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In der Waldsiedlung fließt das Wasser nicht ab

Nauen In der Waldsiedlung fließt das Wasser nicht ab

Bewohner der Nauener Waldsiedlung kritisieren die ungenügende Bewirtschaftung des Grabensystems im Stadtgebiet. Denn nach den starken Regenfällen im Sommer stand das Wasser wochenlang in den Gräben und konnte nicht abfließen. Die Stadt hat schon vor Längerem ein Grabengutachten in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wo es Handlungsbedarf gibt.

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Im Verbandsgebiet pflegt der Wasser- und Bodenverband 2116 Kilometer Gewässer II. Ordnung sowie 73 Kilometer Gewässer I. Ordnung.

Quelle: Privat

Nauen. Noch Wochen nach den starken Regenfällen im Juni und Juli standen Grundstücke und landwirtschaftliche Flächen im Bereich der Nauener Waldsiedlung unter Wasser. Diese Beobachtung hat auch Kay Westendorf gemacht, der in dem Ortsteil lebt und Mitglied der Bürgerinitiative Pro Weinberg ist. „Das Wasser ist einfach nicht abgelaufen, es hatte keine Chance“, sagt er.

Für ihn steht fest, dass dafür „desolate, teilweise nicht mehr existente Gräben, Wehre und Schöpfwerke“ die Hauptrolle spielen. Gewundert hatte er sich zudem darüber, dass das Wasser im Großen havelländischen Hauptkanal förmlich stand und nicht abgeflossen ist. „Das ganze Grabensystem ist in einem maroden Zustand“, kritisierte er jetzt im Nauener Bauausschuss.

Dass das Wasser nicht abfließen konnte, sei nicht nur beim Hauptkanal so gewesen, erklärte Ingenieur Helge Brüggemann, der derzeit für die Stadt Nauen eine Grabenkonzeption erarbeitet. Auch andere Bereiche seien vom Rückstau der Unteren Havel betroffen gewesen. So konnte das Wasser im Hauptkanal nicht abfließen, obwohl die Wehre geöffnet waren. Als Grund für die geringe Fließgeschwindigkeit sieht er zudem das geringe Solgefälle des Hauptkanals. Zudem ist der Boden nur gering durchlässig und der Grundwasserstand war sehr hoch. „Da hilft nur Wind und Verdunstung.“

Darin, dass zahlreiche Schöpfwerke nicht mehr arbeiten, sieht Brüggemann einen Grund für den hohen Grundwasserstand im Nauener Bereich. Künftig sollen vereinzelt Schöpfwerke wieder in Betrieb genommen werden – etwa am Malbusen und bei Utershorst.

Die Waldsiedlung indes habe nie Schöpfwerksbetrieb gehabt. Dort soll nun der Graben nördlich des Dechtower Damms – zwischen Straße und dem Zaun zum Funkamt – wieder hergestellt werden. Momentan ist er teilweise zugeschüttet und zugewachsen. Sogar Bäume stehen darin. Wasser kann dort nicht mehr abfließen, ebenso wenig auf der anderen Straßenseite zu den Häusern hin. Der Graben dort ist überbaut und teilweise unterbrochen.

Bis 2018 soll das Nauener Grabenkonzept vorliegen und anschließend mit der Stadt und dem Wasser- und Bodenverband abgestimmt werden. „Dabei geht es darum, welche Gräben wir ertüchtigen wollen – nämlich da, wo die Gefahrenlage und wo das Konfliktpotenzial besonders groß ist“, sagte Christoph Artymiak von der Stadtverwaltung. Der Dechtower Damm sei ein Beispiel, aber auch in Markee oder in Wachow gebe es Handlungsbedarf. Insgesamt werden 1348 Gräben mit 477 Kilometer Länge in Nauen unter die Lupe genommen.

Dass das Grabensystem insgesamt betrachtet wird, das fordert unter anderem Uwe Nitz von der Bürgerinitiative Pro Weinberg. „Die Bewirtschaftung des Grabensystems ist katastrophal. Das Land muss zum Umdenken gezwungen werden. Das System muss als System erkannt und so bewirtschaftet werden“, sagte er.

Dieser Meinung ist auch Thomas Große-Rüschkamp von der CDU. „Es muss außerdem eine Balance zwischen Ökonomie und Naturschutz gefunden werden“, sagte der Landwirt, der dabei von seinem Kollegen Dirk Peters unterstützt wird: „Wir fordern, dass ab Mai angefangen wird zu krauten.“ Doch zu seinem Leidwesen klappt das in der Regel aus Naturschutzgründen nicht. Dabei würde es der Wasser- und Bodenverband im Interesse eines vorbeugenden Hochwasserschutzes gerne machen, wie Geschäftsführer Peter Hacke sagt.

Hätte man die Hauptvorfluter Anfang Juni krauten können, wären die Auswirkungen des Starkregens nicht ganz so groß und der Abfluss gewährleistet gewesen. Ohne Einschränkungen darf der WBV aber erst ab September mit der Krautung beginnen, vorher geht es nur mit Sondergenehmigung.

Hacke will den Vorwurf Westendorfs, dass die Pflege und Instandhaltung der Gräben in den letzten Jahren vernachlässigt wurde, so nicht stehen lassen. „Wir sind bei der Pflege der Gräben in Nauen auf einem guten Stand“, sagte er. Rund 300 000 Euro werden jährlich für die Unterhaltung aufgewendet. Allerdings habe sich seit der Wende hinsichtlich der Entwässerung viel verändert. So sind derzeit auch aus Kostengründen im Verbandsgebiet von einst 67 Schöpfwerken nur noch 35 in Betrieb.

Der Wasser- und Bodenverband Nauen wurde 1991 gegründet und geht bei der Pflege der Gräben nach einem Gewässerunterhaltungsplan vor. Bezahlt wird er von den Mitgliedskommunen.

Von Andreas Kaatz

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