Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 5 ° heiter

Navigation:
Modellbauer aus Leidenschaft

Stölln Modellbauer aus Leidenschaft

Helmut Wernicke aus Rathenow (Havelland) wollte unbedingt Pilot werden. Doch die DDR verweigerte ihm dies wegen Westverwandtschaft. Wernicke lebt seine Leidenschaft fürs Fliegen seitdem als Modellbauer aus. Und hat sich nun einen Herzenswunsch erfüllt. Einige seiner Modelle sind am ältesten Flugplatz der Welt in Stölln zu sehen.

Voriger Artikel
Fußgängerüberweg vor Jahnschule im Bau
Nächster Artikel
Mareike Lange möchte wieder nach Bububu

Helmut Wernicke mit Adlermodell vor der Lady Agnes auf dem Stöllner Gollenberg.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow/Stölln. Es wäre wohl einfacher, aufzuzählen, was der passionierte Modellbauer Helmut Wernicke noch nicht gebaut hat, als eine Liste seiner in über 50 Jahren zusammengebaute Modelle anzufertigen. Motorflugzeuge, Segelflugzeuge, Helikopter, Flugzeugträger, U-Boote – dem 76-Jährigen ist keine Herausforderung zu groß.

Wer sich von Wernickes Modellbaukunst überzeugen will, der sollte einen Abstecher ins Interflug-Café auf dem Stöllner Gollenberg machen. Dort hängen seit dem Frühjahr einige Arbeiten aus der Werkstatt des leidenschaftlichen Bastlers als Dauerleihgaben. Obwohl Wernicke das Wort Bastler nicht mag. Und wer sich den Rosinenbomber genauer anschaut, der in Stölln von der Decke hängt, der kann den Mann verstehen. 3,80 Meter Spannweite, 24 Kilo schwer, acht PS Motorleistung. Und trotzdem flugfähig. Da steckt neben dem Basteltrieb ein gehöriges Maß an technischem Verständnis drin. „Wenn ich damit bei Flugschauen aufgetaucht bin, war ich immer gleich umlagert“, sagt Wernicke. Und nicht selten hat er Applaus bekommen, wenn er die JU/52 wieder sicher zu Boden gebracht hat. So, wie echten Piloten bei einer gelungenen Landung applaudiert wird.

Ein echter Pilot wäre auch Helmut Wernicke gerne geworden. Sein Großvater war Bordmaschinist auf einem Parseval-Luftschiff, sodass der Enkel schon als Kind vom Fliegen träumte. Doch es blieb beim Traum. Zwei Geschwister Wernickes lebten in Westberlin, damit war für ihn als DDR-Bürger der Pilotenberuf gestorben. Selbst eine Gesuch an Wilhelm Pieck nutzte nichts. Der ließ ausrichten, Helmut Wernicke solle seine Kraft und Kreativität doch bitte für den Aufbau des Sozialismus einsetzen.

Nun denn. Wernicke wurde Elektriker im Hauptberuf. Und Modellbauer aus Leidenschaft. Aber kein Bastler von jener Sorte, die einen Bausatz bestellen und den nach idiotensicherer Anleitung Teil für Teil zusammensetzten. Fast alles an den Flugzeugen, die er im Lauf seiner Karriere gebaut hat, ist selbst gemacht. Und dass es als Elektriker wusste, wie Motoren und Steuerungen funktionieren, war natürlich hilfreich.

Stunden um Stunden verbringt der Mann heute noch in seiner Werkstatt und tüftelt an neuen Fluggeräten. Den Lilienthalgleiter, mit dem Otto Lilienthal seine ersten Flüge auf dem Stöllner Gollenberg machte, hat er originalgetreu nachgebaut. Im Stöllner Lilienthalzentrum hängt das gute Stück an der Decke, um den Besuchern einen Eindruck von der Ingenieurskunst des ersten Fliegers zu vermitteln. Er hat Motorflugzeuge gebaut, bei denen er im Flug eine Ladeklappe öffnen kann, aus der dann Bonbons auf den Boden herabfallen. Im Moment ist er mit einem Seeadler unterwegs, den er täuschend echt durch die Luft manövriert.

Dass er einige dieser Modelle nun in Stölln präsentieren darf, an jenem Ort also, an dem sein großes Idol Otto Lilienthal die ersten Flüge der Menschheit absolvierte, erfüllt den rüstigen Ruheständler mit Stolz. „Einen besseren Ausstellungsort kann ich mir nicht vorstellen“, sagt er. „Das ist eine große Ehre.“

Wernickes Frau Edith, wie soll es anders sein, unterstützt ihren Mann nach ihren Kräften. Die Bespannung für die Lilienthalflieger geht auf ihr Konto. Und die Filme und Fotos von den Flugeinsätzen ihres Mannes hat sie auch alle gemacht. Es sei noch erwähnt, dass Helmut Wernicke als Drachenflieger seinem Pilotentraum doch noch näher gekommen ist, als es anfangs den Anschein hatte. Mittlerweile werden aber nur noch Modelle geflogen. Wobei „nur noch“ die Sache nicht trifft. Das Ganze ist ein Fulltime-Job. „Ich hab den Flieger-Virus drin“, sagt Wernicke dazu nur. „Da komm ich nicht mehr von los.“ Und wie er das so sagt, mit schelmischem Augenzwinkern, hat man nicht das Gefühl, dass er das bedauert.

Modelle und Flugvorführung

Die Flugmodelle Helmut Wernickes sind in einem Raum des Interflug-Cafés neben der Lady Agnes auf dem Stöllner Gollenberg zu sehen. In dem anderen Raum gibt es eine informative Ausstellung zur Geschichte der Interflug.

Außerdem hängt im Lilienthalcentrum in der Stöllner Ortsmitte ein originalgetreuer Nachbau (1:1) des Gleiters, mit dem Otto Lilienthal auf dem Stöllner Gollenberg seine ersten Flugversuche unternommen hat.

Beim Lilienthalfest am 6. August wird Helmut Wernicke auf dem Gollenberg sein Seeadler-Flugmodell vorführen.

Wer andere Flogvorführungen des Modellbauers sehen will, der findet unter youtube unter dem Suchbegriff „Edith Wernicke“ mehrere Filmaufnahmen.

Von Markus Kniebeler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg