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Havelland Internationaler Nachwuchs im Handwerk
Lokales Havelland Internationaler Nachwuchs im Handwerk
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00:44 04.09.2015
Pioter, Daniel und Javad mit Geschäftsführer Jack Brümmerstädt (v.l.). Quelle: Christin Schmidt
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Rathenow

Eigentlich wollte Jack Brümmerstädt, Geschäftsführer bei der Elektrofirma R. Kähne zum 1. September fünf Auszubildende einstellen. Bis vor wenigen Monaten hatte er auch noch sechs potenzielle Kandidaten, allerdings sprangen davon nach und nach aus unterschiedlichen Gründen drei ab. Überrascht hat das Brümmerstädt nicht. Er kennt die Misere auf dem Ausbildungsmarkt nur allzu gut. Seit mindestens fünf Jahren sei es schwierig Nachwuchs zu finden. Umso glücklicher ist er, dass er jetzt drei Azubis begrüßen durfte.

Daniel Durán-Perez, Pioter Kowalski und Seyed Javad Hosseini machen das havelländische Unternehmen mit einem Schlag international. „Polnische Mitarbeiter hatten wir bereits, nun kommen zwei Spanier und ein junger Mann aus Afghanistan dazu“, verrät der Geschäftsführer. Die beiden Spanier Daniel und Pioter lernen seit Dienstag den Beruf des Elektrikers.

Seyed Javad Hosseini konnte nach einem Praktikum und einer Einstiegsqualifizierung dank sehr guter Leistungen gleich ins zweite Lehrjahr einsteigen. Um die Ausbildung in Rathenow zu beginnen, haben Daniel und Pioter an dem von der Bundesregierung geförderten und von der Handwerkskammer Potsdam durchgeführten Projekt MobiPro-EU teilgenommen. Daran beteiligten sich insgesamt 21 brandenburgische Ausbildungsbetriebe, um sich eigenen Nachwuchs aus dem Ausland zu sichern. Denn besonders im Handwerksbereich wird es immer schwieriger, motivierte Jugendliche für eine Ausbildung zu gewinnen. In Spanien hingegen suchen junge Menschen händeringend Jobs. Die Jugendarbeitslosigkeit ist dort mit über 50 Prozent so hoch wie in keinem anderen EU-Staat.

Vom Geschichtsstudium zur Handwerkslehre

Daniel und Pioter jobbten zuvor in verschiedensten Bereichen, von Gastronomie bis Bau. Dabei hat Daniel mit seinen 23 Jahren ein abgeschlossen Geschichtsstudium vorzuweisen. Der zwei Jahre jüngere Pioter arbeitete auch in Schweden, wo seine Oma lebt. Er ist gebürtiger Pole, wuchs in Spanien auf und spricht fünf Sprachen. Gemeinsam mit 25 weiteren jungen Spanier haben die beiden einen dreimonatigen Sprachkurs in der Heimat absolviert, als Vorbereitung auf ein sechswöchiges Praktikum bei R. Kähne. Auf diversen Baustellen in Rathenow und Umgebung sowie in Potsdam und Hannover haben sie im Juli und August mitangepackt, und sich im Sprachkurs mit sehr guten Leistungen hervorgetan. „Sie haben sich viel Mühe gegeben“, lobt Jack Brümmerstädt seine Schützlinge. Für beide war schnell klar, sie wollen die Ausbildung fernab der Heimat antreten.

Auch der 19-Jährige Javad freut sich über seinen Ausbildungsplatz. Er kam vor vier Jahren mit seinen Eltern aus Afghanistan nach Deutschland. Letztes Jahr machte er seinen Schulabschluss, im Februar fragte er nach einem Praktikum und nun steigt der aufgeweckte junge Mann gleich ins zweite Lehrjahr ein. „Ich habe schon als kleiner Junge in der Werkstatt meines Vaters gebastelt“, erklärt Javad mit perfektem brandenburgischen Dialekt seine Leidenschaft für den Beruf.

Die Politik ist gefragt

Während Javad bei seinen Eltern wohnt können Daniel und Pioter Anfang Oktober mit einem weiteren Spanier, der ebenfalls eine Ausbildung in Rathenow beginnt, eine Wohnung beziehen. Bis dahin werden sie im Lehrlingswohnheim in Brandenburg/Havel untergebracht. Küche, Wohnzimmereinrichtung und zwei Betten spendierte ein Rathenower Autohaus den Azubis. Im Kollegenkreis will Brümmerstädt nun noch fragen, wer Teller, Gläser und Ähnliches entbehren kann. „Wir schauen, wie wir sie unterstützen können, sie kommen schließlich ohne irgendetwas hier an.“

Drei Jahre lang wird das Unternehmen die jungen Männer nun ausbilden. Gern würde sie Jack Brümmerstädt übernehmen. Er wünscht sich, dass sie sich später für das Unternehmen und die Region entscheiden und er hofft, dass dieser Weg auch anderen offen steht. „Ich würde gern mehr Menschen wie Javad einstellen, aber leider verhindert das die Politik. Es gibt unter den Asylbebwerbern sicher einige, die etwas machen wollen“, so Brümmerstädt.

Von Christin Schmidt

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