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„Ich lebe für die Eichhörnchen“

Wildtierstation „Ich lebe für die Eichhörnchen“

Seit 16 Jahren betreibt Karin Grusdat in Falkensee eine Auffangstation für Eichhörnchen. 50 bis 70 Tiere pflegt die gelernte Psychotherapeutin pro Jahr. Jetzt im März beginnt wieder die Zeit in der die jungen Eichhörnchen zur Welt kommen.

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Karin Grusdat mit einem ihrer Eichhörnchen.

Quelle: Danilo Hafer

Falkensee. Ganz vorsichtig nimmt Karin Grusdat das rötlich gefärbte Eichhörnchen aus seiner Box. Äußerlich deutet nichts darauf hin, dass der fünf Jahre alte Nager in der freien Natur keine Überlebenschance hätte. Doch das Hörnchen, erzählt Karin Grusdat, habe Probleme mit den Vorderpfoten und eine Hirnleistungsstörung. Es könne schlicht weg keine Nüsse öffnen und ans Rumklettern in hohen Baumwipfeln sei schon gar nicht zu denken. „So ein Tierchen kann nicht mehr ausgewildert werden, hat aber auch seine Lebensberechtigung“, sagt sie. Daher kümmert sie sich liebevoll um den kleinen Nager.

50 bis 70 Tiere betreut Karin Grusdat pro Jahr

Seit nunmehr 16 Jahren betreibt Karin Grusdat in Falkensee eine Auffangstation für Eichhörnchen. Angefangen hat alles mit einem Hörnchen, dass sie zufällig auf dem Dach ihres Autos entdeckte. Sie war gerade von Spandau nach Falkensee gezogen, als sie es zwischen dem Laub sah. Sie informierte sich bei Tierärzten und im Internet, was zu tun ist, und päppelte das Hörnchen wieder auf. Inzwischen ist Karin Grusdat selbst zur Expertin geworden. 50 bis 70 Tiere nimmt die gelernte Psychotherapeutin pro Jahr auf. Die meisten Tiere sind noch ganz klein wenn sie zu ihr kommen.

Dieses fünfjährige Eichhörnchen leidet unter einer Hirnleistungsstörung und kann nicht mehr ausgewildert werden

Dieses fünfjährige Eichhörnchen leidet unter einer Hirnleistungsstörung und kann nicht mehr ausgewildert werden.

Quelle: Danilo Hafer

Oft werden Marder- oder Krähenangriffe, sowie Kollisionen mit Autos den Hörnchenmüttern zum Verhängnis, wodurch dann kleine Waisen entstehen. Nester werden aber auch durch die tierischen Feinde, durch Baumfällarbeiten oder durch starke Witterungseinflüsse zerstört. Nicht selten fliegt dann auch ein ganzes Nest mit Jungtieren auf die Erde. Wenn die Jungtiere schon etwas älter sind, käme es nicht selten vor, dass die Nager ihren Fluchtinstinkt ausschalten und dem Menschen hinterherlaufen oder sogar an ihm hochklettern. „Das ist dann das Zeichen, dass das Tier schon länger nichts mehr gefressen hat und Hilfe benötigt“, sagt sie. Der größte Fehler sei, egal in welchem Zustand ein Tier aufgefunden wird, zu versuchen, es selbst zu pflegen. „Ein krankes oder geschwächtes Eichhörnchen muss dringend in eine Auffangstation“, sagt Karin Grusdat.

Karin Grusdat: Bis zur siebten Woche sind sie verschmust

Gerade jetzt im März beginnt wieder die Zeit, in der die Eichhornbabys zur Welt kommen. Dann wird es auch im Haus von Karin Grusdat wieder voll. Sowohl auf dem Grundstück, als auch in ihrem Haus selbst, befinden sich mehrere Volieren. Kommt ein nur wenige Wochen altes Tier bei ihr an, bringt sie es zunächst ins Haus. Dort wird das kleine Hörnchen dann für zwei bis drei Wochen mit einer Spezialmilch gefüttert. Alle zwei Stunden muss Karin Grusdat dann raus. Nach einer Weile kommen die Nager dann zu zweit oder zu dritt ein gemeinsames Gehege bevor sie ungefähr nach zehn Wochen in den Außenbereich gebracht werden. „Bis zur siebten Woche sind sie eigentlich immer ganz verschmust, doch dann kommen sie in die Pubertät“, sagt Karin Grusdat. Wenn sie irgendwann das Gefühl hat, die Hörnchen sind stark genug, öffnet sie die Voliere und die Tiere können nach Draußen, haben aber auch immer noch die Möglichkeit wieder zurück zu kommen. „Erst wenn keines mehr zurück kommt, mache ich die Voliere wieder zu“, sagt sie. Im Schnitt ist ein Hörnchen knapp drei Monate in der Auffangstation. Das ist auch die Zeit, in der sich üblicherweise die Eichhörnchenmutter um ihren Nachwuchs kümmert.

Derzeit ist Karin Grusdat dabei ihr Haus umzubauen. Sie möchte die privaten Bereiche besser von denen der Eichhörnchen trennen. Doch immer wieder muss sie die Arbeiten unterbrechen. „Alles steht und fällt mit der Gesundheit der Tiere“, sagt sie. Ans Aufhören denkt sie aber nicht: „Ich lebe für die Eichhörnchen.“ Das glaubt man ihr sofort.

Von Danilo Hafer

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