannten Bürgerbündnissen beteiligen, endlich klar wird, wem sie da eigentlich hinterherlaufen: nämlich gefährlichen Kriminellen und Rechtsterroristen, die vor nichts zurückschrecken und die Gefährdung von Menschenleben billigend in Kauf nehmen.“

Von Philip Häfner

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