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Havelland In Tietzow geht es um die Wurst
Lokales Havelland In Tietzow geht es um die Wurst
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07:10 04.08.2016
Maria Schuppan hat ihr Hotel am Tietzower Dorfanger nach ihrer Großmutter Helene benannt. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Tietzow

Champignons, Milch und ein Landgasthaus mit Tradition – dafür ist der Nauener Ortsteil Tietzow über die Grenzen des Havellands hinaus bekannt. Mag das kleine Dorf mit seinem idyllischen Dorfanger, den gepflegten Straßenzügen und romantisch bepflanzten Häusern vormittags etwas verlassen wirken, finden sich doch überall Hinweise auf seine rund 300 Bewohner. Die Blumenbeete am Straßenrand strotzen nur so vor Lebenskraft, der dorfeigene Spielplatz lässt auf den Tietzower Nachwuchs schließen. Und tatsächlich: „Tietzow ist einer der wenigen Orte, die wachsen anstatt zu schrumpfen. Viele junge Tietzower bleiben hier wohnen und einige junge Familien ziehen sogar hierher“, sagt Christoph Paschen, der stellvertretende Ortsbeiratsvorsitzende. „Wir befinden uns hier in einer guten Lage – ruhig und idyllisch, aber dennoch mit Anschluss an den Berliner Ring“, so Paschen.

Hotel Helenenhof

Den nutzen wohl auch die meisten Gäste von Maria Schuppan. Ihr Hotel Helenenhof ist direkt am Dorfanger gelegen und zieht vor allem Gäste aus Berlin und der Umgebung, aber auch aus Russland, den USA und Australien, an. „Meine Urgroßeltern haben das Haus 1883 erbaut. Es entwickelte sich nach ihrem Tod, dank meiner kulturverbundenen Großmutter Helene Schultz zum Kulturzentrum in der Umgebung“, so Schuppan. Als Kind habe sie oft Theater- oder Zirkusvorführungen im großen Saal erlebt. Nach der Wende baute Schuppan das mittlerweile verfallene Anwesen wieder auf und eröffnete es 1993 als Hotel. „Wir haben im Haus über 50 Lehrlinge ausgebildet. Heute haben wir Probleme überhaupt Mitarbeiter zu finden.“ Hochzeiten und größere Feierlichkeiten könne sie nicht mehr veranstalten – dazu fehle einfach Servicepersonal. „Im Dorf fühle ich mich sehr wohl. Hier gibt es eine gute, junge Gesellschaft“, so Schuppan.

Champignons, Milch und ein Landgasthaus mit Tradition – dafür ist der Nauener Ortsteil Tietzow über die Grenzen des Havellands hinaus bekannt. Die Betriebe des kleinen Dorfs mit kämpfen mit Fachkräftemangel und Milchpreis, bei jungen Familien ist der Nauener Ortsteil mit seinem idyllischen Dorfanger, den gepflegten Straßenzügen und romantisch bepflanzten Häusern beliebt.

Es geht um die Wurst

Sabine Rosenkranz zog es vor 25 Jahren in den kleinen Nauener Ortsteil. „Mein Mann stammt aus Tietzow, ich bin eigentlich ein Stadtkind. Hier ist es meist sehr ruhig und stressfrei, an den Wochenenden ist schon mehr los“, so Tietzowerin. Drei gut funktionierende Vereine – der Tietzow e.V., der Heimatverein und die Freiwillige Feuerwehr organisieren Veranstaltungen, wie das große Erntefest am Dorfanger oder Skatabende in den Wintermonaten, bei denen es traditionell um die Wurst geht. „Die Gewinne reichen vom einfachen Kotelett bis zum großen Braten. Der Verlierer darf ein Glas Rollmöpse mit nach Hause nehmen“, erklärt Christoph Paschen.

Niedrigster Milchpreis, den es je gab

Kein Fleisch, aber ein anderes tierisches Erzeugnis gibt es auf dem Hof von Karin Beuster. 2011 eröffnete die Luch Agrar GmbH die erste Milchtankstelle in Brandenburg. „Wir haben 200 Kühe auf dem Hof und melken zweimal am Tag – das erste Mal ab 2 Uhr in der Nacht. An der Milchtankstelle halten vor allem Leute aus der Region, aber auch Berliner auf der Durchreise“, so Beuster, die sieben Vollzeitmitarbeiter und drei Teilzeitkräfte beschäftigt. „Immer wenn wir auf dem Weg zu unserem Sohn nach Rathenow hier vorbeikommen, halten wir an. Die Milch ist einfach lecker und etwas ganz anderes, als die aus dem Supermarkt“, so die Berlinerin Bettina Lübke. „Wir befüllen die Tankstelle täglich frisch. Die Milch ist gentechnikfrei und wird gut angenommen“, so Beuster, die aufgrund des schwachen Milchpreises seit einiger Zeit erhebliche Einbußen zu verzeichnen hat. „Derzeit haben wir den schlechtesten Grundpreis, den wir je hatten. Ich versuche so viel wie möglich einzusparen und verzichte auf jede Reparatur, die nicht unbedingt notwendig ist, um meine Mitarbeiter weiter zu beschäftigen – ohne sie könnte ich den Betrieb nicht am Laufen halten.“ Das Futter, das der Hof selber produziert, ist für dieses Jahr gesichert, sicher darüber, wie es dann weitergeht, ist sich Beuster noch nicht.

Aus der Dorfchronik

Das 18 Quadratkilometer große Dorf kann auf eine 500-jährige Geschichte zurückblicken.

Die Dorfkirche wurde 1963 bei einem Sturm beschädigt und musste anschließend gesprengt werden. Glocke und Taufbecken stehen noch auf dem Dorfanger.

2003 wurde Tietzow im Zuge der Gemeindegebietsreform Ortsteil von Nauen.

Gegenüber von Karin Beusters Hof ist auch der zweite große Tietzower Betrieb angesiedelt. Hier werden wöchentlich 130 Tonnen Champignons erzeugt. Das Familienunternehmen Dohme startete vor 50 Jahren mit den ersten Champignons und hat sich seither zu einem der größten Champignon-Erzeuger Deutschlands mit rund 200 Mitarbeitern entwickelt.

Von Laura Sander

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