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In Bessarabien geboren, in Schönholz zu Hause

Zu Hause in Schönholz In Bessarabien geboren, in Schönholz zu Hause

Frieder Weber ist eine der letzten Bessarabiendeutschen die am Schwarzen Meer geboren wurden und vor 70 Jahren in Schönholz siedelten. In dem 100-Seelen-Dorf pflegt die 84-Jährige bis heute die Tradition ihrer Heimat und kocht für ihre Familie bessarabische Spezialitäten.

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In Bessarabien wurde Frieder Weber geboren, in Schönholz zog sie ihre Kinder groß. Frieder Weber zeigt Fotos ihrer Familie.

Quelle: Ch. Schmidt

Schönholz. Wer sich auf den Weg nach Schönholz macht, sollte sich nicht auf das GPS-Signal seines Smartphones verlassen. Denn das 100-Seelen-Dorf liegt zwischen der Landesstraße 17 und der Bundesstraße 102 fernab einer stabilen Netzverbindung. Wer nicht hierher will, der kommt auch nicht zufällig vorbei. Dabei könnte sich ein Abstecher lohnen. Denn in Schönholz wird in einigen Haushalten noch die bessarabische Kultur gelebt. Hier kommen Strudla, Dampfnudla, Holubzi oder Krautborscht auf den Tisch und im besten Fall wird als Nachtisch ein selbst gemachter Obstlikör serviert.

Frieder Weber kennt all diese Leckereien. Noch heute kocht die 84-jährige für ihre Kinder und Enkel das Essen ihrer Heimat. 1932 wurde sie in Kattlebug geboren, ein Dorf am Schwarzen Meer, dass es heute nicht mehr gibt. Damals gehörte es zu Bessarabien, ein Landstrich der nach dem zweiten Weltkrieg von der Landkarte verschwand, seine Menschen aber sind noch da. Sie leben in vielen Teilen der Welt verstreut.

Das Los entschied, wer wo siedeln durfte

Frieder Weber verschlug es als kleines Mädchen auf der Flucht erst in die Tschechei, dann nach Polen und schließlich nach Schönholz. „Mein Mutter hat uns bis hierher gebracht, so wie sie es uns versprochen hatte. Eine Stunde nach dem wir angekommen waren, schloss sie ihre Augen und starb“, erinnert sich Frieder Weber an diesen schweren Augenblick.

Mit ihrer Familie kamen nach Ende des zweiten Weltkrieges 33 weitere Familien aus Kattlebug in Schönholz an. Das Los entschied damals, welche Familie wo siedeln durfte. Platz gab es genug nachdem das Gut 1945 enteignet worden war und der Gutsbesitzer, den Frieder Weber noch immer als „den Langen“ bezeichnet, Schönholz verlassen hatte. Das Dorf, dessen Geschichte auf eine alte Siedlung aus dem 13. Jahrhundert zurückgeht und das im 18. Jahrhundert durch die Gutsherren von der Hagen und Kleist von Bornstedt besiedelt wurde, verwandelte sich in eine bessarabische Siedlung.

Die bessarabische Sprache geht verloren

Für Frieder Weber wurde Schönholz zur neuen Heimat. Sie ist eine von vier Frauen, die in Schönholz leben und in Bessarabien geboren wurden. Sie sind die letzten Zeugen,die Kattlebug noch mit eigenen Augen gesehen haben. Vieles hat sich in den letzten 70 Jahren verändert, in der alten und der neuen Heimat. „Früher kannte man alle, heute fast keinen mehr“, sagt Frieder Weber wehmütig. „Was haben wir früher gefeiert, getanzt und gesungen. Zusammen mit meiner Freundin Magdalena Krüger habe ich in der LPG-Küche täglich bis zu 40 hungrige Arbeiter mit bessarabischem Essen versorgt. Die kamen aus der ganzen Umgebung hierher.“

Heute kommen nur noch selten Gäste ins Dorf, es ist sehr ruhig geworden in Schönholz. Feste gibt es kaum noch, jeder lebt sein eigenes Leben. Frieder Weber findet das schade. Auch dass die bessarabische Sprache verloren geht, bedauert sie. Nur noch wenige sprechen sie und kaum jemand gibt das Wissen an die nächsten Generationen weiter. Weg aus Schönholz will sie aber trotzdem nicht. „So lange ich nicht muss, gehe ich nicht“, sagt die rüstige Dame selbstbewusst.

„Mir geht es doch hier gut. Zwei Mal in der Woche kommt der Bäcker, alle acht Tage der Gemüsewagen und für alles andere muss man eben fahren. Das sind wir ja gewohnt.“ Die Kinder und Enkel helfen ihr, Haus und Hof in Schuss zuhalten. Wie fast alle Bessarabiendeutschen hat auch sie eine große Familie: sieben Kinder, 16 Enkel, 14 Urenkel und ein Ururenkel. An die denkt sie, wenn es zu ruhig wird.

Von Christin Schmidt

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