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Havelland Interkulturelles Familiencafé muss wachsen
Lokales Havelland Interkulturelles Familiencafé muss wachsen
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07:30 24.02.2017
Flüchtlingsfrauen beim Deutschlernen im Familiencafé, rechts an der Tafel Sprachmittlerin Leena Aldoks. Quelle: Bernd Geske
Rathenow

Großes Aufatmen im Interkulturellen Familiencafé von Rathenow, dort ist der Platz jetzt nicht mehr so knapp. Der Bezirksverband Potsdam der Arbeiterwohlfahrt (Awo) hatte im April vor einem Jahr diesen Treffpunkt in der Heinrich-von-Rosenberg-Straße 50 eröffnet.

Flüchtlingsfrauen, die für ihre Kinder keinen Kita-Platz bekommen haben, können sich dort mit der deutschen Sprache und Lebensweise vertraut machen. Ihre Sprösslinge können sie mitbringen. Die werden in einem extra Raum betreut, können aber in der zwanglosen Atmosphäre auch problemlos schnell mal zu ihren Müttern ins Nebenzimmer wechseln, wenn sie Sehnsucht haben.

„Wir haben jetzt 90 Quadratmeter Fläche mehr“, berichtet die Projektleiterin Britta Stöwe, „das ist doppelt so viel Fläche wie vorher.“ Nur zwei, drei Monate nach der Eröffnung sei das Interesse schon so groß geworden, dass es in den zunächst angemieteten drei Räumen so eng wurde, dass man es nicht mehr gut finden konnte. Da ist zuerst der Raum, der dem Projekt den Namen gab: das Familiencafé.

Das ist die eher kleine Küche. Dort kommen Flüchtlingsfrauen zusammen, um sich mit der deutschen Sprache und Lebensweise vertraut zu machen. Die Gemeinschaft hier ist offen und flexibel. Wichtige Worte für den Alltag werden gelernt, über die Bundesrepublik, das Land Brandenburg und den Landkreis wird gesprochen.

Im Bildungsraum wird zwei Stunden am Tag geübt

Raum zwei ist für die Kinderbetreuung und der dritte ist der Bildungsraum. Hier wird in fest gefügten Gruppen über mehrere Wochen hinweg zwei Stunden pro Tag die deutsche Sprache geübt. Maximal sechs Frauen dürfen teilnehmen. Hier wird konzentriert gesprochen, gelesen und geschrieben.

Weil es in Rathenow schon längere Zeit keine freien Kita-Plätze mehr gibt, hat die Awo das Interkulturelle Familiencafé geschaffen, damit Flüchtlingsfrauen Deutsch lernen können, ohne dass sie einen der vorgeschriebenen Kurse besuchen. Denn wenn sie keine Betreuungsmöglichkeit finden, müssen sie ihr Kind immer bei sich behalten und könnten keinen Kurs besuchen. „Bis zu 20 Frauen kommen hierher“, berichtet Britta Stöwe, „und fast jede von ihnen bringt ein Kind mit.“ Diese sind im Vorschulalter, in den Schulferien aber auch älter. Das Projekt wird komplett finanziert über die Aktion Mensch und es läuft bis Ende 2018.

Die Räume, die jetzt zusätzlich angemietet werden, stehen seit Mitte Februar zur Verfügung. Sie befinden sich gleich neben dem Familiencafé und können in das Geschehen integriert werden durch einfaches Öffnen der Türen. „Die Erweiterung bringt uns eine deutliche Entlastung“, sagt Britta Stöwe, „endlich wird es nicht mehr so eng sein.“ Es kann mehr kreatives Gestalten angeboten werden, jetzt ist Platz für Yoga und eine Handarbeitsgruppe konnte gegründet werden, deren Mitglieder sich jeden Donnerstag von 14 bis 16 Uhr treffen. Alle Interessierten können kommen, auch Deutsche, denn das Familiencafé soll ein Ort der Begegnung sein.

Treffpunkt an vier Tagen der Woche

Das Interkulturelle Familiencafé ist geöffnet von Montag bis Donnerstag in der Zeit von 9 bis 12 Uhr und Dienstag von 14 bis 16 Uhr.

Träger ist der Bezirksverband Potsdam der Arbeiterwohlfahrt (Awo).

Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von Migrationsberatung und Erziehungs- und Familienberatung der Awo.

Das Familiencafé befindet sich in der Heinrich-von-Rosenberg-Straße 50 in Rathenow und ist telefonisch erreichbar unter 03385/ 49 800 65.

Finanziert wird es komplett von der Aktion Mensch.

Eine Biberburg ist das Familiencafé jetzt auch geworden. Dort bekommen Kinder in Notlagen sofort Hilfe.

Das Projekt schöpft seine Kraft aus dem zahlreichen Personal. Hauptamtlich beschäftigt sind nur Projektleiterin Britta Stöwe und Koordinatorin Diana Neumann. Als Sprachmittlerinnen für Honorar tätig sind Leena Aldoks (Arabisch) und Farzana Niazi (Farsi). Gegenwärtig sind auch drei Praktikantinnen im Einsatz, eine von der Awo-Fachschule für Sozialwesen „Sophie Scholl“ in Premnitz, eine von der Akademie Seehof und eine von der Duncker-Oberschule Rathenow.

Honorarkräfte leiten das kreative Gestalten und Yoga. Nicht zu vergessen ist die größere und immer ein bisschen variierende Zahl von Ehrenamtlichen. Sie helfen beim Deutschlernen, betreuen Kinder und erledigen viele größere und kleinere Aufgaben mit den Flüchtlingsfrauen. Regelmäßig gehen die Sprachmittlerinnen mit zu Arztbesuchen und Behördengängen.

Mehr als die Hälfe der Frauen, die ins Familiencafé kommen, sind aus Syrien. Ein weiterer großer Teil ist aus Afghanistan, dann folgt Somalia. Einige wenige Frauen kommen aus Kamerun, Kenia, Libyen, dem Tschad und Vietnam. Die finanziellen Mittel, um 90 Quadratmeter mehr Fläche mieten zu können, stammen übrigens nicht aus einer Budgeterhöhung durch die Aktion Mensch. Die Verantwortlichen haben Projektgelder „umgewidmet“, wie es in der Fachsprache heißt. In Abstimmung mit dem Geber wurden Honorare und andere Ausgaben gekürzt, um das eingesparte Geld für mehr Räume auszugeben.

Von Bernd Geske

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