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Idylle an Etzin Erdelöchern

Serie: Baden im Havelland Idylle an Etzin Erdelöchern

In unserer Sommerserie „Baden im Havelland“ geht es dieses Mal um die Etziner Erdelöcher. Eine Badestelle mit kleinem Strand, viel Natur und fernab von jeglichem Trubel.

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Auch kleine Kinder genießen das Baden im Etziner Erdeloch.

Quelle: Jens Wegener

Etzin. Wer an der Etziner Dorfstraße die unscheinbare Einfahrt in die kleine Straße „J.P. Süßmilch Stege“ verpasst, der findet die Etziner Erdelöcher nie. Aber auch wenn man den Abzweig erwischt hat, ist von einer Badestelle weit und breit nichts zu sehen. Geschweige denn, dass sie ausgeschildert wäre. Das soll wohl so sein, damit nicht zu viele Fremde zu dem Badeplatz strömen, heißt es im Dorf. Offiziell sagen, würde das niemand.

Vorbei an einigen Häusern und Kuhställen führt ein schmaler, aber zunächst noch befestigter Weg direkt in die Natur. Auf einer riesigen Weide grasen Kühe, Vögel zwitschern. Der Text auf der Homepage der Stadt Ketzin/Havel trifft den Nagel auf den Kopf: „Die landschaftliche Umgebung rings um Etzin bietet gute Voraussetzungen für eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Neben Wandern und Radfahren gibt es Möglichkeiten zum Baden, Angeln und Reiten.“

Nach etwa 200 Metern ist der Weg für Autofahrer zu Ende. Ein Schild weist darauf hin, dass es sich ab jetzt um einen landwirtschaftlich genutzten Weg handelt. Also bleiben die Fahrzeuge seitlich des Schildes stehen. Wildes Parken sozusagen, aber kostenfrei.

Noch immer sind weder eine Badestelle noch Wasser in Sicht. Das steigert die Vorfreude, denn es stehen dem Badewilligen weitere 500 Meter Fußmarsch über einen mit Gras bewachsenen Weg bevor. Dass die meisten Einheimischen mit dem Rad zu den Erdelöchern fahren, kann man verstehen. Aber auch der Fußgänger erreicht irgendwann das Ziel und stellt fest: Der lange Weg hat sich gelohnt. Fernab von jeglichem Trubel zeigen sich eine idyllische Badestelle und eine von Bäumen umgebene Liegewiese. Sie ist etwa 200 Quadratmeter groß und bietet Platz für „notfalls das ganze Dorf“, scherzt Gerlinde Kunz.

Die 61-Jährige hat hier schon als Kind gebadet, war mit ihren Kindern da und kommt nun mit ihren Enkeln zum Baden. „Ich war mit 13 Jahren der erste Mal am Erdloch. Da konnte ich schon schwimmen. Aber meine Kinder haben das hier gelernt“, erzählt die Etzinerin.

Die Badestelle sei für die Etziner im Sommer schon immer der Treff gewesen. Nach der Schule ging es oft direkt, ohne zu Hause die Schulmappe abzulegen, ans Wasser, erzählt sie. Das ist heute zwar nicht mehr ganz so, aber zumindest an den Wochenenden kommen viele Familien zum Baden und zum Erholen her. Abschalten, nichts hören und nichts sehen, außer Wasser und Wiese. Wer das mag, ist an der Etziner Badestelle gut aufgehoben.

Erst in diesem Jahr wurde frischer Sand aufgeschüttet, was besonders die kleinen Badegäste anlockt, um Kleckerburgen zu bauen. Während dessen können es sich die Erwachsenen auf Decken, Luftmatratzen oder der leider einzigen Bank gemütlich machen. „Das ist hier alles überschaubar, so dass wir die Kinder nicht aus dem Auge verlieren“, erzählt ein Vater. Wohl wissend, dass es nach etwa zehn Metern im Wasser schon tief und damit gefährlich für Nichtschwimmer wird.

Kurz nach der Wende sei hier mal ein Mann ertrunken, weiß Gerlinde Kunz. Aber der soll betrunken gewesen sein. Ansonsten habe es am Etziner Erdloch noch nie Badeunfälle gegeben.

Was auffällt ist die Sauberkeit auf der Liegewiese und am Strand. Keine Scherben, keine Bierdeckel, kein Müll. Eine einzige Tonne für Abfälle steht zur Verfügung, was offenbar ausreicht, denn sie wird regelmäßig vom Ketziner Wirtschaftshof geleert.

An der Naturbadestelle gibt es weder einen Kiosk noch Toiletten. Früher wie heute bringen sich die Etziner Essen und Trinken mit. Beim Picknick im Freien kommen die Leute ins Gespräch. Das Wasser selbst sei immer wärmer als in der Havel, sagen die Etziner. Schließlich handele es sich um vollgelaufene ehemalige Tongruben.

Von Jens Wegener

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