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In Wansdorf fühlen sich junge Familien zuhause

MAZ-Serie „Zuhause in...“ In Wansdorf fühlen sich junge Familien zuhause

Wansdorf begrüßt seine Besucher mit einem historischen Ortsensemble rund um das Schloss. Doch das Dorf ist kein begehbares Freilichtmuseum, sondern ein lebendiger Ort und mit 879 Einwohnern sogar das größte der Glien-Dörfer. Die Kita platzt aus allen Nähten. Selbst Ortsvorsteher Siegfried Spallek (CDU) staunt: „Was hier im Ort zurzeit an Kindern herumläuft, ist irre.“

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Hereinspaziert: Schlossherr Daniel Claus will das Haus auch für die Öffentlichkeit öffnen.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Wansdorf. Eigentlich wollte Daniel Claus ja nach Marwitz. Doch der Berliner bog in Bötzow zu früh ab und landete stattdessen in Wansdorf. Dort entdeckte er das alte Schloss, das zu verkaufen war, gab später ein Gebot ab – und bekam den Zuschlag. Erst danach konnte er das Gebäude auch von innen besichtigen. „Ich war erstaunt, wie viel von der historischen Bausubstanz noch erhalten war“, sagt er. Einige Türgriffe fehlten, ansonsten war alles da, wenn auch in teils schlechtem Zustand. Seit Ende 2009 saniert Claus das Schloss. „Es dauert sicher noch einige Jahre, aber ich schaffe das“, sagt er.

1906 hatte sich der Vetschauer Industrielle Ferdinand Griebenow das Schloss in Wansdorf bauen lassen. Das alte Gutshaus wurde zum Pferdestall und zu Beamtenwohnungen umgebaut. Griebenow starb jedoch schon vor seinem Umzug aus dem Spreewald; seine Frau verkaufte das Haus schon 1912 wieder an die damals eigenständige Stadt Spandau. Später war das Schloss Genesungsheim für lungenkranke Kinder, dann Zweigstelle des Lehrerbildungsinstituts Potsdam, zuletzt Ausbildungsstätte für die Tier- und Pflanzenproduktion.

Daniel Claus will das Haus nun in seiner ursprünglichen Funktion als Wohnhaus wiederherstellen. Bald soll an der Fassade wieder wilder Wein sprießen, wie in den Zwanzigern.

Claus sagt, er sei auch bereit einige Räume des Schlosses für Veranstaltungen im Dorf zur Verfügung zu stellen, denn das Schloss gehöre nun einmal zu Wansdorf dazu. Der neue Schlossherr hat sich längst auch in den Ort selbst verguckt: Wansdorf, so sagt er, habe sich seinen ursprünglichen Charakter bewahrt. „So etwas gibt es heutzutage nur noch sehr selten.“

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Mit 879 Einwohnern ist Wansdorf das größte der Glien-Dörfer. 1313 wurde der Ort erstmals erwähnt, benannt nach einem See, der heute nicht mehr existiert. Bis ins 19. Jahrhundert hinein gehörte das Dorf dem Adelsgeschlecht von Redern. Das Schloss Wansdorf stammt allerdings nicht aus dieser Zeit, es wurde erst später von einem Industriellen aus dem Spreewald errichtet. Direkt gegenüber steht die Dorfkirche.

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Doch Wansdorf ist kein begehbares Freilichtmuseum, sondern ein lebendiger Ort und mit 879 Einwohnern sogar das größte der Glien-Dörfer. Die Kita“Storchennest“ platzt aus allen Nähten. „Was hier im Ort zurzeit an Kindern herumläuft, ist irre“, so Ortsvorsteher Siegfried Spallek (CDU).

In den vergangenen Jahren seien viele junge Familien nach Wansdorf gezogen, erzählt er. Wenn die Robinien blühen, wenn die Nachtigallen singen und abends die frische Luft aus dem Krämer Forst herrüberweht – „dann will man nie wieder in die Stadt zurück“, sagt Spallek. Zumal in Wansdorf fast alles da ist, was man zum Leben braucht: Es gibt einen Supermarkt, einen Frisör und einen Blumenladen; für Jugendliche den Jugendklub, für die Senioren Gymnastik und Altherrenfußball. Nur einen Arzt vermissen sie manchmal. Und sie bedauern, dass die letzte Gaststätte im Ort, die Kastanie“, inzwischen nur noch Pensionsgäste beherbergt. Selbst Restaurantchef Joachim Golze meint: „Dass man jetzt nicht mehr gesellig beisammen sitzen kann, ist schon schade.“

Das Gemeindeleben findet nun vor allem bei der Feuerwehr statt, die 2016 seit 130 Jahren besteht. „Die Truppe ist sehr aktiv und trägt einen großen Teil zum Dorfleben bei“, lobt Siegfried Spallek. Ob das Osterfeuer oder das Oktoberfest – die Feuerwehrleute und ihr Förderverein organisieren Veranstaltungen und packen mit an.

Auch auf ihre Kirche sind die Wansdorfer stolz. Das Gotteshaus ist zwar schlicht, aber besonders: Hinter dem Altar kamen bei Sanierungsarbeiten Fenster zutage, wie man sie sogar im Brandenburger Dom vergeblich gesucht hatte, außerdem Wandmalereien aus dem Mittelalter. Früher war das Kircheninnere deutlich prunkvoller gewesen: mit Patronatsloge, Emporen und einem Kanzelaltar in bäuerlichem Barock. Zu DDR-Zeiten sei all das aber geschleift worden, erzählt Ortschronistin Irmtraut Wilke, deren Vorfahren bereits seit dem 16. Jahrhundert in Wansdorf leben. Man habe in der Wand einen Brief entdeckt, darauf stand: „Heute, am Tag, als der erste Mensch den Mond betrat, haben wir angefangen aus der Wansdorfer Kirche ein Wohnzimmer zu machen.“

Das ist sie heute noch, im positiven Sinne. In der Kirche finden Lesungen und Konzerte stand, meist als Benefizveranstaltungen des Fördervereins für die Sanierung der Kirche. „Wir wollen sie nicht verkommen lassen“, sagt Ortsvorsteher Spallek, der auch im Vorstand des Fördervereins sitzt.

Einst gab es in der Nähe von Wansdorf übrigens einen See, der aber längst verschwunden ist. Feucht ist es in den umliegenden Niederungen immer noch – ideale Bedingungen für Störche, die dort immer ausreichend zu fressen finden. Aktuell nisten im Ort zwei Vogelpaare, eines davon auf dem Grundstück von Siegfried Spallek. „Wir haben regelmäßig Nachwuchs“, berichtet er. Wansdorf ist eben ein guter Ort, um eine Familie zu gründen. Das wissen nicht nur die Störche.

Von Philip Häfner

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