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In der Kinderstadt wird wieder fleißig gewerkelt

Rathenow In der Kinderstadt wird wieder fleißig gewerkelt

Bis Anfang September wird in der Rathenower Kinderstadt wieder gebaut, gefeiert und experimentiert. 80 Kinder sorgen auch in diesem Sommer dafür, dass in der Miniaturstadt wieder Leben einzieht. Hier lernen sie spielerisch, was Demokratie bedeutet und welch tolles Gefühl es ist, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen.

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Mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen, macht Kindern großen Spaß. Das wird jeder sehen, der die Kinderstadt Rathenow besucht.

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow. „Ich weiß genau, warum ich hier mitmache: Weil es Spaß macht, selbst etwas zu bauen. In der Kinderstadt kann man richtig was erleben“, erklärte der neunjährige Luis am Montagmorgen selbstbewusst. Er gehört zu den 80 Mädchen und Jungen, die nun eine Woche lang die Rathenower Kinderstadt in der Puschkinstraße erneuern und erweitern.

Krankenhaus und Bäckerei, Rathaus und Eisdiele, Feuerwehr und Polizei – viele bunte Häuser aus Europaletten haben Mädchen und Jungen aus Rathenow in den letzten Jahren aufgebaut. Mittlerweile entsteht zum sechsten Mal mitten in Rathenow eine Stadt, erdacht und erbaut von Kindern. Luis ist zum ersten Mal dabei, aber schon nach einer Stunde war er sich ganz sicher: „Das hier wird ein großer Ferienspaß.“

Spielerisch Demokratie lernen

An seiner Seite war am Montag auch sein Freund Manuel. „Ich war schon im letzten Jahr dabei und habe mitgeholfen die Eisdiele zu bauen“, erzählt Manuel ein bisschen stolz und schwingt dabei eifrig den Hammer. Zusammen werden die beiden Jungen in den nächsten Tagen an der frischen Luft hämmern, sägen, feilen, zusammen essen und natürlich auch spielen. Ganz nebenbei lernen sie zudem, was Demokratie, Partizipation und gegenseitige Rücksichtnahme bedeuten. Denn darum geht es in der Kinderstadt, wie Kerstin Braunschweig, Vorstandsvorsitzende des Vereins Kinderstadt Rathenow, erklärte.

Sie ist eine von rund 20 Ehrenamtlern, die das Projekt Jahr für Jahr neu beleben und mit Hilfe von Spenden die Bauwoche und ein mehrwöchiges Ferienprogramm organisieren. „Einige unserer Mitglieder nehmen sich extra Urlaub, um in der Bauwoche als Betreuer dabei zu sein“, erzählt Kerstin Braunschweig. Dazu gehört auch Brandenburgs Sozialministerin Diana Golze (Die Linke). Statt in Kostüm und hochhackige Schuhe schlüpfte sie am Montagmorgen in ihre Arbeitsklamotten, um einmal mehr den kleinen Handwerkern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Erstmals auch Kinder aus Nauen dabei

Zum ersten dabei sind in diesem Jahr auch 14 Kinder aus Nauen. Zu verdanken ist das Katrin Sagranske-Kaiser. Sie gehört zu den sieben Gründungsmitgliedern des Vereins und arbeitet hauptberuflich für die Caritas als Schulsozialarbeiterin in Nauen. „Ursprünglich war die Kinderstadt für Grundschüler aus Rathenow konzipiert. Nun kam ich auf die Idee, auch mal Kinder aus Nauen einzuladen, denn im Osthavelland gibt es bisher ein solches Projekt nicht. Der Vorschlag kam bei meinen Mitstreitern gut an“,berichtete Katrin Sagranski-Kaiser. Die Caritas nahm das Angebot mit ins Ferienprogramm auf und die 14 Plätze waren innerhalb kürzester vergeben.

Wer sich in der Kinderstadt umschaut, dem wird klar, dass die Mädchen und Jungen zwar noch klein sind, aber schon richtig zupacken können. Hört man sonst auf Spielplätzen vor allem lautes Kinderstimmengewirr sind in der Kinderstadt in erster Linie das Kreischen von Sägen, Hammerschläge oder ähnliche Baugeräusche zu hören. Der Nachwuchs hat solchen Spaß daran, selbst etwas zu erschaffen und Verantwortung zu übernehmen, dass Beobachter das Gefühl haben, das ganze sei kein Spiel, sondern Arbeit.

Ein Festwagen für den historischen Umzug

Tatsächlich steht natürlich der Spaß im Vordergrund und der steht den jungen Handwerkern ins Gesicht geschrieben. Mit Eifer und Ehrgeiz gehen die Kinder an die Arbeit. Hier sieht man Mädchen, die sich mit Freude den Spaten schnappen und ihn mit Schwung in den Boden rammen oder Nägel geschickt ins Holz schlagen. Jeder packt mit an so gut er kann. Will etwas nicht gelingen, helfen die anderen mit.

Luis und Manuel werden erst einmal einen Tisch bauen. Die anderen Kinder haben sich in verschieden Gruppen aufgeteilt, die jeweils ein Objekt bis zum Ende der Woche fertigstellen. Ein Fotostudio, eine Pizzeria, ein Pool und ein Optikgeschäft, ein großes Wohnhaus und eine Autowerkstatt sollen unter anderem entstehen. Eine Gruppe wird das Gestell für den Festwagen bauen, der im September zum historischen Stadtumzug das Projekt Kinderstadt präsentieren wird. „Alte Häuser müssen zudem repariert oder auch mal abgerissen werden“, erklärt Kerstin Braunschweig.

Es gibt immer etwas zu tun, wie in einer richtigen Stadt auch. Nur mit dem Unterschied, dass in dieser Miniaturstadt, die Kinder sagen wo es lang geht. Von 9 bis 15 Uhr wird nun eine Woche lang gewerkelt, bevor am Samstag das Bauwochenabschlussfest gefeiert wird. Ab 8. August beginnt dann das vierwöchige Ferienprogramm. Wer die Kinderstadt Rathenow mit Spenden unterstützen möchte, wendet sich direkt an den Verein, E-Mail: kinderstadt-rathenow@web.de.

Von Christin Schmidt

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