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Insektenfressende Schönheiten

Faszinierende Fliegenfänger auf der Buga Insektenfressende Schönheiten

Sie ist der Inbegriff der fleischfressenden Pflanze, schaurig und faszinierend zugleich: die Venusfliegenfalle. Gerät eine Fliege in die Fänge der Dionaea muscipula, wie die fleischfressende Schönheit mit lateinischen Namen heißt, gibt es kein Entkommen: In Sekundenschnelle schnappen die beiden Fangblätter zu – und das Insekt sitzt in der Falle.

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Faszinierend und gruselig zugleich: die Venusfliegenfalle und Züchter Hans-Thomas Siegel.

Quelle: J. Sack

Großbeeren/Rathenow. In der freien Natur sind Venusfliegenfallen heute kaum noch zu finden – erst recht nicht in Deutschland. Denn ursprünglich ist die Pflanze mit dem ausgeklügelten Fangmechanismus in den Mooren Nordamerikas zu Hause. Wegen ihrer auffällig rot gefärbten Fangblätter ist die Venusfliegenfalle mittlerweile auch hierzulande als Zier- und Zimmerpflanze gefragt. Hans-Thomas Siegel ist einer der wenigen Züchter, der die gefräßigen Fliegenfallen in Großbeeren (Teltow-Fläming) kultiviert.

Die schönsten Exemplare zeigt der 53-jährige Berliner an diesem Wochenende zur Bundesgartenschau in Rathenow: An die 20 Aussteller präsentieren dort seltene Pflanzen auf dem Raritätenmarkt vor dem i-Punkt Grün auf dem Weinberg.

Anders als die meisten Züchter ist Hans-Thomas Siegel Quereinsteiger, was das Gärtnern betrifft. Jahrelang lebte und arbeitete der gelernte Speditionskaufmann erst in Italien, später in Süddeutschland und Berlin. Bis ihm der Trubel im Büro irgendwann zu viel wurde und Siegel 2006 seinen Job kündigte. Auf der Suche nach etwas Ruhe heuerte er als Praktikant in einem Zuchtbetrieb für tropische Pflanzen an. „Bis dahin hatte ich mit Pflanzen wenig am Hut“, erinnert sich der gebürtige Baden-Württemberger. Das Praktikum habe seine Lust am Gärtnern und am Draußensein geweckt.

Vom Beet zurück ins Büro wollte Siegel danach nicht mehr: „Pflanzen streiten nicht“, fügt der drahtige Mann hinzu – die Begründung für seinen damaligen Entschluss klingt fast wie eine Entschuldigung.

Fast zehn Jahre ist es her, dass Siegel seine ersten fleischfressenden Pflanzen, zwei Kap-Sonnentau, kaufte und sich selbstständig machte. Mehrere Tausend Pflanzen kann er mittlerweile sein Eigen nennen. Neben den vielen Sonnentau-Arten gehören längst auch Trompetenpflanzen, Fettkräuter und Venusfliegenfallen ins Repertoire des Züchters.

Wer das riesige Gewächshaus auf dem Gelände der Lehranstalt für Gartenbau und Floristik in Großbeeren betritt, fühlt sich unweigerlich wie in den Tropen. Meterhohe Trompetenpflanzen (Sarracenia) wachsen dort unter Glas. Für den Menschen mögen die prächtigen gelben und roten Blüten ein Hingucker sein, für Insekten aber sind die Schläuche der Sarracenia tödlich: Angelockt wird die Beute durch den Nektar an der Öffnung.

Buga-Raritätenbörse

An die 20 Züchter präsentieren an diesem Wochenende, 13. und 14. Juni, von 9 bis 18 Uhr seltene Pflanzen auf dem Weinberg in Rathenow am i-Punkt Grün.
Fleischfressende Pflanzen, Purpurglöckchen, Kiwis und Kakteen: Auf dem Pflanzenmarkt erhalten Interessierte vielfältige Ratschläge rund um den Garten. Pflanzenexperten referieren über die Vielfalt und den Erhalt seltener Arten.
Weitere Infos unter www.netzwerkpflanzensammlungen.de

Sobald sich das Tier auf den wachsbeschichteten Rand setzt, fällt es ins Innere der Pflanze und wird verdaut. Weniger grausam, dafür aber genauso hübsch anzusehen, ist der Sonnentau (Drosera): Er fängt Insekten mithilfe einer Zuckerlösung. An den klebrigen Blättern bleibt die Beute einfach hängen.

Welche Faszination von seinen Pflanzen ausgeht, spürt Hans-Thomas Siegel nahezu jedes Wochenende, wenn er auf den Pflanzenmärkten in der Region unterwegs ist: „Wenn die Venusfliegenfalle zuschnappt, sorgt das immer wieder für Begeisterung.“ Gekauft wird dennoch selten.

Viele Hobbygärtner hätten – im wahrsten Sinne des Wortes – Berührungsängste, vermutet Siegel: „Es herrscht der Aberglaube, das fleischfressende Pflanzen schwer zu halten sind.“ Dabei gebe es nur eines zu beachten: „Fleischfressende Pflanzen vertragen kein Leitungswasser, man darf sie nur mit Regenwasser oder destilliertem Wasser gießen.“

Wer diesen Grundsatz berücksichtigt, ist lästige Obstfliegen ein für allemal los – und kann bei seinen Nachbarn obendrein mit extravaganten Pflanzen im Garten punkten.

Von Josefine Sack

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