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Havelland Besuch in einer Geisterstadt
Lokales Havelland Besuch in einer Geisterstadt
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07:31 12.08.2014
Großzügig und aufgeräumt: Blick in einen Flur der „Eiermann-Kaserne“. Quelle: M. Kniebeler
Rathenow

Versteckt hinter Bäumen und Sträuchern, geschützt durch einen hohen Zaun – die beiden Kasernenkomplexe in der Rudolf-Breitscheid-Straße nimmt man kaum wahr, wenn man die Straße entlangfährt. Dabei handelt es sich um alles andere als unscheinbare Objekte. Die Schützenkaserne im vorderen Teil der Breitscheidstraße und die Kraftfahrerkaserne an der Ecke zur Semliner Straße bestehen aus zehn mehrstöckigen Gebäuden, jedes groß wie eine stattliche Schule. Gesamtnutzfläche: fast 29.000 Quadratmeter. Theoretisch wäre dort Platz für über 400 Wohnungen à 70 Quadratmeter.
„Diese Größe ist es auch, die eine Vermarktung der Kasernengebäude so schwierig macht“, sagt Andrea Magdeburg, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Bodengesellschaft (BBG), welche die Grundstücke im Auftrag des Landes verwaltet. Denn jede der beiden Kasernen soll als Ganzes vermarktet werden. Da brauche es schon einen finanzkräftigen Investor, so die BBG-Chefin.

Beim Ortstermin Ende der vergangenen Woche deutete Andrea Magdeburg an, dass es ernsthafte Interessenten für die Militärbauten gebe. Und sie ließ durchscheinen, dass eine Kombination aus Wohnnutzung und stillem Gewerbe wohl die wahrscheinlichste Variante für das denkmalgeschützte Ensemble sei.

Um einen Eindruck vom Zustand der Bauten zu vermitteln, wurde der Presse Zutritt zu den sonst verschlossenen und gut bewachten Kasernen gewährt.

Das Staunen war groß:

Obwohl die Gebäude seit 20 Jahren leer stehen, machen sie keinen baufälligen Eindruck. Vor allem die Eiermann-Kaserne im vorderen Teil der Breitscheidstraße wirken ausgesprochen stabil. Natürlich blättert die Farbe von den Wänden, und natürlich knirscht Schutt unter den Schuhen. Aber das entkernte Innere mit den hohen Decken und breiten Fluren wirkt intakt und aufgeräumt. Feuchtigkeit scheint noch nicht ins Innere gedrungen zu sein, sodass auch vom so ungeliebten Schimmelbefall keine Spur ist. Eine Ausnahme stellt das Kellergeschoss der Kraftfahrerkaserne dar. Hier steht das Grundwasser fast einen halben Meter hoch. Allerdings ist das gewollt. Beim Bau der Kaserne sei das Kellergeschoss so konstruiert worden, dass variierende Grundwasserstände abgefangen werden können, erklärt Andrea Magdeburg.

Konversion

Unter Konversion versteht man die Umwandlung einstiger Militärliegenschaften in zivil nutzbare Areale. Dazu gehören Kasernenkomplexe, Wohngebiete, Lagerhallen, Flugplätze, Truppenübungs- und Schießplätze, Radarstationen und Großtanklager.
Das Land Brandenburg hat seit 1994 rund 100000 Hektar der ehemaligen Liegenschaften der Sowjetischen Truppen in Brandenburg (so genannte WGT-Flächen) übernommen. 2014 sind noch 8500 Hektar für die Verwertung im Bestand. Für die Verwaltung und Verwertung der Liegenschaften ist die Brandenburgische Boden Gesellschaft (BBG) verantwortlich.
Allein in Rathenow hat die BBG im Jahr 1994 Militärareale mit einer Größe von 218 Hektar übernommen. Bekannte Konversionsflächen sind das Gewerbegebiet Heidefeld und das Areal der Zietenkasernen. Das größte Konversionsvorhaben in Rathenow wurde 2005 abgeschlossen. An der Breitscheidstraße/Ecke Lessingstraße wurden 3,7 Millionen Euro in den Abriss der Kasernen und die Renaturierung des Geländes investiert: 26 Hektar bebauter Fläche wurden entsiegelt, 160000 Tonnen Beton- und Ziegelschutt waren zu entsorgen.

Die BBG-Geschäftsführerin gibt zu erkennen, dass es alles andere als illusorisch ist, ehemalige Soldatenunterkünfte in Wohnungen umzuwandeln. In den vergangenen 20 Jahren sei das an den unterschiedlichsten Orten im Land Brandenburg gelungen.

Wer es nicht glaubt, der mache sich auf zu einem Spaziergang durch die Rathenower Bahnhofstraße. In den schmucken Backsteingebäuden auf der westlichen Straßenseite, die einst von Zietenhusaren und später von sowjetischen Militärs bewohnt wurden, leben heute vor allem junge Leute und Familien. Auch diese Kasernen standen unter Denkmalschutz – und doch ist ein zeitgemäßer Umbau gelungen. Von einem Leerstands problem jedenfalls hat man bei den Zietenkasernen noch nichts gehört.

Von Markus Kniebeler

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