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Herzinfarkt-Risiko bleibt im Havelland hoch

Gesundheit Herzinfarkt-Risiko bleibt im Havelland hoch

Im Havelland bleibt das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden hoch. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind hier stärker verbreitet, weil es mehr Fälle von Diabetes, viele Raucher und Übergewichtige gibt. Außerdem deuten viele Patienten die Anzeichen eines Infarktes nicht richtig – jede Hilfe kommt zu spät.

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Chefarzt der Kardiologie Martin Stockburger im Herzkatheterlabor.

Quelle: Laura Sander

Nauen. Ein drückender, brennender Schmerz hinter dem Brustbein breitet sich in der linken Schulter aus, strahlt bis in den Arm, die Magengegend, teilweise sogar in Hals und Unterkiefer. Luftnot, Schweißausbrüche und Übelkeit begleiten die Symptome. Eine schnelle Reaktion kann jetzt Leben retten, doch besonders in den neuen Bundesländern, angeführt von Sachsen-Anhalt und Brandenburg, schätzen Herzinfarkt-Patienten das Risiko oftmals falsch oder nicht schnell genug ein.

Diabetes, Übergewicht, Raucher

„Die Herzinfarktsterblichkeit ist in ganz Deutschland zwar deutlich zurückgegangen, das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden, bleibt jedoch besonders in Ostdeutschland nach wie vor hoch. Im Havelland, wie in ganz Brandenburg, hat das mehrere Ursachen“, so Martin Stockburger, Chefarzt der Kardiologie der Havelland Kliniken. „Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind hier stärker verbreitet, weil es mehr Fälle von Diabetes, viele Raucher und Übergewichtige gibt. Außerdem ist die Bereitschaft, einen Arzt aufzusuchen viel geringer, als beispielsweise in Berlin“, so der Facharzt.

Symptome werden falsch gedeutet

Viele Patienten mit den typischen Symptomen deuten ernsthafte Anzeichen eines Infarktes nicht richtig und warten erst einmal ab, ohne einen Arzt aufzusuchen. „Brandenburger sind außerdem weniger aufmerksam in der Wertung ihrer Symptome. Oftmals wollen vor allem Männer niemandem zur Last fallen und verzichten darauf einen Krankenwagen zu rufen, bis es dann zu spät ist“, sagt Stockburger. So werden wertvolle Stunden verschwendet, besonders in ländlichen Regionen mit langen Transportwegen ist das ein großes Problem. „Die Abläufe in der Klinik haben wir in den vergangenen Jahren dahingehend optimiert, dass alle nötigen Notfallmaßnahmen innerhalb einer Stunde ab dem Einlieferungszeitpunkt eingeleitet werden können. Die Rettungskette fängt jedoch beim Patienten an – das können wir nicht beeinflussen.“ Oft versterben Patienten noch Zuhause, weil sie einen Infarkt zu spät oder gar nicht erkannt haben. Vor allem bei Frauen unterscheiden sich die Symptome erheblich. Sie erleben weniger einen starken Schmerz im Brustkorb, sondern beschreiben dies häufiger als ein Engegefühl in der Brust. Neben dem typischen Brustschmerz treten bei Frauen auch untypische Symptome auf: Kurzatmigkeit, Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch.

EKG aufs Smartphone

Hat ein Infarkt-Patient einmal den Rettungsdienst verständigt, geht alles ganz schnell. Schon die ersten Untersuchungsergebnisse werden direkt aus dem Krankenwagen per Knopfdruck auf das Smartphone des Diensthabenden von insgesamt vier ausgebildeten Interventionskardiologen in der Nauener Klinik gesendet. „Das Elektrokardiogramm (EKG) wird vor Eintreffen des Patienten ausgewertet und alle Maßnahmen für die Wiedereröffnung des betroffenen Herzgefäßes vorbereitet. Das Team wird zusammengerufen, so dass die Behandlung gleich mit der Ankunft des Rettungswagens beginnen kann“, so der Chefarzt.

Starkes Ost-West-Gefälle

98 Brandenburger pro 100 000 Einwohner sind 2013 an einem Herzinfarkt gestorben. Ein höheres Risiko gab es nur noch im Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt (99 Tote pro 100 000 Einwohner).

Das Risiko , in Ostdeutschland an einem Herzleiden zu sterben, ist insgesamt deutlich höher als in Westdeutschland, wie aus dem Bericht der Deutschen Herzstiftung hervorgeht.

In Schleswig-Holstein ist die Gefahr mit 43 Todesfällen pro 100 000 am niedrigsten. In Hamburg gab es 48 Fälle, in Baden-Württemberg 57 Fälle pro 100 000 Einwohner.

Mit insgesamt sechs Infoveranstaltungen im Jahr sind die Havelland Kliniken im Ost- und Westhavelland unterwegs und klären rund um das Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Prävention und Verhalten im Notfall auf.


In den kommenden Jahren steht das Team um Martin Stockburger vor einer besonders großen Aufgabe. „Insbesondere Männer um die 50 sind gefährdet, bei Frauen steigt das Risiko auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung nach der Menopause erheblich an. Die geburtenstarken Jahrgänge fallen derzeit in genau diese Kategorie“, so der Facharzt. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung generell immer älter wird. Für die Mitarbeiter der Kardiologie bedeutet das einen erheblichen Patientenzuwachs, auf den es sich vorzubereiten gilt. Neben dem bereits vorhandenen Herzkatheterlabor in der Nauener Klinik ist in Zukunft noch ein zweites geplant.

Von Laura Sander

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