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Immer mehr touristische Leuchttürme

Havelland Immer mehr touristische Leuchttürme

Die Zahl der Übernachtungen im Reiseland Havelland lag auch 2016, ein Jahr nach der Bundesgartenschau, über einer Million. Vor allem im Osthavelland hat sich der Tourismus sehr gut entwickelt. Neue Hotels und neue Angebote für Radfahrer und Wasserwanderer tragen dazu bei.

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Kontrastprogramm ist bei Karls in Elstal möglich: Erst ein Besuch in der Eiswelt mit Minusgraden, dann eine Erfrischung im Pool.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Elstal. „Wir haben einige touristische Leuchttürme im Havelland. Und es werden immer mehr, was dem Landkreis gut tut“, sagte Landrat Roger Lewandowski am Mittwochabend in Karls Erlebnis-Dorf in Elstal. Dorthin hatte die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Havelland (KAG) Unternehmen, Kommunalpolitiker und Verwaltungsleute eingeladen, um sich über das „Osthavelland und seine touristische Vielfalt“ zu unterhalten.

Schnell wurde klar, dass diese Leuchttürme meist im Osthavelland stehen. Lewandowski zählte neben Karls Erlebnis-Dorf unter anderem auf: Olympisches Dorf Elstal, Sielmanns Naturlandschaft, Designer Outlet in Elstal, Schloss Ribbeck, Landgut Stober in Groß Behnitz, das MAFZ in Paaren im Glien und die Havellandhalle in Seeburg. „Allein ins Outletcenter kommen inzwischen zwei Millionen Menschen pro Jahr, etwa 1000 Menschen haben dort eine Arbeit gefunden. Wenn das keine Erfolgsgeschichte ist, noch dazu bei der Konkurrenz des wachsenden Online-Handels.“

Er freue sich aber besonders, dass es der Gemeinde Wustermark gelungen sei, für den „Schandfleck an der B 5“ – die Ruinen der Löwenkasernen – mit dem künftigen Karls „Erdbeerland“ eine touristische Nachnutzung hinbekommen zu haben.

Diesen positiven Trend unterstrich die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Havelland Ines Kias mit vielen Zahlen und Fakten. Der Wichtigste: Die Zahl der Übernachtungen in der Reiseregion Havelland, zu der auch Brandenburg/Havel und Teile des Kreises Potsdam-Mittelmark gehören, betrug im vergangenen Jahr 1 048 000. „Die Millionengrenze 2016 erneut geknackt zu haben, ist deshalb bemerkenswert und sehr gut, weil manch Experte nach der Bundesgartenschau 2015 hier in der Region gesagt hat, dass wir das in den folgenden Jahren nicht mehr schaffen werden“, so Ines Kias. Einen wesentlichen Anteil daran habe das Bio-Hotel in Groß Behnitz (210 Betten), denn von 2011 bis 2016 ist die Bettenzahl allein im Stadtgebiet Nauen von 240 auf 517 angewachsen. Auch in Dallgow-Döberitz gab es einen Sprung von 122 Betten auf 186.

Aber nicht nur den Bettenzahl sei ausschlaggebend dafür, dass mehr Touristen ins Osthavelland kommen, so Kias. Auch die Qualität der Angebote habe sich verbessert. Sowohl in den Quartieren selbst als auch in der Region rings herum. Der Havelland- und der Havelradweg sowie weitere gut ausgebaute Strecken für Radfahrer würden die Leute anlocken. „Nicht zu vergessen die sportlichen Angebote wie die Havellandhalle in Seeburg, die Golfplätze in Kallin und Tremmen sowie elf Reiterhöfe aber auch die acht Museen und zwei Schlösser.“

Eine immer größere Rolle spiele in der Reiseregion Havelland das Wasser und der Ausbau der Strukturen für Wasserwanderer, wie in Ketzin/Havel. „Aber“, so Ines Kias: „Bootsführer entlang der Havel wissen leider oft nicht, an welchem Steg sie anlegen dürfen. Ist der privat oder kommunal?“ Das müsse schon von der Wasserseite aus zu erkennen sein.

Als einen Menschen mit „Visionen, Engagement und Mut“ bezeichnete Kias den Inhaber des Landgutes Stober in Groß Behnitz. Der berichtete über seine Anfänge auf dem ehemaligen Gut der Familie Borsig, von den Schwierigkeiten beim Wiederaufbau bis hin zu der Entscheidung, 2009/10 ein Bio-Hotel neben dem Landgut in einem 600-Seelen-Dorf zu bauen. „Wir hatten große Tagungsräume, die gut nachgefragt wurden, aber die Leute konnten nicht alle bei uns übernachten“, so Michael Stober. Heute werde das Hotel mit Preisen und Auszeichnungen überschüttet. Die jüngste vor wenigen Tagen stamme von der englischen Fachpresse, die das Groß-Behnitzer Bio-Hotel als „grünstes Hotel Europas“ tituliert habe. „60 Vollzeitjobs, bis 150 saisonale Arbeitsplätze sind entstanden, und wenn unser neuestes Projekt umgesetzt wird, kommen noch etwa 15 volle Stellen hinzu“, sagte Stober. Er plant eine Hotelerweiterung beziehungsweise ein zweites Hotel. Nur gibt es dabei Probleme wegen des Standortes einer geplanten Kita. „Ob 50 Meter nach links oder rechts – daran sollte das Vorhaben nicht scheitern“. Er hoffe auf Einsicht bei den Stadtverordneten und der Verwaltung von Nauen.

Ganz andere Sorgen treiben derzeit Robert Dahl, Inhaber des Unternehmens Karls um. In den nächsten Jahren will man für etwa 100 Millionen Euro das „Erdbeerland Elstal“ mit Hotel, anderen Übernachtungsformen und Spaßangeboten für Familien auf dem Areal der alten Löwenkasernen an der B 5 entwickeln (MAZ berichtete). „Vorher muss dort natürlich eine Kampfmittelbeseitigung erfolgen. Aber niemand weiß heute, was dabei zutage tritt und welche Kosten anfallen“, erklärte Frank Havemann von der Karls Tourismus GmbH. Außerdem gebe es bei diesem Riesenprojekt ein Problem mit der Verkehrsanbindung. Landrat Roger Lewandowski sprach vom „Nadelöhr Elstal“. Wenn die Besucherzahlen weiter steigen, sind Megastaus bis zurück auf die B 5 programmiert. Schon heute gibt es diese, wenn das Outletcenter besondere Verkaufstage hat. Deshalb soll sich an einem möglichen Ausbau der B 5-Abfahrt Elstal das Outletcenter finanziell beteiligen. Wustermarks Bürgermeister Holger Schreiber ist zuversichtlich: „Es wird und muss eine Lösung geben, mit der auch die Elstaler leben können.“ Er versuche, das Land mit ins Boot zu holen, denn die Entwicklung des alten Kasernengeländes sei ja gewünscht.

Von Jens Wegener

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