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Hunderte Besucher bestaunen die pinke Kuh

Neuwerder Hunderte Besucher bestaunen die pinke Kuh

Die Biennale Land(schafft)Kunst in Neuwerder versetzte am Wochenende hunderte Gäste in Staunen. 26 Künstler haben sich wieder an der etwa zwei Kilometer lange Dorfstraße kreativ ausgetobt, Ställe, Scheunen, Gärten, Wiesen und das alte Feuerwehrhäuschen mit ihren Werken bestückt. Highlight in diesem Jahr waren vier lebendige Kunstwerke.

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Wie versprochen gab es am Samstag in Neuwerder bunte Kühe zu sehen. Claudio D’Ambrosio hatte die Tiere in lebende Kunstwerke verwandelt. Quelle: Christin Schmidt

Neuwerder. Sturm und Regen hatten 26 Künstler in der vergangenen Woche getrotzt, um ihre Werke für die sechste Auflage der Biennale Land(schafft)Kunst in Neuwerder zu installieren. Während die Dorfbewohner auf- und freigeräumt, gestrichen und gemäht hatten, um das Dorf herauszuputzen, durften sich die Künstler entlang der knapp zwei Kilometer langen Dorfstraße kreativ austoben und Scheunen, Schuppen und Ställe, Wiesen und Gärten, das alte Feuerwehrhaus und das Backhäuschen, Bäume und Beete mit ihren Werken bestücken.

Die Mühe hatte sich gelohnt. Pünktlich um 14 Uhr versammelten sich am Samstag im Atelier der Künstlerin und Mitinitiatorin der Ausstellung, Ulrike Hogrebe, rund 100 Gäste, um der offiziellen Eröffnung beizuwohnen. Und noch weit mehr Menschen flanierten nur wenig später neugierig durch das Dorf. Die Künstler, die dieses Mal vorrangig aus Berlin und Brandenburg kommen, haben wieder mit dem vorhandenen Potenzial gearbeitet und das Dorf in eine einzigartige Freiluftgalerie verwandelt.

Fast wie bei Alice im Wunderland

Bemalte Kühe, ein überdimensional großer, weißer Hase, ein riesiger aufgeblasener Mops in knalligem Orange, ein Gorilla aus Holz, Pferde, Esel, Albatros, Giraffe und Affe – in diesem Jahr gab es vor allem sehr viel Tierisches zu entdecken. Dabei sei angemerkt, dass nur die bunten Kühe tatsächlich lebendig waren. Wenngleich man nach mehreren Stunden Kunstgenuss heimlich einen zweiten Blick auf das weiße Kaninchen am Wegesrand wirft, um sich zu vergewissern, dass es nicht spricht und man wirklich in Neuwerder ist und nicht in Alices Wunderland.

Ja, in Neuwerder wird der Besucher gefordert. Hier setzt er sich nicht in der sterilen Atmosphäre einer Galerie mit Kunst auseinander. Es sind die Landschaft und die Höfe, das Natürliche und das Kultivierte, die den Werken einen neuen Rahmen gibt – die Kunst verändert das Dorf und das Dorf verändert die Kunst. Skulpturen, Installationen, Malerei, Zeichnungen, Video und Fotografie entfalten hier eine ganz neue, eigene Wirkung, wenn der Besucher bereit ist, sich auf dieses Abenteuer des Sehens einzulassen.

Nein, dieser Hase spricht nicht, aber er zieht auch so die Blicke auf sich

Nein, dieser Hase spricht nicht, aber er zieht auch so die Blicke auf sich.

Quelle: Christin Schmidt

„Hier meditiert ein schwarzer Gorilla mit grüner Frucht in einer Scheune auf rotem Stuhl, gleich neben einer Frau mit Panther auf dem Schoß, während von einer Weide durchs offene Tor ein Pferd zusieht“, schilderte der Moderator und Übersetzer Bernhard Robben in seiner Eröffnungsrede sein dörfliches Kunsterlebnis.

Dank der Vielfalt der Werke und der Gäste hinterließ der Besuch der Freiluftgalerie wieder unterschiedlichste Eindrücke, Gedanken und Wirkungen. Gelegenheit zum mal mehr, mal weniger ernstem Austausch über das Gesehene bot der Erfrischungs- und Verpflegungspunkt in der Dorfmitte.

Claudio D’Ambrosio malt Kühe grün, lila, pink und blau an

Lächelnde Gesichter, entspannte Atmosphäre, angeregte Gespräche, eine bevölkerte Dorfstraße und dazu bestes Wetter – die Organisatoren konnten vollauf zufrieden sein. Wenngleich Land(schafft)Kunst nach der bisher umfänglichsten Schau im Buga-Jahr 2015 dieses Mal mit weniger Künstlern aufwartet, zu entdecken gibt es auch in diesem Jahr so viel, dass ein Nachmittag kaum ausreicht. Allein das Schauspiel, das die Kühe boten, die der Künstler Claudio D’Ambrosio grün, lila, pink und blau besprüht hatte, zog die Besucher für viele Minuten in den Bann.

Ebenso viel Aufmerksamkeit wie der Kunst schenkten die Besucher den liebevoll gestalteten Höfen. Fast alle Dorfbewohner hatten ihre Tore geöffnet, luden die Gäste ein, vom Schaukelstuhl aus die Landschaft und die Kunst auf sich wirken zu lassen oder mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Auch der Berliner Künstler Ernst Baumeister, der filigrane Skulpturen aus Holz, Nägeln und alten Blechdosen zeigte, nutzte die Gelegenheit, mit den Gästen zu plaudern. Seit der ersten Biennale im Jahr 2006 ist er dabei. „Neuwerder ist für mich in all den Jahren eine Art zweites Zuhause geworden“, verriet Baumeister.

Zwei Besucherinnen bestaunen Werke von Ernst Baumeister

Zwei Besucherinnen bestaunen Werke von Ernst Baumeister.

Quelle: Christin Schmidt

Derweil schlichen einige Frauen begeistert um das größte Kunstwerk herum: Ein aufgeblasener „Pop Mops“ in knalligem Orange, den der Künstler Moritz Götze auf der Wiese am Eingang des Dorfes platziert hatte.

Wer mit neugierigem Blick durch Neuwerder Dorf wandert, wird noch viel mehr entdecken und dabei feststellen, dass sich die eigene Wahrnehmung verändert. Es ist sogar mit Nebenwirklungen zu rechnen, denn nach mehreren Stunden Land(schafft)Kunst scheint selbst ein Zaunpfahl oder das blühende Wiesenkraut am Wegesrand ein Kunstwerk zu sein.

Bis 2. Juli ist die Ausstellung dann jeweils samstags und sonntags von 13 bis 19 Uhr zu sehen.

Die Skulpturen von Helge Leiberg verwandeln diesen Hof in einer Schauspielbühne

Die Skulpturen von Helge Leiberg verwandeln diesen Hof in einer Schauspielbühne.

Quelle: Christin Schmidt

Von Christin Schmidt

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