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Havelland Immer weniger Kartoffeln
Lokales Havelland Immer weniger Kartoffeln
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11:03 22.10.2013
Es werden immer weniger Kartoffeln angebaut. Quelle: dpa
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Havelland

Ob mit oder ohne Schale gekocht, vielleicht auch als Pommes: Kartoffeln gehören auch heute auf jede Speisekarte. Die Brandenburger essen gern Kartoffeln. Und doch wird ausgerechnet im Havelland das Ende des Kartoffelanbaus im bisher nicht gekannten Umfang eingeläutet.

Im Jahr 1756 wurde der Kartoffelbefehl erlassen

Um 1720 haben Pfälzer die ersten Kartoffeln nach Preußen gebracht. Preußenkönig Friedrich der Große war von der Erdfrucht überzeugt. Kolonisten, die in Rhinluch und Dossebruch kamen, sollten Kartoffeln anbauen - so verfügte es der Alte Fritz. Allein dabei beließ er es aber nicht. Am 24.März 1756 ließ er mit einer an alle Landräte und Beamten gerichteten königlichen Order verkünden: "Es ist von uns in höchster Person in unsern anderen Provinzen die Anpflanzung, der sogenannten Tartoffeln, als ein sehr nützliches und sowohl für der Menschen als Vieh auf sehr vielfache Weise dienliches Erd-Gewächse, ernstlich anbefohlen". Die Bauern folgten dem königlichen Kartoffelbefehl.

Doch die Ära ist längst vorüber. Die Landwirtschaft hat sich gewandelt. Damit die Betriebe wirtschaftlich arbeiten, müssen sie hohe Erträge ernten. Immer mehr Biogasanlagen werden gebaut. Im Havelland haben vor allem Getreide und Mais die Kartoffel verdrängt. Wurden im Landkreis 1996 noch auf 1180 Hektar Kartoffeln angebaut, sind es nunmehr gerade noch 180 Hektar, von denen Knollen in diesem Jahr geerntet werden.

Hauptgrund für den drastischen Rückgang ist, dass sich auf kargen Böden der Kartoffelanbau für die Betriebe wirtschaftlich nicht rechnet. "Wir würden maximal 250 Dezitonnen pro Hektar ernten. Um alle Kosten decken zu können müssten es 300 sein. Selbst dann hätten wir noch nichts verdient", erläutert Frieder März, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Gülpe. Wie die Gülper bauen auch die meisten Landwirtschaftsbetriebe im Havelland keine Kartoffeln mehr an. Im Osthavelland sind es vor allem noch Landwirte im Raum Falkensee zur Direktvermarktung in Berlin.

Im westlichen Havelland dagegen muss man die Kartoffeläcker schon regelrecht suchen. Der Bio-Bauernhof Dech in Hohennauen hat noch ein paar Hektar, auch ein paar andere kleinere Betriebe. Würde der Alte Fritz noch leben, liefen ihm wohl kalte Schauer über den Rücken angesichts des Niedergangs seines Kartoffelbefehls.

Wutzetzer Landwirt sind der Erdfrucht treu geblieben

Den Vorsitzenden der Agrargenossenschaft Wutzetz, Jürgen Brockmann, hingegen würde er vielleicht zum Amtmann ernennen, für seine Verdienste. Die AG Wutzetz ist den Erdfrüchten treu geblieben. "Ans Aufhören haben wir nie gedacht", sagt Brockmann. Für ihn ist der Kartoffelanbau wichtig für eine ordentliche Fruchtfolge und er sichert vier Arbeitsplätze. Damit die Ernte sich wirtschaftlich lohnt und kontinuierliche Erträge bringt, hat die AG investiert, in Technik und eine neue Bewässerungsanlage. Die Wutzetzer produzieren vor allem stärkehaltige Kartoffeln. Abnehmer ist die Stärkefabrik in Kyritz. In etwa zehn Tagen werden die Wutzetzer ihre Ernte beenden. Dann sind 95 Hektar geerntet.

Brockmann rechnet mit einer Ernte von 350 bis 400 Dezitonnen pro Hektar. Der Ertrag liege über dem havelländischen Durchschnitt des vergangenen Jahres. Speisekartoffeln der Sorte "Adretta" hatte die AG auf 1,3Hektar angebaut. Die Kartoffeln wurden in 50-Kilogramm-Beuteln zu 12,50 Euro an Abnehmer aus der Region verkauft. Es ist also noch nicht ganz vorbei mit der Kartoffel.

Von Norbert Stein

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