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Im Kanal und auf dem Rasen

Europatreff der Angler in Ketzin Im Kanal und auf dem Rasen

Die Elite der europäischen Angler und Caster stellte am Wochenende in Ketzin/Havel ihr Können unter Beweis. Auf dem Sportplatz waren ein gutes Auge und ein gutes Händchen gefragt beim Fliege-Zielwurf. Aus dem Havelkanal wurden Fische geangelt. Mannschaften aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt, der Slowakei, Litauen und Polen nahmen teil.

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Julian Hauschild aus Köthen beim Gemeinschaftsangeln.

Quelle: Wolfgang Balzer

Ketzin/Havel. Neben Julian Hauschild (15) aus Köthen wimmelt es auf der Ablage nur so von Maden: Fleischmaden, verpuppte Maden, Pinkis, Mückenlarven, zählt er auf. In aller Ruhe nimmt er eine Handvoll Erde, versetzt mit Maden, und füllt sie in ein suppenkellenähnliches Gefäß an der Spitze seiner Kopfrute, landläufig eher als Stippe bezeichnet, schiebt diese, immerhin 11,5 Meter lang aber nur gut 600 Gramm schwer, in Richtung Mitte des Havelkanals bei Falkenrehde und lässt den Inhalt ins Wasser versinken. Noch hat das Gemeinschaftangeln zum Europatreff mit Mannschaften aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt, der Slowakei, Litauen und Polen nicht begonnen. Währenddessen bereiten die 26 Casting-Sportler auf dem Ketziner Sportplatz ihre Wurfruten, die künstlichen Fliegen und Gewichte für den Fünfkampf vor. Die Ziele sind schon markiert. Fliege-Zielwurf, Fliege weit Einhand, Gewicht: Präzision, Ziel und weit (Einhand) benennt Torsten Müller, Vorsitzender des welt- und europaweit erfolgreichen Ketziner Casting Clubs die Disziplinen. „Es ist die Elite der europäischen Angler und Caster, die in diesem Jahr in Brandenburg ihr Können unter Beweis stellen“, würdigte am Sonnabend Andreas Koppetzki, Hauptgeschäftsführer des brandenburgischen Landesanglerverbandes mit seinen 78 000 Mitgliedern die als Europatreff bezeichnete dreitägige Veranstaltung auf dem Ketziner Sportplatz und am Havelkanal. Klar, Ketzins Fischerkönigin Jovanna Bialek in ihrem havelblauen Kleid und Bürgermeister Bernd Lück, selbst mehrfacher Deutscher Meister, drückten den Brandenburgern am Sonnabend die Daumen. Nicht ganz ohne Erfolg! Torsten Müller wurde in der Mannschaftswertung bester Brandenburger und belegte im Fünfkampf der Männer den zweiten Platz, wurde mit der Höchstpunktzahl 100 Bester in der Disziplin Fliege Zielwurf. „Es war ein hochklassiger Wettbewerb“, urteilte er nach Abschluss aller Disziplinen. Leider hätte die Brandenburger Mannschaft hinter der Slowakei und Sachsen-Anhalt nur den dritten Rang belegt.

Währenddessen hat bei ziemlich drückender Mittagshitze am Havelkanal, also durchaus keinem idealen Angelwetter, das Gemeinschaftsangeln begonnen. Julian Hauschild hat den obligatorischen Kescher bereitgelegt, vier weitere Ruten auf einen speziellen Ständer sind griffbereit und die Pose ist auf Grundtiefe eingestellt. Eine Maden-Mischung zappelt am Haken. In Minutenschnelle zappelt der erste Fisch am Haken, eine kleine Rotfeder. Kescher wird nicht benötigt, dafür der obligatorische Hakenlöser. „Ist immer so, die Kleinen kommen zuerst, später auch die größeren“, bleibt er nach der vierten handgroßen ruhig. Und die Ruten seien nur Rutenspitzen, kommt prompt die Belehrung. Und die werden zur Sicherung des Fanges nach dem vorsichtigen Zurückziehen der gesamten über elf Meter langen Angelrute über einen rückwärtigen gepolsterten Bock vorn aus der Hülse gezogen. Das sei eben Angeltechnik der Spezialisten von heute, kommentiert Vater Hauschild als Betreuer von Julian die aufwendige Ausrüstung.

Inzwischen ist auch Hauptgeschäftsführer Andreas Koppetzki am Havelkanal eingetroffen und schaut hinüber zu den Spinnanglern ans andere Ufer. „Werden meistens Barsche fangen“, prognostiziert er. So helfe dieses Gemeinschaftsangeln, die überzähligen Barschbestände etwas zu reduzieren, meinte er recht gelassen. Und das als Verantwortlicher für die dreitägige Veranstaltung mit 120 auch internationalen Gästen, darunter knapp 80 Aktiven. Der Brandenburger Landesverband richte den Europatreff bereits das zweite Mal aus. Die Veranstaltung habe eine lange Tradition und finde bereits seit neun Jahren statt, sagte er. Im Jahre 2016 sei Sachsen-Anhalt und ein Jahr später Litauen Ausrichter. „In den drei Tagen wird nicht nur geangelt. In dieser Zeit tauschen sich die Präsidenten und Geschäftsführer der Verbände über fischereipolitische Themen und Umweltpolitik auf europäischer Ebene aus“, sagte er und nannte als Beispiele den Fitness-Check und die Flora-Fauna-Management-Pläne. Es gäbe in den Ländern recht unterschiedliche Meinungen, so seine Erfahrung. Beispielsweise gäbe es in Deutschland viele, viele Verbote für die Angler. In Polen und in der Slowakei „ist man da offener“, obwohl sich die Angler gerade in Deutschland traditionell seit Jahrzehnten um die Gewässer und die Fischbestände kümmern würden. Ein Lob der Gäste übermittelte er im Gespräch: Die Brandenburger Gewässer seien sehr fischreich, wiesen eine große Artenvielfalt auf und seien oft noch naturbelassen.

Julian Hauschild lässt sich vom Plätschern einer nebenan an Land gezogenen Rotfeder nicht beeindrucken und schickt zwischen seinen im Moment noch kleinen anglerischen Erfolgen alle paar Minuten mit einer kleinen Schleuder ein paar Maden auf seinen Angelpunkt im Havelkanal. Alle 15 Meter sitzt einer der 25 Petrijünger, bei der drückenden Hitze oft unter einem großen aufgespannten Regenschirm. Drei Männer, eine Frau und ein Jugendlicher gehören zur Mannschaft und deren Leistung zählt mehr als die eigene. Und gewonnen haben am Sonnabend am Havelkanal die Brandenburger sowohl das Friedfisch- als auch das Spinnangeln.

Interview mit Joachim Opierzynski

MAZ-Interview mit Joachim Opierzynski (65) vom Casting Club Ketzin/Havel, Mannschaftsweltmeister (1969), Seniorenweltmeister (2003), vielfacher Deutscher Meister und 50 Jahre im Casting aktiv.

Wie fanden sie zu dieser weltweit ausgeübten aber eher wenig bekannten Sportart?

Joachim Opierzynski: Mit 15 Jahren wollte ich die Qualifikation für das Raubfischangeln ablegen. Dabei musste ich nachweisen, dass ich mit der Rute die verschiedenen Köder ordentlich werfen kann. Ich bin beim Turnierangelsport, wie er früher hieß, geblieben.

Was fasziniert sie an diesem Angelsport auf dem Sportplatzrasen?

Opierzynski: Jeder Wettkampf ist eine neue Herausforderung, so viele und gute Treffer wie möglich auf den Scheiben zu erzielen und bei anderen Disziplinen so weit wie möglich zu werfen. So liegt mein weitester Wurf in der Disziplin „Gewicht weit“ mit dem 18 Gramm-Gewicht bei 110 Meter.

Welches sind die nächsten Vorhaben?

Opierzynski: Beim heutigen Fünfkampf für Brandenburg gute Ergebnisse zu erzielen. In drei Wochen starte ich bei der Seniorenweltmeisterschaft in Bratislava, Slowakei. Und natürlich bin ich oft am Wasser. Dort angle ich noch immer gern mit dem Spinner auf Raubfische und mit der künstlichen Fliege, unter anderem auf Forellen.

Von Wolfgang Balzer

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