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Im Havelland gibt es zu viele Biber

Streit um ein possierliches Tier Im Havelland gibt es zu viele Biber

Gibt es im Havelland zu viel oder zu wenig Biber? Die Bürgerinitiative Grundwasser ist der festen Überzeugung, es sind mehr, als die Region vertragen kann. Die Biberschützer hingegen warnen: im Westhavelland gebe es höchstens 50 Biber.

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Biber sind in der Region keine Seltenheit mehr.

Quelle: Ribbe

Rathenow. Der Streit um den Biber ist entbrannt. Das wurde deutlich, als bei einer Sitzung des Kreisumweltausschusses in der vergangenen Woche Zahlen genannt wurden. „Es gibt in der Region mindestens 500 Biber“, sagt Manfred Loew. Er ist einer der Sprecher der Bürgerinitiative Grundwasser. Und grundsätzlich hat Loew nichts gegen die possierlichen Tiere.

Aber sie bauen Burgen und Dämme in Wasserläufen, die danach Staus bilden. Das Wasser fließt nicht mehr ab. „Es gibt doch kaum noch einen Graben, in dem es keinen Biber gibt“, sagt Loew. Im gesamten Land Brandenburg sind es nach Überzeugung von Loew über 5000 Tiere. „Der Nabu hat andere Zahlen, aber die stimmen nicht“, schimpft Loew. 50 werden für die Region Rathenow angegeben.

Gerhard Stackebrandt glaubt, dass die Zahl der Biber noch viel höher ist. „Es sind bestimmt 1500“, sagte er. „Die sind inzwischen in jedem Wasser und manchmal bekommen sie den Buckel gar nicht mehr nass.“

Manfred Loew ist der festen Überzeugung, dass der Biber schon lange nicht mehr vom Aussterben bedroht ist. „Das ist europaweit so.“ Deshalb sei es durchaus angemessen, einen Antrag zur Herabstufung des Schutzes von Bibern zu stellen. „In Bayern dürfen immerhin bis zu 1500 Tiere geschossen werden.“ Der Bestand steige hier dennoch an.

Für Loew ist klar, weshalb man so zaghaft mit dem Biberthema umgeht: „Dann würden Arbeitsplätze in Behörden wegfallen.“ Der Sprecher der Bürgerinitiative ist sich sicher, dass „hier viel Steuergeld unnütz herausgeworfen wird.“

Jean-Luc Meier hat ein anderes Verhältnis zu Bibern. Er ist Naturführer und hat über viele Jahre Biber-Touren mit dem Kanu organisiert. „Die Kritik ist hart. Aber man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.“ In der Ausschusssitzung seien Zahlen genannt worden, die wenig helfen. „Wir kennen den Urzustand nicht.“

Kreisumweltdezernent Henning Kellner (SPD) stellt fest, dass der Biber durch Gesetz geschützt ist. „Das wurde zu einer Zeit entschieden, als es wirklich zu wenig Tiere gab.“ Möglicherweise habe man damals vergessen, im Gesetzesverfahren eine Regel vergessen, was passiert, wenn es wieder Biber gibt. Es sei aber schwierig für die Untere Naturschutzbehörde, von selbst etwas zu unternehmen.

Loew mag das nicht so hinnehmen, die Besitzer von Häusern in der Stadt Rathenow, in die das Grundwasser in regenreichen Jahren in die Keller dringt ebenfalls. „Die Betroffenen haben hohe Schäden an ihren Häusern“, so Loew. Das habe erhebliche finanzielle Verluste zur Folge. „Diese Leute erhalten keine Unterstützung. Sie werden abgekanzelt und gerichtlich verfolgt“, klagen die Vertreter der Bürgerinitiative Grundwasser und merken an: „Außerdem kommt der Biber den Vernässungsstrategien des Landes entgegen.“.

Zu wenig Biber, sagen die einen – mehr als genug die anderen. Dieser Widerspruch wird sich nur schwer auflösen lassen. Im Kreisumweltausschuss wurde auch deutlich, dass den meisten Kommunalpolitikern das Fachwissen fehlt. Immerhin soll das Biberthema in einer Arbeitsgruppe behandelt werden, die Betroffene, Behörden und Kommunalpolitiker an einen Tisch bringt.

Von Joachim Wilisch

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