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Hindernisse auf dem Weg in den Arbeitsmarkt

Symposium in der Friesacker OSZ-Mensa Hindernisse auf dem Weg in den Arbeitsmarkt

Wenn ein Unternehmen einen Flüchtling einstellen will, müssen die Beteiligten Geduld haben. Die Bürokratiehürden sind hoch und das Zusammenspiel der Behörden könnte besser sein. Das wurde bei einer Tagung in Friesack deutlich, zu der sich Unternehmen, Behörden, IHK, Bildungsträger und Willkommensinitiativen mit dem Thema beschäftigten.

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In der Friesacker OSZ-Mensa war ein Symposium zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt.

Quelle: Joachim Wilisch

Friesack. Matthias Ebendorff-Heidepriem ist Handwerker und eigentlich ein Mann der Tat, weniger der grauen Theorie. Als er jedoch einen Flüchtling einstellen wollte, da wurden seine Nerven auf eine harte Probe gestellt. Dies ist ein Beispiel, das auf einer Tagung präsentiert wurde, bei der sich Landkreis, Wirtschaftsverbände, Bildiungsträger und Willkommensinitiativen darüber ausgetauscht haben, wie man Flüchtlinge sinnvoll in den Arbeitsmarkt integrieren kann. Am Ende war den Protagonisten klar – hier stehen alle noch ganz am Anfang.

Ein junger Mann aus Pakistan wollte bei Matthias Ebendorff-Heidepriem als Bau- und Möbeltischler arbeiten. Er erwies sich als talentiert und fleißig. „Der ist wild auf Arbeit und er will arbeiten“, sagte Ebendorff-Heidepriem am Dienstag bei dem Symposium. Es sei kein Problem gewesen, den jungen Pakistani in die Firma zu integrieren. Und er habe nach einer gewissen Eingewöhnungsphase auch anerkannt, dass es im Betrieb nicht nur einen Chef sondern auch eine Chefin gibt. „Das ist ein ganz vorbildlicher Mitarbeiter“, sagte Ebendorff-Heidepriem.

Bürokratie-Marathon bis zur Einstellung

Bis er den jungen Mann aber beschäftigen durfte, musste ein Bürokratie-Marathon absolviert werden. „Vier Monate hat es gedauert, bis alle Papiere beisammen waren“, so der Handwerker. Das Unternehmen habe selber nicht wissen können, mit wem in so einem Fall zu sprechen ist. „Der Papierkram war so schlimm, ich wollte schon alles hinschmeißen.“ Abgehalten habe ihn letztendlich der Arbeitswille des Angestellten.

Ganz ähnlich erging es Cornelia Schmude. Sie ist Geschäftsführerin der Storck GmbH Nauen. Mit viel Geduld und Freude an Erfolgserlebnissen wurde ein Flüchtling integriert. Auch Cornelia Schmude berichtete von zahlreichen Behördenwegen: „Wir haben mit dem Ausländeramt, dem Arbeitsamt, der Botschaft und anderen Institutionen reden müssen“, erinnert sie sich. Bitter in diesem Fall: Als alle Vorgaben geklärt waren, stellte sich heraus, dass der Mann als Asylbewerber abgelehnt war, also möglicherweise irgendwann wieder zurück in die Heimat muss.

In der Storck GmbH arbeitet man mit dem Flüchtling vorerst weiter. Und wartet ab, was nun passiert. Beim Friesacker Möbeltischler herrscht ebenfalls Ungewissheit. Pakistan ist kein klassisches Fluchtland.

Eine Anlaufstelle im Sozialministerium?

Schwierige Verhältnisse sind das – räumen auch Sozialdezernent Wolfgang Gall (CDU) und der Bundestagsabgeordnete Harald Petzold (Linke) ein. Sie versprechen das Thema einerseits in den Ausschüssen des havelländischen Kreistages zu besprechen und sich für eine Anlaufstelle für Unternehmen einzusetzen, die koordinierend alle Behördenwege für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt begleitet. Petzold schlägt vor, diese Anlaufstelle im Sozialministerium des Landes anzusiedeln.

Während einige Redner einräumen, dass es nicht ganz einfach ist, alle Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren – schon wegen der unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen – plädiert Volker Gerloff dafür, „sich erst einmal auf den Weg zu machen“. Der Rechtsanwalt erläuterte die juristischen Voraussetzungen. Die sind vielfältig. Immer sind Ausländerbehörde und Arbeitsamt in das Verfahren einzubeziehen. Nur in ganz wenigen Fällen geht es unbürokratisch zu: bei Ärzten, Spezialisten, bei Personen mit einem hohen Gehalt oder nach einer Wartezeit von 15 Monaten in Deutschland. Insbesondere Syrer seien gut ausgebildet, Menschen aus dem Irak und Afghanistan weniger.

Juristische Voraussetzungen sind vielfältig

Gerloff rechnet mit einer Flüchtlings-Anerkennungsquote um 50 Prozent. „Schaut man auf den demografischen Wandel, dann ist die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt eine Chance.“

Eine Podiumsdiskussion zu dem Thema und eine kleine Informationsmesse rundeten das Symposium ab. Auch wenn es noch viel zu tun gibt, glauben Anke Bienwald und Grit Burmeister vom Verein „Partnerschaft für Demokratie Rathenow“, dass die Unternehmen, die es mit Flüchtlingen versucht haben, den Grundstein dafür setzen, dass es irgendwann auch weniger bürokratische Hürden gibt.

Von Joachim Wilisch

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