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Havelland bei Touristen beliebt

MAZ-Gespräch mit der Chefin des havelländischen Tourismusverbandes Havelland bei Touristen beliebt

Der Tourismusverband Havelland vermarktet den Landkreis seit Jahren als Reisegebiet. Mit wachsendem Erfolg. In den Sommermonaten sind die Radwege bevölkert, die Hotels ausgelastet, zur BUGA 2015 zeichnen sich schon Engpässe ab. Die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes, Ines Kias, zieht im MAZ-Gespräch eine Zwischenbilanz der laufenden Saison.

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Eines der beliebtesten Ziele im Havelland: Das Landgut A. Borsig in Groß Behnitz.

Quelle: Konrad Radon

MAZ: Frau Kias, die vergangenen Wochen haben im Havelland klimatisch die ganze Bandbreite geboten. Von extremer Hitze bis extremen Unwettern gab es alles. Wie abhängig ist der Tourismus im Landkreis vom Wetter?

Ines Kias : Sehr, das haben wir im vorigen Jahr gesehen. Da hatten wir den langen Winter und damit einen späteren Start in die Saison. Dann kam das Hochwasser. Das alles hat sich negativ in den Zahlen bemerkbar gemacht. In diesem Jahr können wir uns aber eigentlich nicht beschweren.

Wie sehen die Zahlen für dieses Jahr aus?

Kias: Unsere aktuellsten Daten stammen aus dem April 2014. Da sind deutliche Zuwächse zu er kennen. Die Übernachtungszahlen sind im Vergleich zum Vorjahr um 27,2Prozent gestiegen. Wir hoffen natürlich, dass diese Entwicklung so weitergeht.

Erheben Sie die Daten selbst?

Kias: Nein, alle Betriebe mit zehn Betten und mehr sind verpflichtet, ihre Daten ans Landesamt für Statistik zu melden. Von denen bekommen wir dann zeitversetzt die Zahlen für den Landkreis und die Reiseregion.

Woran erkennt man den typischen Havellandtouristen auf der Straße?

Kias (lacht): Der typische Tourist ist der Radtourist. Der lässt sich an den Packtaschen erkennen, mit denen er durchs schöne Havelland radelt. Davon abgesehen haben wir aber auch viele Urlauber in Hotels und Ferienhäusern, die Tagesausflüge machen. Die meisten stammen aus Berlin, Sachsen oder Sachsen-Anhalt, aber nicht nur. Zu unseren Zielgebieten gehören auch Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Tourismusverbands-Geschäftsführerin Ines Kias.

Quelle: Ralf Stork

Wissen Sie, was die Besucher am Havelland besonders schätzen?

Kias: Wir haben keine Berge, das ist für den Radtourismus wichtig. Auf Messen werden wir immer wieder gefragt, ob das Havelland flach ist. Die Nähe zu Potsdam, Berlin und Brandenburg an der Havel macht uns dann noch interessanter für Radler, die die Landschaft genießen aber auch Ausflüge in die umliegenden Städte machen wollen.

Wohin fahren Tagestouristen im Havelland am liebsten?

Kias: Schon zu den bekannten Highlights. Schloss Ribbeck natürlich, dann zum Landgut A. Borsig, zur Sielmanns Naturlandschaft, nach Stölln oder ins Olympische Dorf nach Elstal. Paretz nicht zu vergessen, das gehört auch in die Reihe.

Und was sind die Geheimtipps abseits der Touristenmagneten?

Kias: Da würde ich die Parks rund um die weniger bekannten Schlösser wie Nennhausen und Kleßen nennen. In denen kann man wunderbar spazieren, auch wenn die Schlösser selbst nicht zugänglich sind. Ein Tipp wäre aber auch, bei sternenklaren Himmel die Sterne zu beobachten. Oder die Vögel an den Aussichtspunkten bei Hertefeld oder am Gülper See.

In die touristische Infrastruktur ist über die Jahre viel investiert worden. Genügt der aktuelle Zustand touristischen Ansprüchen?

Kias: Die großen Radwege wie den Havelland-Radweg gibt es nun schon einige Jahre, da kommen wir langsam an den Punkt, wo stärker in die Instandhaltung investiert werden muss. Aber wenn wir diese Wege in Ordnung halten, sind wir gut aufgestellt. Nur die Ausschilderung ist nach wie vor noch ein Problem. Die muss einheitlich sein. Viele Kommunen haben das aber inzwischen erkannt und stellen nach und nach auf einheitliche Schilder um. Wir hoffen, dass das Leitsystem im nächsten Jahr im gesamten Landkreis abgeschlossen ist, so dass wir dann auch entsprechendes Infomaterial produzieren können.

Wie sieht es mit dem Standard in den Übernachtungsbetrieben aus?

Kias: Auch da wurde viel investiert. Viele Betreiber von Hotels, Pensionen, Privatzimmern oder Ferienwohnungen haben sich intensiv mit Qualitätsansprüchen beschäftigt. Entsprechend gut sind die Häuser jetzt ausgelastet. Und: Allein in den vergangenen zwölf Monaten verzeichnen wir einen Bettenzuwachs bei größeren Betrieben von sieben Prozent. Natürlich werden wir zur Bundesgartenschau trotzdem nicht genügend Betten haben. Das Problem ist bekannt. Aber dann werden auch entferntere Regionen profitieren.

Glauben Sie, dass die Region auch langfristig etwas von der Gartenschau hat?

Kias: Das ist die Hoffnung und das Ziel. Dafür ist es aber wichtig, das jeder Anbieter mit einem guten Service die Gäste dazu einlädt, wiederzukommen. Der Besuch muss in positiver Erinnerung bleiben. Außerdem ist es hilfreich, dass jeder Gastgeber über Kundenbindung nachdenkt.

Hintergrund

Ines Kias , 51, ist seit 2006 Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Havelland. Nach dem Rücktritt von Peter Weisner wurde sie im Jahr 2006 kommissarisch ernannt, seit 2007 hat sie den Posten regulär inne.
Der Tourismusverband ist ein Verein, der sich der touristischen Vermarktung der Havellandregion verschrieben hat. In der Region sind auch die Stadt Brandenburg/Havel und Teile von Potsdam-Mittelmark inbegriffen. Gegründet wurde der Verband 1996, damals noch als Fremdenverkehrsverband. ver

Sind neue Shopping-Angebote wie Karls Erlebnishof ein Gewinn für den Havelland-Tourismus?

Kias: Sicher. Shoppingtourismus ist eine wichtige Ergänzung, um den Gästen, die eine Woche im Havelland bleiben, den Aufenthalt so bunt wie möglich zu gestalten. Wer ein Zimmer bezieht, fragt den Vermieter als erstes, was man in der Region alles machen kann. Je mehr Angebote es gibt – und da zählt Shopping zu – desto attraktiver sind wir.

Wie attraktiv ist das Havelland denn auf einer Skala von eins bis zehn?

Kias (lacht): Das hängt vom Bewertungsmaßstab ab. Wir können uns mit den großen Reisedestinationen natürlich nicht vergleichen. Aber wir haben die Berlinnähe, eine einmalige Natur und die Havel zu bieten. Das ist schon optimal, um einen Urlaub zu verbringen. Aber mit Sylt werden wir sicher nie mithalten.

Welche Auswirkungen hat der steigende Tourismus auf Ihren Tourismusverband?

Kias: Die Anfragen haben erfreulicher Weise zugenommen. Zwar halten wir keine Touristinfo mehr vor, aber Anfragen per Telefon und Mail beantworten wir täglich, und diese werden immer komplexer. Da heißt es dann oft: Ich suche ein Ferienhaus mit einem bestimmten Standard. Wo kann ich in der Nähe ein Boot leihen? Wie ist die Bus- oder Zugverbindung? Das gesamte und komplexe Marketing für die Reiseregion managen wir nach wie vor mit fünf Festangestellten.

Gestatten Sie uns zum Schluss eine private Frage: Machen Sie selbst Urlaub im Havelland?

Kias: In diesem Jahr nicht. Ich fahre ans Mittelmeer.

Interview: Oliver Fischer

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