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In diesen Tagen gilt die Schattenregel

Hitzewelle im Havelland In diesen Tagen gilt die Schattenregel

Schlapper Sonnenhut, staubige Straßen, heiße Autos - die MAZ ist mit der Hitzewelle unterwegs.

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Wenn der Schatten noch kurz ist, dann ist die Hitze unerträglich.

Quelle: dpa

Havelland. Ein klarer Fall von Exsikkose. So der medizinische Fachausdruck für Austrockung. "Zu den Symptomen gehören Schwindel, Kopfschmerzen und Kreislaufstörungen", sagt Lothar Lallinger, der Leiter der Rettungsstelle im Evangelischen Waldkrankenhaus in Spandau. und Philip Häfner

Und solche hitzebedingten Beschwerden seien in diesen Tagen nicht ungewöhnlich. Die Krankenhäuser der Region melden einen geringen Anstieg von Patienten mit Kreislaufbeschwerden. "Es sind allerdings auch nicht so viele mehr als in anderen Jahren", stellt Lothar Lallinger klar. Ein Grund dafür: Die Temperaturen klettern derzeit nur tagsüber über die 30-Grad-Grenze. In den Nächten ist es hingegen angenehm kühl. "Dann sollte man ausgiebig lüften", so Lothar Lallinger. Er rät außerdem, ausreichend zu trinken: "Am besten platzieren Sie zwei, drei Flaschen Wasser an einer prominenten Stelle, an der Sie sie immer im Blick haben. Zwingen Sie sich, sie bis zum Abend auszutrinken."

Vor allem ältere Menschen seien von den hohen Temperaturen betroffen, die ohnehin schon ein weniger starkes Durstgefühl hätten und deshalb bei Hitze schneller Gefahr liefen, zu wenig Flüssigkeit zu sich zu nehmen, sagt Lallinger. Besonders gefährdet seien auch muslimische Bürger, die derzeit wegen des Ramadans tagsüber fasten.

Silke Monte, die Sprecherin der Havelland Kliniken in Nauen und Rathenow, lobt die Havelländer: "Sie sind vernünftiger geworden", sagt sie. Immer weniger Menschen würden sich in der Mittagshitze in die Sonne begeben. Lothar Lallinger empfiehlt, sich an die Schattenregel zu halten: "Wenn der eigene Schatten länger ist als man selbst, kann man sich auch mal in die Sonne wagen. Sonst besser nicht."

"Im Schatten geht’s", das weiß auch Werner Bült. Der Brieselanger verkauft Blumen auf dem Falkenseer Wochenmarkt und hat sich im Schatten seines Transporters niederlassen. Der große Sonnenschirm ist nicht groß genug für alle seiner Pflanzen, da macht der Sonnenhut mit seinen gelben Büten schon mal schlapp. "Der erholt sich immer wieder schnell", sagt Werner Bült. In diesen Tagen allerdings weniger, denn: "Bei der Hitze kommen die Kunden erst gar nicht", hat er beobachtet. Das große Geschäft ist da nicht zu machen. Also wird hin und wieder gegossen. "Aber alles schafft man einfach nicht", sagt der Blumenhändler.

Mehr gießen ‒ und zwar in die Kehlen, das gilt auch für die Bauarbeiter, die am Brieselanger Paul-Mewes-Damm und Schulplatz schuften. Der Arbeitgeber stellt in diesen heißen Tagen zusätzlich Getränke zur Verfügung, Schatten kann er nicht spendieren. Die Straßenbauer haben keine Angst vor Sonne und Staub. Sie haben ganz andere Sorgen. Die Gasleitung lag nicht so tief wie erwartet und musste verlegt werden, das warf die Männer eine Woche zurück. Nun muss mit Hochdruck daran gearbeitet werden, damit der Platz an der Schule nach Ferienende benutzbar ist. Mit Motor- und Muskelkraft gehen die Männer zur Sache, egal wie stark die Sonne scheint.

Wochenlang kein Regen, das macht vielen zu schaffen. Wegen der angehaltenen Trockenheit herrscht im Havelland ‒ wie auch in allen anderen Brandenburger Landkreisen ‒ seit Montag die höchste Waldbrandwarnstufe. Und auch die Felder der Landwirte sind von der Hitze betroffen: Vor allem Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln leiden, dem Weizen geht es nicht gut. "Das ist eine Stresssituation für die Pflanzen", sagt Udo Folgart, der Vorsitzende des havelländischen Kreisbauernverbandes. Wegen des feuchten Frühjahrs seien die Wurzeln nicht so tief und verzweigt wie sonst, weil die Pflanzen auch so an das Wasser herankamen. Wenn wie jetzt die Niederschläge ausbleiben, reicht die Wurzelmasse nicht aus, um dem Boden ausreichend Wasser zu entziehen, erklärt er. Udo Folgart rechnet dennoch mit einer "guten Durchschnittsernte".

Und vielleicht wird’s am Ende, wenn die heißen und die kalten Tage zusammengezogen werden, ja auch nur ein Durchschnittssommer. Erst mal steht aber ein besonders heißes Wochenende bevor. Manfred Sommer wird auch das ertragen. Gelassen nimmt der Ketziner Taxifahrer die Hitze hin. "Im Taxi sind 50 Grad", sagt er und bedauert, dass es in der Stadt keine schattigen Warteplätze für die Taxis mehr gibt. Ob er bei der Fahrt dann die Klimaanlage einschaltet, hängt von den Wünschen der Fahrgäste ab. "Die Hälfte etwa will das gar nicht", sagt er. Während der Wartezeit setzt er auf natürliche Lüftung und macht die Autotüren auf: "Ich lasse 30 Grad rein und 50 Grad raus", sagt er lachend.

Von Marlies Schnaibel

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