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Infoveranstaltung zu Flüchtlingsheim in Nauen

Viele Stühle blieben leer: 60 Bürger kamen zu Asyldebatte Infoveranstaltung zu Flüchtlingsheim in Nauen

Knapp 350 Einladungen wurden verschickt, aber nur 60 Bürger sind zur Infoveranstaltung zum geplanten Asylbewerberheim in Nauen gekommen. Noch im Februar hatte es bei der Nauener Stadtverordnetenversammlung dazu Tumulte gegeben. Diesmal sollten nur ausgewählte Bürger teilnehmen. Sie äußerten ihre Bedenken.

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Nur wenige sind der Einladung zur Informationsveranstaltung zum geplanten Flüchtlingsheim gefolgt. In Nauen blieben die Sitze leer.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Nauen. Die gute Nachricht vorweg: Diesmal blieb alles ruhig. Nach den Tumulten bei der Nauener Stadtverordnetenversammlung im Februar wurde am Donnerstagabend sachlich über die Asylbewerberunterkunft am Waldemardamm diskutiert. Der Landkreis hatte Bewohner und Institutionen aus der direkten Nachbarschaft des Heims zur Informationsveranstaltung in die Aula des Oberstufenzentrums eingeladen. Allerdings, und das ist die weniger gute Nachricht, nahmen nur wenige Bürger das Angebot an.

342 Einladungen wurden verschickt, 199 Personen hätten im Saal Platz gefunden, doch nur etwa 60 kamen tatsächlich ‒ Politiker, Presseleute und Vertreter des Landkreises schon eingerechnet. "Da hätten die Skeptiker die Chance gehabt, mit uns zu diskutieren, und dann kommen sie nicht", wunderte sich nicht nur Christiane Wilde, die Sachgebietsleiterin für Asylfragen beim Kreis. Allerdings war vereinzelt auch Kritik zu hören, dass die Veranstaltung nur für ausgewählte Bürger war. "Man kann die Gegner nicht auf Dauer ausschließen", meinte ein Mann. "Der Konflikt muss gelöst werden, sonst eskaliert er irgendwann."

Weitere Unterkünfte

  • Drei Flüchtlingsheime gibt es derzeit im Havelland: in Rathenow, Premnitz und Friesack. Letzteres soll in diesem Jahr vorübergehend erweitert werden, erklärte Dezernent Wolfgang Gall.
  • Der Bau von zwei weiteren Asylbewerberunterkünften in Falkensee ist bereits beschlossen. Das erste an der Ecke Kremmener Straße/Bergstraße soll im Juni eröffnen. Im Gespräch ist ein weiteres Heim in Wustermark.

Zu Beginn hatte Kreisdezernent Wolfgang Gall (CDU) einen Überblick über die Flüchtlingssituation in Deutschland und im Landkreis gegeben und die gesetzlichen Grundlagen vorgetragen. Demnach werden in diesem Jahr im Havelland 1150 Asylbewerber erwartet, eine deutliche Steigerung gegenüber den 485 im Jahr 2014.

Im Februar 2016 sollen die ersten Asylsuchenden einziehen

In der Nauener Unterkunft werden 255 Menschen untergebracht. "Die Flüchtlinge sind Bürger von Nauen, dafür bekommt die Stadt auch Schlüsselzuweisungen", sagte Gall. Das Heim soll aus zwei dreigeschossigen Wohnblöcken bestehen, dahinter befinden sich ein Spielbereich, Grillplatz und Sportmöglichkeiten. Das Gebäude entsteht in modularer Bauweise ‒ es besteht aus vorgefertigten Bauteilen, die vor Ort nur noch zusammengesetzt werden, aber nicht aus Containern, wie Martin Felstow betonte, der Leiter des kreislichen Amtes für Gebäude- und Immobilienmanagement. Die Flüchtlinge wohnen in Zwei- und Dreibettzimmern. Jedem von ihnen stehen sechs Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung.

Anfang Juni soll der Bauantrag gestellt werden, in der zweiten Augusthäfte beginnen die Arbeiten. Die Inbetriebnahme ist für Februar 2016 vorgesehen.

Bürger fürchten Kriminalitätsanstieg

Anschließend konnten die Gäste Fragen stellen. Warum die Bürger nicht über das Heim abstimmen durften, fragte jemand ‒ Deutschland sei schließlich eine Demokratie. "Es gibt Entscheidungen der gewählten Volksvertreter, die sich an den gesetzlichen Regelungen orientieren", erwiderte Wolfgang Gall. "Diese Entscheidungen gefallen vielleicht nicht jedem, aber sie sind nicht undemokratisch zustande gekommen."

Niemand müsse befürchten, dass ihm die Flüchtingen die Sozialleistungen oder den Kitaplatz streitig machen. "Keiner nimmt Ihnen irgendetwas weg", so Gall.

"Was uns fremd ist, das macht uns Angst"

Einige Anwohner äußerten Bedenken, dass wegen des Flüchtlingsheims die Kriminalität steigen könnte. Sie befürchteten Zustände wie am Görlitzer Park in Berlin, wo mit Drogen gehandelt wird, und dass junge Frauen auf den Straßen bald nicht mehr sicher sind. "Wir können aber nicht feststellen, dass es im Havelland im Umfeld von Asylunterkünften eine erhöhte Kriminalitätsrate gibt. Unter den Deutschen ist die Kriminalität weitaus größer", erklärte Polizeichef Lutz Gündel.

"Was uns fremd ist, das macht uns Angst. Also versuchen wir es kennenzulernen", meinte Irene Petrovic-Wettstädt, Leiterin des Leonardo-da-Vinci-Campus. Projekte mit Flüchtlingen sind deshalb schon in Planung. Nauens Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD) sagte: "Wir sehen es als unsere Verpflichtung an, Kriegsflüchtlingen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen."

Von Philip Häfner

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