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Immer mehr Berliner wollen nach Falkensee

Havelland Immer mehr Berliner wollen nach Falkensee

Falkensee (Havelland) im Randgebiet von Berlin ist ungebrochen beliebt. Die meisten Zuzügler kommen aus der großen Nachbarstadt. Die Untersuchung der Stärken und Schwächen von Falkensee zeigt: Der grüne Charakter der Stadt sichert auch die ihre Attraktivität.

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Schwächen und Stärken: Die Zaunpfähle könnten mal gestrichen werden, aber sonst ist die Umgebung am Falkenhagener See sehr beliebt.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee. Ohne Berlin würde es Falkensee so nicht geben. Seit mehr als 100 Jahren sind es vor allem Berliner, die zu Falkenseern werden. Und diese Entwicklung hält an. Das machen die Zahlen der sogenannten Zuwanderungsströme deutlich, die seit wenigen Tagen für das Jahrzehnt von 2006 bis 2016 vorliegen.

Matthias von Popowski, Geschäftsführer der Complan Kommunalberatung, stellte die Zahlen in dieser Woche in Falkensee vor. Der Wanderungsgewinn in dem untersuchten Jahrzehnt beträgt 4542 Bewohner. Insgesamt sind fast 6000 Menschen nach Falkensee gezogen, aber nach wie vor werden mehr Sterbefälle als Geburten registrieren. „Wir verzeichnen erstaunlich konstant hohe Zu- und Fortzüge“, sagte Matthias von Popowski. Das sei eine sehr kontinuierliche Entwicklung in Falkensee über die vergangenen zehn Jahre. Ein kleiner Sonderfall war das Jahr 2015, als die registrierten Flüchtlinge die Zahlen etwas über das Maß in die Höhe schnellen ließen.

Es wird ein Menge hin- und hergezogen. Pro Jahr ziehen fast 1500 Menschen in der Stadt selbst um. „Normales Umzugsverhalten“, kommentierte von Popowski diesen Wert. Dem erstaunlich hohen Zuzug von etwa 2300 bis 2600 im Jahr steht ein konstant hoher Wegzug von etwa 1900 gegenüber. Bei den Zuzüglern kommen mehr als die Hälfte aus Berlin.

„Trotzdem wird in Falkensee gar nicht so viel berlinert, sondern schwäbisch, hessisch oder rheinländisch gesprochen“, sagte Bürgermeister Heiko Müller und verwies darauf, dass viele Neu-Bürger aus den westlichen Bundesländern kamen und nur eine gewisse Zeit der Orientierung in Berlin gelebt haben und dann nach Falkensee kamen.

Hintergrund

43 550 Bürger mit Hauptwohnsitz zählte Falkensee zum Jahresende 2016. Das war betrachtet auf das jüngste Jahrzehnt ein Bevölkerungswachstum von 11,6 Prozent.

Stärken und Schwächen der Stadt Falkensee wurden in der sogenannten SWOT-Analyse zusammengetragen. Die Abkürzung SWOT ergibt sich aus den englischen Wörtern Strengths, Weaknesses, Opportunities und Threats – Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken.

Die Analyse soll Grundlage für weitere Beratungen zum Insek sein. Insek steht für Integriertes Stadtentwicklungskonzept und fasst wesentliche Bereiche zusammen.

Das Insek soll mittel- bis langfristiges Handeln in der Kommune bis zum Jahre 2035 grundsätzlich steuern.

So gefragt Falkensee für Berliner ist, so wenig ist die Stadt offensichtlich für Brandenburger attraktiv. Hier ziehen deutlich mehr Falkenseer in andere brandenburgische Orte als Brandenburger in die Gartenstadt wechseln. „Die Zahlen lassen vermuten, dass Berlin nach außen drängt, dass aber in Falkensee vor allem kleinere Wohnungen oder Häuser fehlen“, sagte Thomas Lenkitsch, berufener Bürger im Stadtentwicklungsausschuss.

Die vorgelegten Zahlen der Zuwanderungsströme ergänzen eine sogenannte SWOT-Analyse. Darin hat das Potsdamer Büro Complan Kommunalberatung die Stadt Falkensee nach Stärken und Schwächen abgeklopft.

Das 50 Seiten starke Papier ist eine Grundlage, um ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept zu erstellen. Darüber wird in Falkensee seit mehreren Jahren diskutiert. Deutlich länger als in anderen Kommunen. Und es deutete sich an, dass die Diskussion sich in Falkensee weiter in die Länge zieht. Der Stadtentwicklungsausschuss hatte bei einer überfrachteten Tagesordnung am Montag nicht genügend Zeit, die SWOT-Analyse zu beschließen.

„Heute keine Diskussion, bitte nur Fragen stellen“, hatte Ausschussvorsitzender Hans-Peter Pohl als Parole ausgegeben. Die Fraktionen sollen noch mal beraten und ihre Position schriftlich festhalten. Dafür hatten Matthias von Popowski und seine Mitarbeiter den Falkenseern klare Aussagen mit auf den Weg gegeben: Der Erhalt des grünen Charakters der Stadt steht an erster Stelle. Er sichert die ausgeprägte Wohnstandortqualität. Aber: Mit Blick auf die Zukunft – Zuzug und demografischer Wandel – zeichnen sich schon eine reihe Aufgaben ab: Die Falkenseer sind aufgefordert, ihre Flächen aktiv zu gestalten, dazu zählt der Wohnungsneubau.

Wichtig war den Stadtplanern auch dies: Die Stärkung und Profilierung des Stadtzentrums ist maßgeblich für das Selbstverständnis der Stadt, für die Identität der Bürger mit ihrem Wohnort. So gut die verkehrliche Anbindung nach Berlin, zur B 5 und zur A 10 sind, so problematisch ist es, den innerörtlichen Verkehr zu bewältigen. Und wenn es gilt, Stärken zu stärken, dann soll Falkensee weiterhin auf das ausgeprägte Vereinsleben und eine aktive, engagierte Bürgerschaft setzen.

Von Marlies Schnaibel

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