Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° Nebel

Navigation:
Im Dorf wird die Gemeinschaft gelebt

Warsow Im Dorf wird die Gemeinschaft gelebt

Im Rahmen unserer Serie „MAZ zu Hause in ...“ sind wird diesmal im Wiesenauer Ortsteil Warsow unterwegs. Die Einwohner dort feiern gern gemeinsam und wollen dazu ihr Dorfgemeinschaftshaus, das in die Jahre gekommen ist, sanieren. Doch ohne Fördermittel wird dies nicht gelingen.

Voriger Artikel
Lange Wartezeiten für Reifenwechsel
Nächster Artikel
Abgeordnete wollen Schulbezirke einführen

Die 1683 erbaute Kirche steht unmittelbar im Dorfzentrum.

Quelle: Norbert Stein

Warsow. Ortsvorsteher Heiko Gräning muss nicht lange überlegen. „Die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses ist unser wichtigstes kommunales Vorhaben“, sagt er mit Blick auf das kommende Jahr. 2016 sollen die Planungen für das Vorhaben erfolgen, 2017 dann das Dach, die Fernster und die Fassade erneuert werden. Notwendig ist dafür ein Geldbetrag in sechsstelliger Höhe, den die Gemeinde Wiesenaue für das Dorfgemeinschaftshaus im Ortsteil Warsow nicht aus der Portokasse bezahlen, sondern nur mit Hilfe von Fördermitteln stemmen kann. „Ohne Fördermittel ist das Vorhaben nicht realisierbar“, sagt der Ortsvorsteher, der auch Mitglied der Gemeindevertretung ist und die Wiesenauer Haushaltssituation genau kennt.

Benötigt wird das Dorfgemeinschaftshaus für Versammlungen, Feiern und andere Anlässe. „Wir haben dafür im Dorf keine andere Einrichtung“, erklärt der Ortsvorsteher die Bedeutung des Gebäudes für das Dorfleben. Eine Gaststätte oder Vereinsräume gibt es nicht in Warsow.

Auch Bewohner und Vereine aus den anderen Ortsteilen der Gemeinde Wiesenaue nutzen das Warsower Dorfgemeinschaftshaus mit einem Saal, der über 100 Besuchern Platz bietet und früher eine Diskothek beherbergte. Tische, Stühle und andere Ausstattungen für den Saal wurden von Einwohnern in privater Initiative besorgt. Genügend Platz bietet das Dorfgemeinschaftshaus auch einem gut eingerichteten Jugendclub. Genutzt wird dieser derzeit aber nur wenig, weil die bisherigen Besucher dem Jugendclubalter entwachsen sind und die Jüngeren derzeit noch wenig Interesse zeigen, die Einrichtung regelmäßig zu nutzen. Der Ortsvorsteher sieht die Sache gelassen. „Alles nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Generation in den Jugendclub kommt“, meint das kommunale Oberhaupt in einer Gesprächsrunde mit engagierten Einwohnern im Gerätehaus der Ortsfeuerwehr.

Fürs Gemeinschaftsgefühl in Warsow könnte noch viel mehr getan werden, meint Fred Pansegrau. „Viele Einwohner arbeiten auswärts, in Berlin oder Wustermark. Da bleibt wenig Zeit für gemeinsame Unternehmungen, besonders in der Woche. Aber gerade deshalb ist es wichtig, dass wir unser dörfliches Leben gemeinsam gestalten und sich dafür viele Einwohner engagieren“, sagt er. Möglichkeiten dafür gebe es dort seiner Ansicht nach, auch ohne dass man Mitglied in einem Verein ist.

Vom dörflichen Gemeinschaftsleben haben die Warsower insgesamt so ihre eigenen Ansichten. Die vielerorts obligatorische Weihnachtsfeier für die Senioren im Dezember wurde in Warsow 2015 abgeschafft. Dafür feiert das ganze Dorf Weihnachten, aber erst im Januar und dann natürlich im Dorfgemeinschaftshaus. „Wir haben das einmal probiert und weil das Gemeinschaftsfest Anklang fand bei den Einwohnern, machen wir auch so weiter“, sagt Heiko Gräning. Im Dezember hätten die Menschen ohnehin wenig Zeit und genügend Weihnachtsfeiern, erklärt er die Verlegung der Dorfweihnachtsparty ins nächste Jahr hinein.

Noch so eine Warsower Besonderheit ist, dass bei der Ortsfeuerwehr die „kühlen Blonden“ nicht angerührt werden. „Bei uns trinkt nach Dienst und Ausbildungsschluss niemand eine Flasche Bier, wie es bei vielen Ortsfeuerwehren üblich ist. Bei uns wird Bier sauer“, klärt Wehrführer Reiner Kutscher auf. 17 aktive Mitglieder hat die Ortsfeuerwehr und ist auch tagsüber einsatzbereit. „Darauf bin ich als Wehrführer schon ein wenig stolz. Auch sonst helfen wir als Feuerwehr bei Arbeitseinsätzen, organisieren das jährliche Osterfeuer“, sagt Kutscher. Eine Jugendfeuerwehr befindet sich im Aufbau. „Ich hoffe auch, dass sich junge Kräfte finden, die wieder dörfliche Feste organisieren“, meint der Wehrführer darüber hinaus.

Etwas mehr Schwung könnte dem Dorf nach Auffassung des Warsowers Marco Laube durchaus guttun. Ansonsten meint er: „Wenn Warsow auch ein ziemlich ruhiges Dorf ist, stimmt das Gemeinschaftsleben. Die Einwohner helfen sich gegenseitig und finden auch Zeit für gemeinsame Gespräche. Ich glaube, dieser Zusammenhalt bedeutet besonders den älteren Warsowern viel.“

Für das 2016 letztmalig stattgefundene Oktoberfest muss Warsow noch einen kulturellen Ausgleich finden. Für Arbeitsplätze in dem 117 Einwohner zählenden Dorf sorgen Handwerker und Landwirtschaftsbetriebe. Die meisten Warsower arbeiten aber auswärts. Gut versorgt ist das Dorf mit Internet und ist jetzt auch an die zentrale Abwasserentsorgung angeschlossen.

Erstmals urkundlich erwähnt wird Warsow im Jahre 1541 als „Warse“. Zu deuten ist der ursprüngliche Ortsname als „War ein See“. 1675 begannen die Einwohner für eine eigene Kirche im Dorf zu sparen. Acht Jahre später war die Kirche gebaut und wurde 1683 eingeweiht.

Von Norbert Stein

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg