Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Immer weniger Gründer aus der Arbeitslosigkeit

Havelland Immer weniger Gründer aus der Arbeitslosigkeit

Der Regionale Lotsendienst für das Havelland stellt fest, dass weniger Gründer aus langer Arbeitslosigkeit kommen. Immer mehr Menschen entscheiden sich ganz bewusst für den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit. Sie seien gut qualifiziert und innovativ. Zu diesen gehört auch Anja Bergmann, die sich als mobile Optikerin und Sehtrainerin selbstständig gemacht hat.

Voriger Artikel
Letzter Fischladen im Ort macht dicht
Nächster Artikel
Neues Rathaus: Alle unter einem Dach

Anja Bergmann ist seit einem Jahr erfolgreich selbstständig als mobile Optikerin und Sehtrainerin.

Quelle: Bernd Geske

Premnitz. Vor einem Jahr ging Anja Bergmann (38 Jahre) aus Rathenow in die berufliche Selbstständigkeit. Sie ist als mobile Optikerin und Sehtrainerin tätig. „Ich liebe meinen Beruf“, stellt sie begeistert fest, „es ist ein Beruf im Handwerk, innovativ und nah am Menschen.“ Sie könne frei über ihre Zeit und ihr Leben entscheiden im Einklang mit ihrer Familie. Das habe ihr der Schritt in die Selbstständigkeit gebracht, sie sei sehr dankbar dafür. Anja Bergmann ist einer von rund 50 Menschen im Havelland, die im Laufe des vergangenen Jahres mit Unterstützung des Regionalen Lotsendienstes eine eigene Firma gegründet haben.

Sie ist ein Beispiel für viele, denn über einen neuen Trend bei der Gründung berichtet Leona Heymann, die Projektleiterin des Regionalen Lotsendienstes für den Landkreis Havelland. Sie ist angestellt bei der Arbeitsförderungsgesellschaft Premnitz (AFP) und ihre Aufgabe ist die Förderung und fachliche Begleitung von Gründern auf dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit. Die Zahl der Menschen ist rückläufig, berichtet sie, die als Gründer aus dem Bezug von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) heraus kommen. Unter den 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sie im Laufe des vergangenen Jahres begleitet habe, seien nur vier mit Alg.-II-Bezug gewesen.

Leona Heymann vom Regionalen Lotsendienst

Leona Heymann vom Regionalen Lotsendienst.

Quelle: Doreen Neumann

„Mehr Menschen als früher entscheiden sich heute bewusst für eine Gründung“, sagt Leona Heymann, „sie tun es in der großen Mehrzahl nicht mehr, weil sie keinen anderen Weg sehen, um aus einer langen Arbeitslosigkeit heraus zu kommen.“ Es seien immer öfter auch Personen mit akademischen oder Meisterabschlüssen und gut qualifizierte Facharbeiter, die sich in festen Beschäftigungsverhältnissen befinden. Dadurch ergebe sich eine bessere Motivation der Gründer, sie verstehen häufiger die Bedeutung der geforderten Businesspläne. Im Ergebnis zeige sich, dass die Gründungen wirtschaftlich stabiler und nachhaltiger sind. Die Firmen seien am Markt länger existent. Von den 50 Gründern aus dem Jahr 2015 hätten nur zwei im Folgejahr ihr Geschäft aus wirtschaftlicher Ursache aufgegeben.

Viele Gründungen finden heute im Dienstleistungssektor und im Handwerk statt. Neue Freiberufler der letzten Zeit sind beispielsweise ein Englisch-Lehrer, eine Kinder-und-Jugendpsychologin, eine Fotografin, eine Gesundheitsberaterin, eine Frau mit einem Textbüro und ein Kameramann. Frauen und Männer sind etwa in gleicher Zahl vertreten. Regional gesehen gibt es Gründungen überall im Havelland, etwas stärker vertreten ist der Bereich Falkensee. „Ein Großteil der Gründungen ist erfolgreich“, teilt Leona Heymann mit, „viele haben mir berichtet, dass sich ihre Erwerbs- und Lebenssituation verbessert hat.“

Der Regionale Lotsendienst

Der Regionale Lotsendienst für den Landkreis Havelland wird seit Juli 2015 geleitet von Leona Heymann.

Das Büro befindet sich im Industrieparkzentrum Premnitz, Fabrikenstraße 11.

Kontakt ist möglich über Telefon 03386/212 79 23 und E-Mail heymann@standort-premnitz.de.

Internet: www.lotsendienst.standort-premnitz.de.

Träger des Projektes ist die Arbeitsförderungsgesellschaft Premnitz.

Jeden Monat gibt es einen viertägigen Gründerworkshop, in dem Interessierte ihre Gründungsideen vorstellen. Der nächste Workshop ist vom 29. Mai bis 1. Juni in Falkensee.

Ende des Jahres 2017 läuft der aktuelle Förderzeitraum für den Regionalen Lotsendienst planmäßig aus. Leona Heymann kann aber mitteilen, dass bereits die Weichen gestellt sind, damit das Projekt ab Januar 2018 nahtlos weitergeführt werden kann. Der Lotsendienst wird finanziert mit Mitteln nach der gemeinsamen Richtlinie des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie und des Ministeriums für Wirtschaft und Europaangelegenheiten. Es geht um die Förderung von Qualifizierungs- und Coachingmaßnahmen bei Existenzgründungen im Land Brandenburg. Das wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds ESF kofinanziert. Die neue Richtlinie soll Ende Juni unterzeichnet werden.

Anja Bergmann hatte 1998 ihre Ausbildung zur Augenoptikerin im Oberstufenzentrum Havelland an der Bammer Landstraße begonnen. Von 2004 bis 2006 ging sie zur Meisterschule in Jena, arbeitete danach bei verschiedenen Firmen und war auch Filialleiterin einer Optikerkette. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war mit drei kleinen Kindern auf die Dauer nicht zu bewältigen“, erinnert sie sich. Schließlich sei die Idee gereift, den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit zu wagen. Im Juni 2015 stellte sie sich beim Regionalen Lotsendienst vor und setzte mit dessen Hilfe ihre Gründungsidee um. Bis heute ist sie sehr froh über diese Entscheidung.

Von Bernd Geske

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg