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In Bahnitz kann wieder gekneippt werden

Havelland In Bahnitz kann wieder gekneippt werden

Mitglieder des Rathenower Kneipp-Vereins haben mit Unterstützung der Gemeinde Milower Land und des Kneipp Landesverbands Berlin Brandenburg den Barfußpfad in Bahnitz wieder hergerichtet. Rund 1000 Euro wurden in die elf Jahre alte Anlage investiert. Ein Investition, die sich lohnt, denn kneippen ist nicht nur gesund, sind sich die Vereinsmitglieder sicher.

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Die Kneipp-Freunde Doris Geib, Edeltraud Kreitling, Werner Galys, Siegrid und Holger Schiebold sowie Inge Galys (v.l.) beteiligten sich am Arbeitseinsatz. Quelle: Christin Schmidt

Bahnitz. Kühle sechs Grad Celsius zeigt das Thermometer am Dienstagvormittag an und das an einem 9. Mai. Kein Wunder, dass sich die meisten noch immer in warme Jacken hüllen, um mich nicht zu frieren. Am Havelufer in Bahnitz, wo dazu noch ein leichter Wind weht, möchte man sich am liebsten noch einen dicken Schal um den Hals wickeln. Vermutlich sind es hier gerade mal vier oder fünf Grad. Inge und Werner Galys scheint das nicht zu stören, sie ziehen sich die Schuhe und die Strümpfe aus, krempeln die Hosenbeine nach oben und staksen auf den Spuren des Pfarrers Sebastian Anton Kneipp (1821 – 1897) fröhlich durch Wasserbecken, über Kieselsteine, Kienäpfel und Bambus. Das Paar hat sein eigenes Rezept gegen die Kälte: Kneippen in Bahnitz.

Inge und Werner Galys lassen sich von eisigen Temperaturen nicht abschrecken

Inge und Werner Galys lassen sich von eisigen Temperaturen nicht abschrecken. Sie nutzten die Gelegenheit am Dienstagmorgen bei etwa fünf Grad Celsius einmal durch die acht Elemente zu staksen.

Quelle: Christin Schmidt

Kaum zu glauben, dass die beiden dabei auch noch lachen statt zu bibbern. „Du musst das Bein richtig hoch heben und dann von oben rein ins Wasser“, erklärt Inge Galys ihrem Mann und schreitet mutig voran. Natürlich weiß der Apotheker im Ruhestand wie man richtig kneippt, schließlich sind er und seine Frau seit vielen Jahren Mitglieder im Rathenower Kneipp Verein und haben sich ausgiebig mit den Lehren des bekannten Pfarrers beschäftigt. Sie wissen wie gesund das Wassertreten ist und wollen, dass auch in Zukunft viele Havelländer und Touristen den Kneipp-Pfad an der Havel in Bahnitz nutzen können. Deshalb haben sie sich nun weiteren engagierten Mitgliedern angeschlossen, um den 2006 eröffneten Kneipp-Pfad zu sanieren.

Der Kneipp-Pfad war in die Jahre gekommen

Errichtet hatten die Anlage mit acht verschiedenen, zum Teil überdachten Elementen der Rathenower Kneipp-Verein und der Kulturverein Bahnitz. Rund 30 000 Euro kostete das Vorhaben, mit 75 Prozent wurde es von der EU gefördert. Um die Pflege kümmerten sich seither Mitglieder beider Vereine. Doch nach mehr als zehn Jahren reicht es nicht mehr aus, den Platz zu säubern und ein wenig auszubessern. „Die einzelnen Elemente waren in die Jahre gekommen, Hölzer waren zum Teil zerbrochen oder verfault, die Farbe war ausgeblichen zudem fehlten bereits Kienäpfel und Steine“, erzählt der Vorsitzende des Kneipp-Vereins Holger Schiebold (CDU). Ein Berliner hatte sich sogar schon in der Gemeindeverwaltung über den Zustand der Anlage beschwert. Daraufhin beschlossen die Mitglieder, den Pfad mit vereinten Kräften wieder in Schuss zu bringen.

Kneippen stärkt die Abwehr

Die Bahnitzer hatten nach dem Bau ihres eigenen Kneipp-Pfades die Errichtung einer baugleichen Anlage in Kützkow als kreisübergreifendes Projekt maßgeblich vorangetrieben.

Der Architekt Ulrich Bülhoff hatte um einen kleinen runden Platz acht Stationen angelegt, die besondere Materialien enthalten.

Das Laufen über Kieselsteine, Kienäpfel und Hölzer soll eine anregende Wirkung auf den Körper haben.

Das Waten durch Wassertretbecken mit Gummimatte beziehungsweise Kiesbett soll zudem die Abwehrkräfte stärken.

Inzwischen kümmert sich der Kulturverein Bahnitz und der Kneipp-Verein nur noch um die Bahnitzer Anlage.

Ende April trafen sie sich zum ersten Arbeitseinsatz, am vergangenen Wochenende schritten nun noch einmal rund zehn Kneipp-Freunde zur Tat, darunter auch der Vorsitzende des Bahnitzer Kulturvereins, Dieter Dombrowski (CDU). Es wurde geschliffen, gemalert, neue Bambusstangen und Dreikanthölzer wurden eingesetzt. Vier Damen des Vereins sammelten am Milower Berg neue Kienäpfel, über die erfahrene Kneipp-Freunde barfuß laufen. Auch die Trittfläche mit Kieselsteinen wurde neu befüllt. Ebenfalls überarbeitet haben die Helfer die vier Informationstafeln und in den nächsten Tagen sollen noch die Dachbalken mit Schutzblechen versehen werden. Im Sommer steht noch die Erneuerung der Schilfdächer an. Dabei wollen die Kameraden der Bahnitzer Feuerwehr helfen.

Kneippen macht gute Laune

Insgesamt kostet die Erneuerung des Pfads rund 1000 Euro. 300 Euro spendeten die Kneipp-Freunde selbst, mit weiteren 300 Euro beteiligt sich der Kneipp Landesverband Berlin Brandenburg und die Gemeinde Milower Land sicherte weitere 360 Euro zu. „Ohne den tatkräftigen Einsatz, die Eigenleistung und die Spenden der Vereinsmitglieder hätten wir dieses Projekt nicht stemmen können“, betont Holger Schiebold. Er ist sich sicher, dass sich die Mühe lohnt. Dem stimmt auch Petra Dombrowski (CDU), Ortsvorsteherin in Bahnitz, zu. „Vor allem an den Wochenenden wird der Kneipp-Pfad stark frequentiert“, weiß die Bahnitzerin. Viele Radler würden hier eine Pause einlegen und sich die Beine abkühlen. Zudem bringe auch der Schiffsverkehr auf der Havel viele Gäste ans Ufer.

Der Bahnitzer Kneipp-Pfad ist abgesehen von einer ähnlichen Anlage auf der anderen Seite der Havel in Kützkow - die laut Holger Schiebold in einem sehr schlechten Zustand ist - der einzige öffentliche Kneipp-Pfad in der Region. Der Vorsitzende des Kneipp-Vereins hofft, dass es auch künftig gelingt, die Anlage mit vereinten Kräften zu erhalten und zu pflegen. Dazu müssten dann beide Vereine, der Ortsbeirat und die Gemeinde an einem Strang ziehen.

Inge und Werner Galys sind sich sicher, kneippen ist gut für die Gesundheit und das Wohlbefinden. „Das Problem ist nur, dass die meisten Menschen erst im fortgeschrittenen Alter anfangen, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Jüngere für den Kneipp-Verein zu begeistern, ist nahezu unmöglich“, berichtet Holger Schiebold. Wie er sind die meisten der rund 50 Mitglieder bereits im Ruhestand. Inzwischen haben sich Inge und Werner Galys nach fünf Minuten Wassertreten ihre Füße abgetrocknet und sind wieder in ihre Schuhe geschlüpft. Kalt sei ihnen nicht, versichern sie und strahlen dabei übers ganze Gesicht. Offenbar sorgt kneippen auch noch für gute Laune.

Von Christin Schmidt

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