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Havelland Deutsche Bahn will Strecke nach Berlin erweitern
Lokales Havelland Deutsche Bahn will Strecke nach Berlin erweitern
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20:43 09.02.2018
Ein Regionalexpress auf der ICE Strecke zwischen Nennhausen und Buschow. Hier soll laut Bundesplanung neben den beiden Schnellbahngleisen ein drittes Gleis für den Regional- und Güterverkehr gebaut werden. Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Bahnreisende aus dem Westhavelland mit Fahrtziel Berlin kennen das. Der Regionalexpress RE 4 fährt pünktlich los und bleibt dann minutenlang in Buschow oder Nennhausen stehen. Die Erklärung: Verspätete Schnellzüge haben Vorfahrt und müssen vorbeigelassen werden. Die Ursache des Problems: Zwischen Bamme und Ribbeck ist die so genannte Lehrter Stammbahn unterbrochen. Während zwischen Stendal und Bamme sowie zwischen Ribbeck und Berlin ein drittes Gleis liegt, das vom Regional- und Güterverkehr genutzt wird, existieren zwischen Bamme und Ribbeck nur die beiden Schnellbahngleise. Das heißt, alle Züge, auch die des Güter- und Regionalverkehrs, müssen auf die stark frequentierte ICE-Strecke geführt werden. Was bei den kleinsten Fahrplanabweichungen zu den geschilderten Wartezeiten führt.

Ein Lückenschluss auf dem besagten Abschnitt würde die Situation erheblich entspannen. Das sieht auch die große Politik so. Allerdings mahlen dort die Mühlen langsam. Aber immerhin hat der „1-gleisige Neubau der Lehrter Stammbahn im Abschnitt Abzweig Bamme – Abzweig Ribbeck“ es in den Bundesverkehrswegeplan 2030 geschafft. Und zwar mit der Einstufung „Vordringlicher Bedarf“. Aber was heißt das konkret?

Aus dem Bundesverkehrsministerium kommen auf MAZ-Anfrage keine Details zu dem Vorhaben. Aber immerhin gibt es eine Bestätigung. „Das Schienenprojekt ABS Hannover – Berlin (Lehrter Stammbahn) wurde im Rahmen des dargelegten Verfahrens in den BVWP 2030 und in den Bedarfsplan des neuen Bundesschienenwegeausbaugesetzes in die Kategorie des Vordringlichen Bedarfs aufgenommen“, heißt es. Für weitere Informationen sei die DB Netz AG zuständig.

Zwischen Rathenow und Bamme ist das Stammbahngleis (re.) noch in Betrieb. Quelle: Markus Kniebeler

Von deren Frankfurter Zentrale kommt die Bestätigung, dass die DB-Strecke 6107 (Lehrter Stammbahn) auf rund 16,5 km Länge zwischen den Abzweigstellen Bamme und Ribbeck wieder aufgebaut werden soll. Dann geht es im Behördendeutsch weiter: „Zurzeit erfolgt die Grundlagenermittlung, konkret wird die verkehrliche Aufgabenstellung erarbeitet und anschließend die betriebliche Aufgabenstellung.“ Weiter heißt es, dass die neu zu bauende Strecke vom Güterverkehr und Personennahverkehr genutzt werden soll. Kostenschätzungen für diesen Abschnitt lägen indes noch nicht vor.

Der Neubau des genannten Abschnitts ist übrigens nur ein Teil des im Bundesverkehrswegeplan unter der Nummer 2-032-V01 geführten Gesamtprojektes. Dieses umfasst außerdem die Elektrifizierung der Lehrter Stammbahn zwischen Vorsfelde und Wustermark – der Abschnitt ist rund 135 Kilometer lang – sowie die Ertüchtigung des Schnellbahnabschnitts zwischen Ribbeck und Bamme für Geschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern. Rund 400 Millionen Euro sind für dieses Gesamtprojekt veranschlagt.

Sollte dieses Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden – was bei den Planungs- und Genehmigungsrisiken, denen ein solches Großprojekt unterliegt, nicht selbstverständlich ist – dann liegen die Vorteile für Bahnreisende aus dem Westhavelland auf der Hand. Nicht nur würde die lästige Warterei auf den Fernverkehr entfallen. Auch die von westhavelländischen Kommunen geforderte Erhöhung des Taktes auf der Linie RE 4 zwischen Rathenow und Berlin wäre zumindest aus fahrplantechnischen Gründen nicht mehr so kompliziert. Denn erst vor wenigen Wochen hatte ein Sprecher des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) erklärt, eine Erhöhung des Taktes auf der Linie RE 4 sei unter anderem deshalb nicht so leicht umzusetzen, weil es „betriebliche Abhängigkeiten zu den Zügen des Fernverkehrs wegen der gemeinsamen Nutzung der Schnellfahrstrecke durch Fern- und Nahverkehrszüge“ gebe. Einfacher ausgedrückt: Wenn der Fernverkehr auf der ICE-Strecke zu dicht ist, fehlen die Lücken, um Nahverkehrszüge auf den Schnellbahngleisen einzutakten.

Bei einem durchgehenden dritten Gleis neben der ICE-Trasse würde zumindest dieses Argument gegen eine Taktverdichtung wegfallen. Ob all das, was im Bundesverkehrswegeplan festgehalten ist, tatsächlich kommt, dazu kann und will sich im Berliner Ministerium niemand äußern. Aber die Tatsache, dass das Vorhaben im Plan steht und die Klassifizierung „vordringlicher Bedarf“ trägt, ist ja schon mal mehr als nichts.

Von Markus Kniebeler

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