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Havelsinfonie uraufgeführt

Es blieb trocken in Groß Behnitz Havelsinfonie uraufgeführt

Bei der musikalischen Hommage an die Havel bekamen die Zuhörer keine nassen Füße. Zwar zogen beim Open-Air-Konzert am Sonnabend auf dem Landgut A. Borsig in Groß Behnitz dunkle Wolken auf, aber der Regen blieb aus. So konnten die Besucher ungestört der wunderbaren Musik lauschen.

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Mit den Hörnern begann die symphonische Dichtung.

Quelle: Fritz H. Köser

Groß Behnitz. Der Fluss fängt zu singen an, so scheint es. Fast verhalten, beinahe reduziert, aber doch klar und eindringlich ertönt sein Lied. Ohne großes Getue, ohne unnötigen Bombast. Schließlich ist die Havel nicht so romantisch wie der Rhein oder so mächtig wie die Elbe.

Wohl darum sind es Hörner, die zu Beginn des Stücks erklingen. „Die Havel“, eine symphonische Dichtung von Marian Lux, wurde vergangenen Sonnabend auf dem Landgut A. Borsig in Groß Behnitz uraufgeführt. Von Musikern, mit denen der Komponist schon lange und gerne zusammenarbeitet: dem Deutschen Filmorchester Babelsberg. Dirigent Jörg Iwer musste sich jedoch bis nach der Pause gedulden, denn zunächst spielte es unter der Leitung von Scott Lawton bekannte Filmmelodien.

Zwischen den Stücken macht der Dirigent launige Ansagen. „Vor Ihnen, liebe Damen, liegt die unendliche Savanne“, sagt er. „Neben Ihnen sitzt Robert Redford“, so Scott Lawton weiter. Und schon geht es los, mit sehnsuchtsvollen Klängen aus „Jenseits von Afrika“. Zuvor, „passend zur Badesaison“, die Melodie aus dem weißen Hai. Düster und unheilvoll. Wie schnell man die Attacke des Raubfischs doch wieder vor Augen hat.

Das Konzert fand im Rahmenprogramm der Bundesgartenschau 2015 statt, Organisator waren die Havelländischen Musikfestspiele. Die Open-Air-Veranstaltung war sehr gut besucht, zum Glück blieb es trotz drohender dunklen Wolken trocken. Eine sehr gelungene Aufführung, wie der fast rockkonzertartige Jubel danach bewies. Die Zuschauer lauschten gebannt, sobald die Musiker kurz pausierten, herrschte Totenstille. Nur die Vögel auf den Bäumen am Rande der Bühne zwitscherten ungerührt weiter.

Interview mit dem Komponisten

Marian Lux, Filmkomponist und Pianist, schrieb Musik für TV-Serien. Der gebürtige Bad Freienwalder komponierte „Die Havel“.

Wie haben Sie sich der Havel genähert?

Marian Lux: Ideengeber Michael Omilian und ich sind mehrere Male auf der Havel gefahren, jeweils bis zu sieben Stunden lang. Auf einem kleinen Hausboot, wir fühlten uns so ein wenig wie Tom Sawyer oder Huckleberry Finn.

Wie kann man einen Fluss vertonen?

Lux: Indem man ihm gut zuhört. Bald stellten wir fest, dass es sich bei der Havel um ein weitgehend idyllisches, stilles, beinahe verträumtes Gewässer handelt. Trotzdem darf man sie nicht unterschätzen, sie hat auch eine stürmische und aggressive Seite.

Haben Sie selbst diese „dunkle“ Seite der Havel erlebt?

Lux: Nicht direkt. In Havelberg hat man uns auf Überschwemmungen hingewiesen und gefragt, ob sie Thema meiner Komposition seien. Ich habe daraufhin den Sturm eingearbeitet. Als wir diesen Teil kurz vor der Uraufführung proben wollten, mussten wir abbrechen. Ausgerechnet dann ging das echte Unwetter los.

Kulturmanager Michael Omilian, der seit fünf Jahren im Havelland lebt, hatte vor wenigen Jahren die Idee zu dem Werk anlässlich der Bundesgartenschau. Es sei auch eine kleine Verbeugung vor Friedrich Smetana mit seiner Komposition „Die Moldau“, so Marian Lux. „Michael Omilian hat mich sehr unterstützt und mir beim Komponieren immer wieder über die Schulter gesehen“, sagt der 32-Jährige vor der Aufführung. Auch wenn die nicht direkt an der Havel stattfindet – das Landgut A. Borsig sei mit seinen alten, stilvollen Gebäuden ein fantastischer Ort dafür, findet er. Das Publikum erlebt ein Stück mit vielen Seiten und Facetten. Gut 22 Minuten lang.

Bald ist es mit der Havel-Ruhe vorbei. Ein akustischer Sturm zieht auf, es wird dramatisch, Pauke und Becken kommen zum Einsatz. Trompeten kündigen warnend den Untergang des Dorfes Wust an. In alten Sagen und Mythen wurde davon erzählt, erinnert sich der Komponist.

Nach einiger Zeit glätten sich die Wogen, eine Harfinistin greift sacht in die Saiten. Und Undine lockt in einen verzauberten Wald. Mit einem Flötensolo, das besonders Karl-Heinz Riebschläger aus Berlin beeindruckt hat. Mit seiner Frau Christina ist er schon auf der Havel gepaddelt. „Ich habe mir die ganze Zeit überlegt, welche Sequenz welchen Abschnitt des Flusses beschreibt“, sagt er. Auch Elisabeth Bartsch aus Falkensee hat das Konzert gut gefallen. „Das Stück sollte auf jeden Fall öfters gespielt werden“, meint sie. Und Katherina aus Falkensee, die ihren Nachnamen nicht verraten möchte, findet es „toll, dass so ein spannendes Stück in der Region uraufgeführt wurde“. Die Musiker des Filmorchester wirken ebenfalls zufrieden, besonders Maria Marguerre aus Borkheide: „Gerade in diesem Stück komme ich mit meiner Fagott reichlich zum Einsatz.“

Von Fritz H. Köser

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