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Hilfe für ein Leben ohne Sucht

Buchow-Karpzow Hilfe für ein Leben ohne Sucht

Auf einem ehemaligen Pferdehof in Buchow-Karpzow lernen Männer aus der ganzen Welt ihre Sucht nach Drogen, Alkohol oder dem Glücksspiel zu bekämpfen. Vito und Ann-Kathrin Franceschin vom Verein Casa Betel nehmen die Süchtigen kostenlos auf und geben ihnen ein Stück Normalität zurück.

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Vito und Ann-Kathrin Franceschin zogen 2008 nach Buchow-Karpzow und betreuen auf dem ehemaligen Pferdehof bis zu 20 Männer.

Quelle: Laura Sander

Buchow-Karpzow. Lavendel, Terrakottatöpfe und die gepflasterte Zufahrt verleihen dem ehemaligen Pferdehof in Buchow-Karpzow einen mediterranen Charme. Liebevoll pflegen Vito und Ann-Kathrin Franceschin das Grundstück, das sie seit 2008 gemeinsam mit Suchtkranken aus der ganzen Welt wieder herrichten. „Vier Jahre lang ist hier nichts passiert, die Scheune war baufällig, alles war zugewachsen. Auch heute ist immer noch einiges zu tun – ohne die Männer würden wir das gar nicht schaffen“, so Ann-Kathrin Franceschin.

Der Kampf gegen die Sucht

Bänke zum Verweilen, eine Feuerstelle für gemeinsame Abende und ein Beachvolleyballfeld erinnern zwar stark an einen Ferienhof, für seine Bewohner ist das Betel-Haus jedoch alles andere als Urlaub. „Menschen mit Drogen-, Alkohol- oder Spielsucht kommen zu uns. Wir nehmen sie kostenlos auf, egal wer sie sind und woher sie kommen.“ Handys, Internet und Geld sind nicht erlaubt, ebenso wenig darf auf dem Hof geraucht werden. „Wir wollen jegliche Art von Sucht aus unserem Lebenshilfehaus verbannen. Wer noch auf Drogen ist, muss einen kalten Entzug machen – ein Drogenentzug ohne Medikamente ist für viele Männer zu viel und sie verlassen uns wieder.“ Wer es jedoch schafft, ist freiwillig auf dem Hof und kann jederzeit gehen. „18 Monate sollten die Männer schon hier bleiben. In dieser Zeit lernen sie Verantwortung zu übernehmen und einen geregelten Tagesablauf, den sie zuvor meist nicht hatten“, so Ann-Kathrin Franceschin. Wie lange die Männer bleiben, entscheiden sie selber. „Wir machen da keine Vorgaben. Fühlen sich die Männer noch nicht bereit dazu auf eigenen Beinen zu stehen, dürfen sie so lange bleiben, wie sie möchten.“

Struktur im Tagesablauf

Geborgenheit und eine Aufgabe – für die meisten Süchtigen sei das nicht selbstverständlich. „Der Tag der Männer ist durchgeplant, Langeweile kommt nicht auf und Schlafen am Tag ist ebenfalls nicht erlaubt. Alle Aufgaben sind in Plänen festgehalten – egal, ob es nun um die Arbeit, den Haushalt oder das Kochen geht“, sagt Vito Franceschin, der selbst jahrelang drogenabhängig war und genau weiß, wie sich die Hofbewohner fühlen. Vor rund 20 Jahren haben sich Vito und Ann-Kathrin Franceschin bei ihrer Arbeit bei Betel in Spanien kennen und lieben gelernt. „Wir sind sehr gläubig und vertrauen auf Gott. Zwei Mal in der Woche gibt es auf dem Hof eine Andacht, bei der mein Mann und ich predigen“, so Ann-Kathrin Franceschin.

Möbel, Umzüge und Wohnungsauflösungen

Das Essen für die derzeit elf Männer aus Deutschland, Bulgarien und der Slowakei wird immer samstags vom Großmarkt der Berliner Tafel geholt. Für die sonstige Finanzierung des Projektes sorgen die Männer, indem sie gebrauchte, teilweise sogar gespendete Möbel restaurieren, Umzüge und Haushaltsauflösungen durchführen. „Bei der Möbelgestaltung können sich die Männer kreativ ausleben, müssen aber auch lästige Aufgaben, wie das Abkratzen des Lacks erledigen“, so Vito Franceschin. In knalligen Farben werden Schränke, Kommoden oder Buffets lackiert – jedes Teil ist ein Einzelstück. „In unserem Secondhand-Laden an der Spandauer Heerstraße/Ecke Magistratsweg verkaufen wir die Möbel und alle möglichen Haushaltsgegenstände, wie Geschirr, Sofas oder Dekoration. Der Erlös fließt vollständig in das Projekt“, so Ann-Kathrin Franceschin. Doch nicht jeder Bewohner des Casa Betel darf gleich mit dem Transporter Möbel abholen und eigenständig arbeiten. „Während der ersten 14 Tage bleibt der Gast auf dem Hof, erst danach darf er mit den anderen Männern zu Umzügen gehen und das auch nur, wenn er bereit dafür ist“, sagt Franceschin. Zu oft sei es schon vorgekommen, dass die Männer wieder rückfällig geworden und einfach abgehauen sind. „Und selbst wenn das mal passiert, dürfen sie immer wieder zurückkommen. Nur in besonders harten Fällen, wie Diebstahl oder Gewalt, fliegen die Männer raus – das ist aber bislang nicht oft vorgekommen.“

Asociación Betel agiert weltweit

Der Verein Casa Betel ist der deutsche Zweig der internationalen Organisation Acociación Betel, die 1985 von Elliot Tepper und Luis McKenzie in Madrid gegründet wurde.

Mittlerweile gibt es über 60 Lebenshilfehäuser in 24 Nationen, die größtenteils von ehemaligen Abhängigen betreut werden.

Das erste deutsche Betel-Haus für Männer wurde 1995 in der Nähe von Neumünster in Schleswig-Holstein gegründet. Seit 2007 werden dort auch Frauen aufgenommen.

Seit 1996 ist der Verein Casa Betel Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Lebenshilfen (ACL).

Das Hauptziel der Lebenshäuser ist die ganzheitliche Wiederherstellung der Abhängigen – körperlich, seelisch und geistlich.

Im Betel-Haus in Buchow-Karpzow finden bis zu 20 Männer Platz, die kostenlos aufgenommen werden.

Durch handwerkliche Tätigkeiten und Spenden finanziert sich der Verein selbst und ganz ohne Kostenträger.

Einer ihrer zuverlässigsten Mitarbeiter ist Antonio aus Madrid. Er kam 2008 mit den Franceschins aus Schleswig-Holstein nach Buchow-Karpzow. Antonio war 15 Jahre lang alkohol- und drogenabhängig. Seit rund neun Jahren ist er mit Jenia aus Russland verheiratet, die ebenfalls lange heroinsüchtig war. Gemeinsam arbeiten sie in dem Spandauer Secondhand-Laden und sind drogenfrei.

Von Laura Sander

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