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Integrationsdebatte in Dallgow

Bürgerdialog über „Einwanderungsland Deutschland“ Integrationsdebatte in Dallgow

Die SPD-Bundestagsfraktion lud zum Bürgerdialog zu dem Thema „Wie gelingt Integration?“ nach Dallgow. Mehr als einhundert Frauen und Männer diskutierten kontrovers über das Thema des Abends, bei dem auch Bundesjustizminister Heiko Maas zu Gast war.

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Auf dem Podium: Heiko Maas im Gespräch mit Klaus Gottschalk, Dagmar Ziegler, Wolfgang Gall und Karamba Diaby (von rechts).

Dallgow-Döberitz. Reden, Beifall, Pfiffe, Trommeln, Beschimpfungen, Danksagung, Plakate, Flyer – so die Zutaten für ein höchstlebendiges Dialogforum, zu dem die SPD-Bundestagsfraktion und Bundesjustizminister Heiko Maas für Dienstagabend nach Dallgow-Döberitz eingeladen hatte. Mit „Wie gelingt Integration?“ war ein Thema vorgegeben, das politischen und emotionalen Zündstoff enthielt. Klar war an dem Abend, nicht jeder wollte zuhören und reden, mancher wollte genau das verhindern.

Vor dem Dallgower Volkshaus gab eine Gruppe von 15 Männern ein Pfeifkonzert, per T-Shirt und Karte gaben sie sich als Rathenower Opposition im „Bürgerbündnis Havelland“ zu erkennen. Andere saßen im Saal und versuchten mit Zwischenrufen wie „Wir können die Lügen nicht mehr hören“ und „Ihre Partei bricht das Grundgesetz“ den Minister am Reden zu hindern. Dagmar Ziegler, Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, machte von ihrem Hausrecht Gebrauch und verwies einige Personen des Saales. Dann trat Ruhe ein, um sich dem Thema des Abends inhaltlich zu nähern.

In der Reihe „Fraktion vor Ort“ stellt sich die Bundestagsfraktion der SPD den Bürgern und will mit ihnen ins Gespräch kommen. Den Anfang in Dallgow machte mit Karamba Diaby ein Mann aus dem Senegal, der seit Langem in Deutschland wohnt, hier studiert und promoviert hat und seit 2013 im Bundestag sitzt. Er leitet das Projekt „Neues Miteinander – Einwanderungsland Deutschland“. Er sagte, Deutschland braucht ein neues gesellschaftliches Leitbild, das solle im breiten Diskurs bestimmt werden. „Unsere Gesellschaft verändert sich“, sagte Diaby, „Deutschland ist schon lange ein Einwanderungsland.“ Als Teil einer solchen Debatte wertete Bundesjustizminister Heiko Maas auch den mit mehr als 120 Zuhörern besuchten Dialog in Dallgow. Die Welt globalisiert sich in allen Lebensbereichen, die Probleme könne kein Land mehr alleine lösen. Maas mache sich keine Illusionen, dass es Ängste, Verunsicherung und auch Hass gibt, wenn es um die Integration der Flüchtlinge geht. Aber es gebe viele Menschen, die Wege suchen, wie Integration gelingen könne. Viele von ihnen waren am Dienstag im Saal.

Auf dem Podium berichtete Friesacks Bürgermeister Klaus Gottschalk, dass die Bürger nicht begeistert waren, als man ihnen die Flüchtlinge vor die Nase gesetzt hat. „Aber Friesack hat Kleinstadtflair, jeder kennt jeden“, sagte Gottschalk, „man spricht miteinander.“ Auch über Gerüchte und Probleme. Das sei ein Schlüssel für den friedlichen Umgang miteinander. Was Integration betrifft, sieht er Probleme, die Leute in Ausbildung zu bringen, sie „ausbildungsfähig“ zu machen. Dafür sei die Sprache der Schlüssel.

Mehr und unkomplizierte Sprachangebote wünschte sich auch Kathleen Kunath von der Initiative „Willkommen in Falkensee“. Sie gab dem Minister gleich einen Katalog an Wünschen und Forderungen mit auf den Weg, was die Unterbringung in Wohnungen und was die Anerkennung von Abschlüssen betrifft. Wohnraum und Schulsystem – das waren auch zwei Schwerpunkte, die Wolfgang Gall, Sozialdezernent im Landkreis Havelland, ansprach.

„Wir stehen vor einer doppelten Integrationsaufgabe: die Flüchtlinge zu integrieren und die Gesellschaft zusammenzuhalten“, hatte Dagmar Ziegler erklärt. Und genau diese Pole bestimmten auch die offene Diskussion in Dallgow. Den einen ging die Integration nicht weit genug, die anderen lehnten sie ab. Es gab an dem Abend auch Asylgegner, die nicht pfiffen und schrien, sondern ruhig ihre Meinung sagten. „Wir sind von der Politik in Geiselhaft genommen worden“, sagte ein Mann, der die „deutsche Gemeinschaft“ bedroht sieht. Ein anderer will Deutschland nicht als Einwanderungsland sehen und fragt, wie die „Rückkehrbereitschaft“ der Flüchtlinge erhalten wird. Einigen gingen die Integrationsbemühungen der Politik nicht weit genug. Sie forderten den besseren Schutz der christlichen Minderheiten in den Flüchtlingsheimen. Andere hätten an dem Abend gern über Fluchtursachen und die Mitschuld der Europäer an den Problemen der Länder geredet.

Der SPD-Ortsverein Dallgow hatte sich einmal mehr als Gastgeber für ernsthafte und wichtige Gespräche erwiesen.

Von Marlies Schnaibel

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