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Im „Kulturhaus“ tobt das Leben

MAZ-Serie „Zu Hause in Zachow“ Im „Kulturhaus“ tobt das Leben

In der MAZ-Serie „Zu Hause in...“ geht es heute um Zachow. Gut 700 Menschen leben in dem Straßendorf, dass von der Landesstraße 92 durchschnitten wird.

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Seit es den Anbau (hinten) für den Jugendklub gibt, ist im „Kulturhaus“ mehr los.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Zachow. Dass Zachow und Gutenpaaren früher, seit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1170, zwei eigenständige Dörfer waren, ist bis heute nicht aus den Köpfen der Einwohner zu bekommen. Kaum ein Gutenpaarener bezeichnet sich als Zachower, obwohl die Orte längst zusammengewachsen sind.

Über 1,7 Kilometer zieht sich das Straßendorf Zachow hin. Etwa in der Mitte steht mit dem Dorfgemeinschaftshaus, das im Volksmund nur Kulturhaus genannt wird, das zentrale Gebäude, in dem sich alles abspielt: Die Freizeitfußballer, der Angelverein, die Ortsvorsteherin und der Jugendklub haben dort ihr Domizil. „Das Kulturhaus wurde in den 1970er-Jahren gebaut, eine Gemeinschaftsaktion von der LPG, den Sportlern der BSG Traktor Zachow und der Gemeinde“, erinnert sich Wolfgang Radke, der nach der Wende viele Jahre Bürgermeister in Zachow war und jetzt im Gemeindekirchenrat mitwirkt.

Spielplatz wird komplett umgebaut

„Besonders seit der Anbau für den Jugendklub am Kulturhaus fertig ist, zieht es viele Kinder und Jugendliche in die Räume“, erzählt Ortsvorsteherin Nancy Lorbiecki. Noch interessanter werde das Areal, wenn in diesem und im nächsten Jahr der Spielplatz komplett erneuert und umgebaut wird. Das Geld steht im Ketziner Haushalt zur Verfügung.

In dem 700-Einwohner-Dorf Zachow hat sich nach der Wende einiges verändert. Der Konsum ist geschlossen, auch der zweite Anlauf, dort einen kleinen Einkaufsmarkt zu etablieren, scheiterte, weil die Kundschaft nicht ausreichte. Heute wird das Gebäude an der Landesstraße 92 als Obdachlosenunterkunft der Stadt Ketzin/Havel genutzt.

Viel schlimmer aber ist die Ruine des Gutshofes mitten im Ort, sagt Wolfgang Radke. „Jeder, der durch Zachow fährt, behält nicht die schönen sanierten Häuser sondern nur die eingefallenen Mauern des riesigen Gutshofes in Erinnerung.“

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In Zachow leben gut 700 Menschen. Das Straßendorf wird von der Landesstraße 92 durchschnitten.

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Und weder die damalige Gemeinde Zachow und noch jetzt die Stadt Ketzin/Havel können an dem bedauernswerten Zustand etwas ändern. Das Areal ist in Privatbesitz und sei inzwischen mehrfach weiterverkauft worden, so Radke. Der jetzige Eigentümer wolle wohl den Komplex loswerden, aber die hohen Abrisskosten schrecken jeden Interessenten ab. Dabei gibt es Ideen einer Nachnutzung. Eine hat die Ortsvorsteherin: „Dort wäre die ideale Stelle für einen Seniorenzentrum, weil die Bewohner das Leben auf der Straße beobachten könnten“, sagt Nancy Lorbiecki. Aber das wird wohl ein Wunsch bleiben.

Schönes Wohnen an der Bergstraße

Hinter dem alten Gutshof, in der Bergstraße, ist die zu DDR-Zeiten entstandene Wohnsiedlung nach 1990 mit vielen neuen Häusern ergänzt worden. Nachdem vor einigen Jahren auch die Straße erneuert wurde, kann sich das Wohngebiet wirklich sehen lassen. Wie begehrt Zachow als Wohnort ist, zeigt auch die Tatsache, dass es kein freies Bauland mehr gibt im Dorf.

Etwa 20 zusätzliche Plätze wird es in der Zachower Kita „Regenbogen“ bald geben, wenn die Stadt Ketzin den Plan umsetzt, die Wohnungen im Obergeschoss des Kindergartens umzubauen. Noch in diesem Jahr soll das erledigt sein.

Unweit der Kita, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, steht das Landhaus Zachow. Es ist die einzige Gaststätte im Ort. Inhaberin Jeannine Barby führt seit zehn Jahren die Geschäfte, freut sich über die Lage an der Landesstraße, weil das Laufkundschaft bringt. Aber: „Das Landhaus lebt vornehmlich von den Pensionsgästen.“ Sie ärgert sich darüber, dass sie bisher an den Ortseingängen aus Ketzin und aus Roskow kommend keine Hinweisschilder zu ihrem Restaurant aufstellen darf. „Es soll aber mit der Stadt jetzt einen Vor-Ort-Termin geben.“

Ein „Havelranger“ sorgt für Ordnung

Größter Arbeitgeber in Zachow ist die Firma Se’lux, die im kleinen Gewerbegebiet am Tremmener Eck seit Mitte der 90er-Jahre Straßenlampen herstellt. Etwa 40 Menschen aus der Region haben dort einen Job gefunden. Dazu kommen zwei landwirtschaftliche Betriebe, wobei die Agro GmbH in Zachow auch einen Hofladen betreibt und dort eigene Fleisch- und Wurstwaren verkauft.

Stolz ist die Zachower Ortsvorsteherin auf die „wunderschöne, idyllische Badestelle an der Havel“. Erst kürzlich habe es wieder einen Arbeitseinsatz vieler Einwohner am Wasser gegeben, die aufgeräumt, Bojen gesetzt und neuen Sand ausgebreitet haben. Dass die Badestelle (fast) immer in einem optisch guten Zustand ist, dafür gibt es einen „Havelranger“, wie Nancy Lorbiecki sagt: „Matthias Haupt vom örtlichen Angelverein sorgt an der Havel für Ordnung – ehrenamtlich in seiner Freizeit.“

Hinweis: Mehr Fotos unter www. MAZ-online.de/Zachow

Von Jens Wegener

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