Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Immer mehr Flüchtlinge drängen in die Kurse

Integration Immer mehr Flüchtlinge drängen in die Kurse

Anbieter von Deutsch- und Integrationskursen werden durch die große Zahl von Flüchtlingen vor neue Fragen gestellt. Jahrzehntelang waren Asylbewerber ohne Bleiberecht für die Kurse nicht zugelassen, jetzt bilden sie dort die Mehrheit. Der Bildungsträger LEB Prignitz-Havelland gibt zu, in Rathenow seien seine Kapazitäten erschöpft.

Voriger Artikel
Zehn Prozent weniger Stromkosten in Premnitz
Nächster Artikel
Anbau für Havellandschule ist fertig

Ein Integrationskurs bei der LEB, an dem viele Flüchtlinge aus Syrien und Iran teilnehmen.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Die gewaltigen Mengen von Flüchtlingen, die im vergangenen Jahr nach Deutschland kamen, stellen mittlerweile auch schon die Anbieter von Deutsch- oder Integrationskursen vor völlig neue Fragen. „Jahrzehntelang hatten wir Asylbewerber und Flüchtlinge überhaupt nicht in unseren Integrationskursen“, erklärt Birgit Habermann, Geschäftsführerin der Ländlichen Erwachsenenbildung Prignitz-Havelland, die in dieser Branche in Rathenow und andernorts schon seit vielen Jahren tätig ist. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) habe nun seine Bestimmungen für die Teilnahme geöffnet. So sei es jetzt möglich, dass Flüchtlinge ohne Bleibeerlaubis an Kursen teilnehmen, wenn sie aus den Ländern Syrien, Eritrea, Iran und Irak kommen, die eine hohe Anerkennungsquote haben.

Bundesamt hat Teilnehmerzahl auf 20 erhöht

Um mehr Flüchtlinge aufnehmen zu können, hat das Bundesamt auch die maximal erlaubte Teilnehmerzahl von 15 auf 20 pro Kurs erhöht. Ein Massenbetrieb an Deutschkursen konnte trotzdem nicht aus dem Boden gestampft werden. „Wir tun alles, was wir können“, sagt Birgit Habermann. Gegenwärtig seien aber die personellen und räumlichen Kapazitäten der LEB in Rathenow bereits ausgeschöpft. Hier habe die LEB nur drei entsprechend zertifizierte Lehrkräfte. „Wir suchen dringend weitere Deutschlehrer“, verrät die Chefin, „würden wir welche finden, könnten wir weitere Kurse für mehr Teilnehmer anbieten.“ So hat der Bildungsträger begonnen, Wartelisten für die an neuen Kursen Interessierten zu führen.

2013 hatte die LEB in ihren Rathenower Integrationskursen 27 Teilnehmer registriert. 2014 und 2015 waren es 36 bzw. 35. In diesem Jahr sind es schon jetzt 50. Liefen in früheren Jahren hier meist zwei Kurse, sind es gegenwärtig drei. Ein über sechs Monate laufender Integrationskurs wird im Juni abgeschlossen. Der beschriebene Trend ist klar zu erkennen: Neben wenigen Teilnehmern aus Vietnam, Nigeria und Serbien besteht die große Mehrzahl aus Flüchtlingen aus Syrien und Iran. Die Stimmung der Asylbewerber ist durchaus gut. Ihr Deutsch reicht schon so weit, um sich selbst gut vorzustellen und einfache Angelegenheiten zu regeln. Die Erfahrung jedoch zeigt: Zur beruflichen Integration wird aber meist mehr gebraucht. Vor allem weil zur Zeit viele Ingenieure mit Asylbewerberstatuts in die Kurse drängen.

Der Integrationskurs: Was ist das?

Jeder Integrationskurs besteht aus einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs.

Der allgemeine Integrationskurs dauert 660 Stunden. Je nach Ausrichtung kann er aber bis zu 960 Stunden dauern.

Der Sprachkurs ist stets Teil eines Integrationskurses. Er dauert im allgemeinen Integrationskurs 600 Stunden, in Spezialkursen bis zu 900 Stunden.

Der Orientierungskurs findet im Anschluss an den Sprachkurs statt und dauert 60 Stunden. Hier wird gesprochen über deutsche Rechtsordnung, Geschichte und Kultur.

Vor Beginn eines Integrationskurses führt der Träger einen Einstufungstest durch.

Während des Sprachkurses gibt es Zwischentests. Der Orientierungskurs endet mit dem Abschlusstest.

In Rathenow führt die LEB gegenwärtig noch einen zweiten Integrationskurs und einen Einstiegskurs Deutsch für Flüchtlinge durch. In Friesack richtet der Träger derzeit auch noch einen Deutschkurs für Flüchtlinge aus. Etwas Neues bereitet die LEB ebenfalls für Friesack vor. Dort soll für 20 Personen im Mai ein berufsbezogener Deutschkurs für Flüchtlinge beginnen. Der Zeitplan enthält 380 Stunden Deutsch, 190 Stunden fachliche Weiterbildung und 160 Stunden Praktikum. Der Kurs dauert ein halbes Jahr. Die LEB kooperiert hier mit der Akademie Seehof. Das Geld dafür kommt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und aus dem Europäischen Sozialfonds ESF.

Von Bernd Geske

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg