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Landrat Schröder: Darum trete ich zurück

MAZ-Interview Landrat Schröder: Darum trete ich zurück

Der Rücktritt von Burkhard Schröder, Landrat im Havelland, hat viele überrascht. Der 65-Jährige legt sein Amt zum 1. April 2016 nieder. Im MAZ-Interview erklärt er seinen überraschenden Schritt, ob er jemanden eingeweiht hat und was er mit seiner Freizeit tun will.

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Burkhard Schröder (SPD) hat sich entschlossen, nur noch bis zum 31. März 2016 im Rathenower Landratsamt tätig zu sein.
 

Quelle: Bernd Geske

Rathenow.  Der Kreistag hat am Montagabend in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen, Landrat Burkhard Schröder (SPD) auf eigenen Wunsch zum 1. April 2016 in den Ruhestand gehen zu lassen.

MAZ: Herr Dr. Schröder, warum wollen Sie so überraschend in den Ruhestand gehen?

Burkhard Schröder : Es sind vornehmlich persönliche Dispositionen. Es hat sich ergeben, dass mich meine Familie zunehmend braucht.

Es ist kein gesundheitlicher Grund oder Ihr Alter?

Schröder : Nein, beides nicht. Seit dem Frühjahr hatte meine Frau mich gedrängt, zum 1. Januar 2016 in den Ruhestand zu gehen. Ich konnte sie überzeugen, noch ein Vierteljahr länger darauf zu warten.

Finden Sie den Zeitraum bis zum Ende Ihrer Dienstzeit nicht ein wenig kurz?

Schröder : Ich denke, dreieinhalb Monate sind eine angemessene Frist. Der Kreistag kann das Nachfolgeverfahren einleiten und die Parteien können sich darauf einstellen, dass ich ausscheide. Es wäre nicht gut gewesen, sehr früh meine Abschiedsgedanken öffentlich mitzuteilen. Dann wäre bei manchen Beteiligten vielleicht das Gefühl aufgekommen, ich würde in der verbleidenden langen Zeit wie eine „lahme Ente“ agieren. Nicht zuletzt gibt mir das Ende am 31. März gerade genug Zeit, um noch einige Dinge zu regeln.

Und die wären?

Schröder : Der Haushalt 2016 ist auf einen guten Weg gebracht. Der Landkreis wird die Pflegeschule in Selbelang übernehmen. Damit haben wir eine gute Startbasis für 2018, wenn die Ausbildung von Alten- und Krankenpflege zusammengeführt wird. Außerdem werden wir Anteile an der Bahntechnologie Campus Havelland GmbH erwerben. In Elstal gibt es die größte Güterbahnanlage im Westen Berlins, sie wird enorm an Bedeutung gewinnen. Mir lag viel daran, diese Chance für die Standortentwicklung zu nutzen. All das würde ich Anfang 2016 noch ganz gern begleiten.

Landrat Schröder – bis Herbst 2017 gewählt

Am 20. Juli 2015 hat Landrat Burkhard Schröder (SPD) anlässlich seines 65. Geburtstags mit einem Empfang auf Schloss Ribbeck sein 25-jähriges Jubiläum als Landrat gefeiert.

Im Juli 1990 war er im damaligen Kreis Nauen als erstmals Landrat gewählt worden. Nach der Kommunalwahl 1993 wurde er Landrat des neu gebildeten Landkreises Havelland.

Seine jetzige, achtjährige Amtszeit würde dauern bis Herbst 2017. Der Kreistag hatte ihn am 14. September 2009 in seinem Amt bestätigt.

Im Sommer dieses Jahres sind im Land Brandenburg die Höchstaltersgrenzen für Landräte und hauptamtliche Bürgermeister aufgehoben worden.

Wissen Sie schon, wann die Wahl eines neuen Landrats stattfinden könnte?

Schröder : Der Kreistag kann einen Termin dafür vorschlagen, und das Innenministerium setzt den Termin letztlich fest. Aus meiner Sicht ist es möglich, noch im März den ersten Wahlgang zu absolvieren.

Haben Sie einen Favoriten, den Sie gern als Ihren Nachfolger sehen würden?

Schröder : Sie können sicher sein, dass ich von mir aus keinen Kandidaten in die Öffentlichkeit hinein trage. Die Nominierung ist Sache der Parteien und ich bin davon überzeugt, dass die SPD einen guten Kandidaten finden wird.

Sie bleiben doch weiter Mitglied in der SPD?

Schröder : Selbstverständlich. Ich könnte mir vorstellen, mich künftig wieder etwas mehr im Ortsverein Falkensee zu engagieren, wo ich wohne.

Geben Sie auch all Ihre Aufsichtsratsplätze und Ehrenämter ab?

Schröder : Ich bin durchaus jemand, der sich von Ämtern und Dingen trennen kann. Als ich 2014 als Schatzmeister des Landes-SPD gewählt worden bin, habe ich klar gesagt, dass das meine letzte Wahlperiode in dieser Funktion sein wird. Viele Aufsichtsratsplätze sind mit der Funktion des Landrats verknüpft. Ich kann mir aber vorstellen, in zwei, drei Funktionen für Kreisgesellschaften weiterhin unterwegs zu sein.

Nutzen Sie nun die Zeit, um ein paar andere, neue Funktionen zu übernehmen?

Schröder : Ich kann mir vorstellen, mich im Tierschutz zu engagieren. Außerdem liegt mir der Kulturbereich am Herzen. So habe ich zum Beispiel die Kulturstiftung Havelland mit aufgebaut und würde möglicherweise diesem Thema nahe bleiben. Ich will mir aber auch nicht zu viel auf den Tisch ziehen.

Würden Sie für den Kreistag kandidieren?

Schröder : Nein, das würde ich nicht. Es ist nicht mein Bestreben, anderen kluge Ratschläge zu geben. Falls mich jemand aus dem Kreistag aber fragt nach beispielsweise historischen Dingen, würde ich natürlich immer ansprechbar sein.

Die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen wachsen immer weiter und die ungeliebte Gebietsreform kommt immer näher: Ist Ihr überraschender Rücktritt ein So-nicht-Signal an die Landesregierung?

Schröder : Ganz bestimmt nicht. Ich habe auf allen Ebenen immer Klartext geredet. Es gibt in der Tat ein paar Entwicklungen, die mir Sorgen bereiten. Aber mein Rücktritt ist kein Ausdruck von Frustration oder Resignation.

Nicht wenige Kreistagsabgeordnete haben Sie mit Ihrem Antrag am Montagabend offenbar komplett überrascht. Waren einige Beteiligte vorher eingeweiht?

Schröder : Einige wenige wichtige Anrufe hatte ich schon ab Sonntag getätigt. Aber es war schon so: Die anderen Informationen waren zeitlich sehr knapp.

Wie waren die Reaktionen im Kreistag?

Schröder : Ich war erstaunt, welche angenehmen persönlichen Ansprachen es gab.

Was fangen Sie ab April an mit der vielen freien Zeit?

Schröder : Ich freue mich auf meinen Enkel. Es ist für mich sehr schön, mit ihm angeln zu gehen oder vielleicht Mathe mit ihm zu üben. Für Joggen, Tennis und Reisen wird endlich mehr Zeit vorhanden sein. Wenn ich Urlaub habe oder am Wochenende mal privat bin, kann ich abends meinen Tag durchaus auch als absolut befriedigend betrachten. Ich bin ein Gartenmensch und habe eine lange Agenda, was ich an unserem Haus alles machen will.

Wird es Ihnen nicht fehlen, der bei allen gefragte Landrat zu sein?

Schröder : Ich bin sicher, dass mir diese Tätigkeit wirklich nicht fehlen wird. Es wird natürlich eine Umstellung werden, denn jetzt bin ich ja noch mental voll im Geschehen drin. Aber ich kann Ihnen verraten: Ich habe den Abstand schon mal ein bisschen geprobt.

Reaktionen zum Rücktritt finden Sie hier.

Von Bernd Geske und Joachim Willisch

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