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Havelwasser wird untersucht

Messanlage für Radioaktivität in Ketzin Havelwasser wird untersucht

Seit 1996 wird in Ketzin die Radioaktivität in der Havel gemessen. Es ist eine 40 Warnstellen an Bundeswasserstraßen, die die Bundesanstalt für Gewässerkunde unterhält. Eine erhöhte Belastung über einen langeren Zeitraum kam in Ketzin bisher nicht vor.

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Ralf Gommert in der Messstation in Ketzin. Hier werden Wasserproben untersucht und gesammelt.

Quelle: Jens Wegener

Ketzin/Havel . Ralf Gommert braucht für seine tägliche Arbeit keinen Schutzanzug. Auch keine Kopfbedeckung. Obwohl man das vermuten könnte, wenn man weiß, dass der Mann in einer Messstelle für Radioaktivität in Ketzin/Havel arbeitet. Von der Landseite ist besagte Messstelle kaum zu finden. Unweit der Ketziner Fähre hat das Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg ein großes Areal mit Wasserzugang in Verwaltung, auf dem sich zu DDR-Zeiten die Strommeisterei Ketzin befand.

Standortbetreuer Ralf Gommert ist seit vielen Jahren beim Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg (WSA) angestellt und sieht täglich in Ketzin nach dem Rechten. „Früher haben wir hier lediglich die Wassergüte, also den Sauerstoffgehalt des Wassers, die Leitfähigkeit, die Trübung und den Nitratgehalt sowie die Durchflussmengen ermittelt. Das passiert heute auch noch. Aber seit 1996 ist Ketzin auch eine von 40 Warnstellen für Radioaktivität an Bundeswasserstraßen“, sagt Gommert. An allen großen Flüssen in Deutschland gibt es solche Messstellen, an der Havel ist es neben Ketzin auch noch in Zehdenick (Landkreis Oberhavel).

Die Messanlage selbst besteht aus mehreren technischen Geräten – darunter ein Probennehmer und ein Schwebstoffsammler – die völlig ohne menschliches Zutun funktionieren. Wasser aus der Havel wird rund um die Uhr überwacht. „Alle 15 Minuten zieht ein Gerät ein Schluck aus der Havel an und untersucht es auf radioaktive Inhaltsstoffe Stoffe“, sagt Gommert.

Die Daten werden in die Zentrale der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz übertragen und dort ausgewertet. Ist ein bestimmter Schwellenwert überschritten, schlagen die Frühwarnsysteme an. „Das heißt jetzt nicht, dass gleich Katastrophenalarm ausgelöst wird“, weiß Gommert. „Aber dann beginnt die genaue Ursachenforschung für den hohen Wert.

Der kann zum Beispiel erreicht werden, wenn von einem Schiff irgendwelche Flüssigkeiten illegal in die Havel geleitet werden oder wenn nach starken Regenfällen viel Staub und Sedimente ins Wasser gelangen, denn die Radioaktivität ist in der Luft höher als im Wasser.“ Bisher gab es im Bereich der Ketziner Havel noch keine solch hohen Werte, die eine Gefahr für die Bevölkerung dargestellt hätten.

Ausgang für den Aufbau der bundesweiten Messanlagen waren die Kernwaffenversuche der 1950er-Jahre sowie die friedliche Nutzung der Kernenergie. Die Bundesrepublik Deutschland verpflichtete sich, die Umwelt auf radioaktive Stoffe zu überwachen. In der Folge richtete die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung in den 1960er-Jahren unter fachlicher Betreuung der Bundesanstalt für Gewässerkunde ein aus 28 Messstellen bestehendes Warnstellennetz ein. Nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl wurde dieses Netz im Zuge des Strahlenschutzvorsorgegesetzes von 1986 technisch erneuert. Nach der Wiedervereinigung kamen in den neuen Bundesländern zwölf weitere Messstellen hinzu.

Für den Fall der Fälle gibt es einen Alarmplan, erklärt Gommert. Dann werden die in Ketzin gesammelten Wasserproben, die sonst monatlich abgeholt werden, per Sondertransport sofort und direkt nach Koblenz zur Untersuchung gebracht. Dieses Prozedere wird regelmäßig geübt, wie erst vor wenigen Wochen wieder.

Wie wichtig ein solches Mess- und Frühwarnsystem ist, zeigte sich zuletzt im März 2011 nach dem nuklearen Unfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima, bei dem radioaktive Stoffe in die Umwelt freigesetzt wurden. Die Frage, ob das Auswirkungen für Deutschland hat, konnte schnell beantwortet werden: „Das geeignete Instrumentarium stand bereit. Berechnungen zeigten, dass radiologisch signifikante Kontaminationen in der Umwelt hier nicht zu befürchten waren. Dies wurde anschließend durch die laufenden Messungen bestätigt“, sagt Gerhard Löper vom Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg.

Von Jens Wegener

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