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Im Tangoschritt durch die Ehe

Inge und Johannes Schneider haben vor 65 Jahren geheiratet Im Tangoschritt durch die Ehe

Eiserne Hochzeit - ja. Eiserne Lady - nein. Inge Schneider ist ein ganz anderer Typ. Vielleicht hat sie ein paar eiserne Regeln in ihrem Leben befolgt. Am Mittwoch haben Inge und Johannes Schneider in Falkensee ihre eiserne Hochzeit gefeiert. Güte, Wärme und Grundfreundlichkeit sind die Grundsätze ihrer Beziehung.

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Seit 65 Jahren ein Traumpaar: Inge (83) und Johannes Schneider (86).

Quelle: Marlies Schnaibel

Falkensee.  "So leben, dass man sich vertraut, ohne Misstrauen und mit einer gewissen Achtung voreinander", beschreibt Inge Schneider ihre Grundsätze. Ihr Mann nickt und strahlt zurück: "Wir sind ein glückliches Ehepaar, die ganze Zeit."

Falkensee hat im Leben der beiden eine besondere Rolle gespielt. Hier ist Johannes Schneider geboren, sein Vater hatte 1923 ein Haus in der heutigen Karl-Liebknecht-Straße gekauft. Hier ist Johannes Schneider zur Schule gegangen und zum Tanz. "Ach, was waren das für Zeiten in den ,Vier Jahreszeiten'", schwärmt er. Er hat immer gern getanzt, gleich nach Kriegsende ist er zur Tanzschule Keller am Alexanderplatz gegangen. Walzer, Tango, Slow Fox. Um überleben zu können, machte er eine Lehre als Möbeltischler. "Das gab die kostbare Lebensmittelkarte 2", erinnert er sich. Er hat das gern gemacht mit dem Tischlern, das sieht man der Wohnung heute an ‒ jedes Zimmer ist von ihm mit Geschick und Akribie verkleidet worden, jedes mit einem anderem Holz. Aber so sehr er die Arbeit mit dem Holz liebte, eigentlich wollte er etwas anderes werden. Er wollte Sozialversicherungsfachangestellter werden. Das wurde er. Bis heute ein Glücksfall, dass er in der Ausbildung auf die blonde Inge stieß.

Bald wurde mit ihr Walzer, Tango und Slow Fox getanzt -  und 1948 wurde in Charlottenburg geheiratet. "Es war wunderbares Wetter und warm", erinnert sich Inge Schneider. "Ich konnte ohne Jacke mit Brautkleid gehen." Das Kleid war gebraucht gekauft, den Schleier spendierte eine Tante. Inges Familie, alle aus Schlesien gekommen und übers Land verstreut, hatten das Hochzeitsessen zusammengestoppelt: "Es gab Suppe und Braten, Gemüse und Apfelkompott. Und abends Bratkartoffeln." Das Paar war glücklich. "Wir gingen ins Theater und hatten in den Fünfzigern ein Abo für die Staatsoper. Auch wenn wir gehungert haben, Kultur haben wir immer genossen", erzählt Johannes Schneider.

Weil es zu den Besonderheiten der Zeit gehörte, konnte das junge Paar nach der Hochzeit nicht zusammenziehen. Johannes aus dem Prenzlauer Berg musste warten, bis aus Tempelhof, wo seine Frau wohnte, jemand in den Ostberliner Stadtbezirk zog. "Kopftausch hieß das", erzählt er. Ein halbes Jahr später war es endlich soweit. Er hatte sozusagen in den Westen geheiratet, was ihm später zugute kam. Er galt nicht als Republikflüchtling und hat sein Haus in Falkensee immer behalten. Nach der Wende bezog er es wieder. Der gerade pensionierte Verwaltungsoberrat hat seine Segeljacht verkauft und das Elternhaus auf Vordermann gebracht. Die Terrasse mit dem Blick auf die grünen Bäume ringsum ist der Lieblingsplatz der Schneiders geworden. Und Tango tanzen sie immer noch gern.

Von Marlies Schnaibel

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