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Havelland Hier überwinden Kinder Leseschwächen
Lokales Havelland Hier überwinden Kinder Leseschwächen
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07:30 14.07.2018
Dass Lesen richtig Spaß machen, das können die Lesecamper bezeugen. Quelle: Gordon Welters
Kuhhorst

Weite Wiesen, weiter Himmel, ein paar Hühner, die in aller Ruhe über den Hof tippeln und mittendrin 20 vergnügte Ferienkinder aus dem Havelland. Sie alle dürfen am einzigen Lesecamp teilnehmen, dass in diesem Jahr im kleinen Dorf Kuhhorst mitten im havelländischen Luch stattfindet.

Während die einen um den großen Holztisch herumsitzen und mit viel Eifer eine Tasche für ihr Lieblingsbuch verzieren, sind die anderen damit beschäftigt, die letzten Aufnahmen für den Film „Der Schrecken vom Nauener See“ zu drehen.

Seit Montag haben sich die Lesecamper mit der Geschichte beschäftigt. Nachdem sie gemeinsam das Skript gelesen und sich mit den Figuren auseinandergesetzt hatten, erarbeiteten ein Drehbuch. Sogar das Storyboard mit Regieanweisungen haben die Kinder gezeichnet. Zum Abschluss des Camps wollen sie den fertigen Film in einer Live-Lesung ihren Eltern präsentieren.

Für die Mädchen und Jungen ist es ein besonderes Erlebnis, denn Lesen fällt ihnen schwer, erst recht vor Publikum. „Wenn ich vorlesen muss, bekomme ich so ein blödes Kribbeln im Bauch“, gesteht Leonie. Die elfjährige Rathenowerin hat sich mit ihrer Freundin Jonna für das Camp angemeldet. „Jonna kann gut lesen, aber mir fällt es schwer, deshalb habe ich Probleme in der Schule“, erzählt Leonie.

Ein Ort zum Wohlfühlen –das Lesecamp in Kuhhorst. Hier verlieren Kinder ihre Angst vor Buchstaben. Quelle: Christin Schmidt

Mit dieser Sorge ist sie nicht allein. „Leseschwache und -ungeübte Kinder haben alle ihr Päckchen zu tragen“, weiß Ines John, selbstständige Bildungsreferentin und Alphabetisierungscoach. Um Kindern wie Leonie zu helfen, hat sie 2012 das Lesecamp für leseschwache Mädchen und Jungen und kleine Lesemuffel zwischen sieben und zwölf Jahren ins Leben gerufen.

Wer jetzt denkt, die Kinder werden hier mit Texten gequält, der irrt. Das Camp soll Lust aufs Lesen machen und den Teilnehmern die Angst vor Buchstaben nehmen. Das gelingt nicht, indem sie möglichst viele Bücher lesen, sondern in dem die Kinder das klassische Feld des Lesens verlassen und mit unterschiedlichen kreativen Literatur-Erlebnissen die Welt der Bücher und Worte neu entdecken.

In diesem Jahr durften die Teilnehmer unter anderem mit Wenka von Mikulicz, Autorin des Kinderbuchbestsellers „Bibi und Tina“ üben, wie eine Fee oder ein Zombie spricht. Kameramann und Comiczeichner Benjamin Mikolajski, der seit 2014 das Projekt unterstützt, arbeitete mit den Kindern vor und hinter der Kamera.

Kreative Workshops gehören zu jedem Lesecamp. Hier verschönern die Kinder eine Tasche für ihr Lieblingsbuch. Quelle: Christin Schmidt

Beim Buchpicknick – für Leonie das Highlight des Feriencamps – haben die Kinder sich gegenseitig ihr Lieblingsbuch vorgestellt. Am Abend durften alle den Geschichten von „Feuerschuh und Windsandale“ lauschen und an der Nachtwanderung im Harry-Potter-Style teilnehmen.

„Ines hat mir gesagt, dass ich schnell besser lesen kann, wenn ich jeden Tag zehn Minuten übe. Das mache ich jetzt“, erklärt Leonie.

Das Lesecamp findet an verschiedenen Orten in der Region statt. Träger des Projekts ist der Humanistische Freidenkerbund Havelland. 2018 wird das Camp vom Landkreis Havelland, der Kreisbibliothek und der Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam unterstützt.

„Es ist ein echtes Erfolgsprojekt, dass die Teilnehmer und auch uns total begeistert“, sagt die Leiterin der Kreisbibliothek Martina Lenz. Wie jedes Jahr war sie auch am Donnerstag bei der Live-Lesung dabei.

„Hier geht es um viel mehr als nur Lesen. Die Kinder lernen, mit eigenen Schwächen umzugehen, unterstützen sich gegenseitig und wachsen zu einem Team zusammen. Ines John und ihre Helfer haben viel mehr Unterstützung verdient. Dieses Camp sollte es weitaus öfter geben“, betont Lenz.

Dreharbeiten im Lesecamp in Kuhhorst: Hier entsteht der Schattenfilm „Der Schrecken vom Nauener See.“ Quelle: Christin Schmidt

Von Christin Schmidt

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