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In Strodehne regieren wieder die Ekelraupen

Radfahrer in Gefahr In Strodehne regieren wieder die Ekelraupen

Im Ladkreis Havelland wurde über zahlreiche Straßen und Plätzen das Insektizid Dipel ES versprüht, um die Raupe des Eichenprozessionsspinners zu vernichten. Doch gesprüht wurde nicht überall. Und so breiten sich die Ekelraupen weiter aus, auch an für Touristen interessanten Radwegen.

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Joachim Kühn (links) und Jan-Peter Siedentopf haben kein Verständnis dafür, dass am Twerl-Weg der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr nicht bekämpft wurde.

Quelle: Norbert Stein

Strodehne. Joachim Kühn ist wütend: „Unverantwortlich ist das. Passiert nichts, werden die jungen Eichen sterben“, sagt er während sich sein Blick den erst 15 Jahre alten Bäumen am Twerl-Weg bei Strodehne zuwendet. Die Bäume sehen beängstigend aus. Sie sind stark geschwächt. Der Eichenprozessionsspinner hat die Bäume im Griff. Die Ekelraupen schlingen sich wie ein Mantel um die Baumstämme, von wo aus sie in Gruppen in die Kronen prozessieren und die Blätter von den Bäumen fressen. Ihre feinen Brennhaare sind für den Menschen gefährlich, können zur starken Juckreizen auf der Haut führen, Atembeschwerden oder eine Raupendermatitis auslösen.

Der Twerl-Weg gehört zur Brandenburg-Tour, einem überregionalen Radweg, der von Rhinow aus über Strodehne nach Sachsen-Anhalt führt. Das Ordnungsamt Rhinow hat am Montag am Twerl-Weg Schilder aufgestellt, die auf den Eichenprozessionsspinner und die damit verbundenen Gefahren hinweisen. „Schade, dass es so weit kommen musste.“, meint Jan- Peter Siedentopf. Er ist in Berlin Arzt und kommt mit der Familie schon seit einigen Jahren nach Strodehne, der schönen Landschaft und Erholung wegen.

Sein Sohn Maximilian (5) hat auf dem Twerl-Weg Fahrrad fahren gelernt. Auch Sohn Gustav (3) sollte es nun auf dem Weg lernen. Doch daraus wird erst einmal nichts. „Wir werden auf dem Twerl-Weg nicht mehr entlangfahren“, sagte Jan-Peter Siedentopf am Montagabend bei einem Gespräch mit Joachim Kühn. Der kann Siedentopf verstehen. „Über Tourismusförderung zu reden genügt nicht, dafür muss auch etwas getan werden“, sagt der Mann aus Strodehne und hält es für gefährlich, wenn Radfahrer nun auf die Landestraße ausweichen würden. Er versteht auch nicht, weshalb der Eichenprozessionsspinner nicht endlich wirksam bekämpft wird.

Die Ekelraupen kriechen an den Eichen den gesamten Stamm hoch

Die Ekelraupen kriechen an den Eichen den gesamten Stamm hoch.

Quelle: Norbert Stein

138 Eichen stehen am Twerl-Weg. Gepflanzt wurden die Bäume mit dem Flurneuordnungsfahren für Strodehne, finanziert aus Fördermitteln. Joachim Kühn, der bis 2014 Gemeindevertreter war, sieht das Land Brandenburg in die Pflicht genommen, den Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen. Weil der Twerl-Weg aber zur Kommune gehört ist die Gemeinde Havelaue zuständig.

Im Buga-Jahr 2015 hat die Gemeinde von den Eichen am Twerl-Weg die Gespinste absaugen und zuvor die Bäume schon mit dem Insektizid Dipel ES behandeln lassen. 5000 Euro wurden dafür aus der Gemeindekasse ausgegeben, im Amt Rhinow insgesamt 22 000 Euro für den Kampf gegen die Raupe. „Eine solche Ausgabe können sich die Gemeinden auf Dauer nicht leisten“, erklärt Ordnungsamtsleiter Michael Mirschel. Daher seien in diesem Jahr nur noch Eichen auf wichtigen Plätzen und Wegen innerhalb der Orte aus der Luft mit dem Insektizid behandelt worden, so auch die Eichen am Friedhof und Backofenberg in Strodehne. Das habe Wirkung gezeigt, so Mirschel.

Notwendig sei nun eine durch das Land finanzierte flächendeckende Bekämpfung, so Kühn und Mirschel. Auch an den Landes- und Bundesstraßen im Westhavelland wurden 2016 keine Eichenalleen mehr mit dem Insektizid behandelt. „Lediglich 25 Einzelbäume waren es noch“, sagt Karsten Ziem, Leiter der Straßenmeisterei Rathenow. Die Folgen könne man jetzt sehen – wie in Altgarz, wo an der Bundesstraße der Eichenprozessionsspinner vielen Alleebäumen zusetzt.

Von Norbert Stein

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