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Hirschkäfer in Einkaufspalästen

Spaziergänge zur Warenhaus-Geschichte des Havelbezirks Hirschkäfer in Einkaufspalästen

Wo gingen Spandauer einst einkaufen? Seit wann gibt es Woolworth, war Karstadt schon immer in der Carl-Schurz-Straße? Zwei Spandauer Schülerinnen der Jugendgeschichtswerkstatt bieten Stadtspaziergänge zur Warenhaus-Geschichte des Havelbezirks an.

Spandau. Wo gingen Spandauer einst einkaufen? Seit wann gibt es Woolworth, war Karstadt schon immer in der Carl-Schurz-Straße? Die Jugendgeschichtswerkstatt ging dieser Frage jetzt auf den Grund und lud zu einem Rundgang durch die Altstadt ein. Das Interesse war groß.

Valesca Heinlein hat die Idee ausgearbeitet. Die 19-Jährige absolviert derzeit ein "Freiwilliges Soziales Jahr Kultur" in der Geschichtswerkstatt. Auf das Thema stieß sie bei Gesprächen mit ihrer Großmutter. Der jungen Historikerin auf Zeit steht die Praktikantin Leonie Lietz, ebenfalls aus Spandau, zur Seite.

Am Anfang der Warenhäuser stand der amerikanische Unternehmer Franklin Winfield Woolworth. Er präsentierte als erster Waren frei zugänglich für die Kunden auf dem Tresen und nicht dahinter. In Deutschland gab es die erste Woolworth-Filiale 1926. Die Spandauer Dependance öffnete 1931 ihre Pforten, damals in der Breiten Straße33-34. Heute ist da ein anderes Geschäft. Da die Nationalsozialisten Woolworth für ein jüdisches Unternehmen hielten, stellten sie die Handelskette nach 1933 unter Zwangsverwaltung.

1954 zog das Kaufhaus um in einen Neubau am Markt 6-8. "Da laufen wir jetzt alle hin!", rief Valesca Heinlein fröhlich. Leonie Lietz zeigte alte Fotos, auf denen der Markt noch in Trümmern liegt.

Dann ging es um verschwundene Einkaufspaläste von Pieck oder M.Hirsch. Beide Unternehmer flohen vor der nationalsozialistischen Verfolgung und gaben ihre Geschäfte auf. Vor allem M. Hirsch war sehr beliebt bei den Kunden: Hier konnte man mit einem Lift fahren und sich in einer Erfrischungsdiele entspannen. Die Verkäuferinnen nannte man "Hirschkäfer". Aus M.Hirsch wurde Lindemann & Co. und daraus wiederum, ebenfalls von der NS-Diktatur veranlasst, "Denninger". Fritz Denninger übernahm das Warenhaus, das "arisiert" wurde.

Ganz prominent in Spandau ist das Haus Sternberg, eine Berliner Gedenktafel am Eingang der heutigen Sparkasse erinnert an das Schicksal des Kaufhaus-Besitzers Julius Sternberg. 1938 verkaufte er sein Warenhaus an den "Ariseur" Hermann Fauser und wanderte nach Kolumbien aus. Nach dem Krieg vermietete der das Haus an seinen Freund, den Hertie-Besitzer Georg Karg. Er leitete das Geschäft bis 1972. Noch heute erkennt man an der großzügigen Fensterfassade, dass es sich beim Gebäude Breite Straße21 um ein niveauvolles Warenhaus gehandelt haben muss. Sternberg war bekannt für hervorragende Qualität.

Den Abschluss bildete das jüngste Gebäude: Karstadt ehemals Hertie. In den Sechziger Jahren war die Trendabteilung für Teens und Twens die Sensation: Hier gab es angesagte Jeans und Pullis, neue Hits auf Schallplatte und den passenden Hippieschmuck dazu. Von einem Parkhaus mit 400Stellplätzen konnte man direkt die Verkaufräume erreichen – ebenfalls sensationell Mitte des 20. Jahrhunderts.

Von Judith Meisner

Den kostenfreien Stadtspaziergang gibt es wieder am 31. Juli und 14. August, 18 Uhr. Treffpunkt: Breite Straße 32 vor dem Gotischen Haus

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