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Investition mit Hindernissen

Rathenow Investition mit Hindernissen

Der Bau einer Photovoltaikanlage auf dem ehemaligen Tanklager-Areal in der Semliner Straße in Rathenow steht kurz bevor. Doch der Weg dorthin war steinig. Der Investor musste Berge von Schutt beseitigen und jeden Quadratzentimeter nach Sprengstoff absuchen. 200 Eidechsen hätten das Vorhaben fast zum Scheitern gebracht.

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Projektleiter Peter Ronig auf der Tanklager.Brache.

Quelle: Foto: Markus Kniebeler

Rathenow. Wenn Peter Ronig nach Rathenow kommt, um sich ein Bild zu machen vom Fortgang der Arbeiten auf der Tanklager-Brache in der Semliner Straße, dann ist er auf Überraschungen gefasst. Zu oft ist der Projektleiter der bei Koblenz ansässigen Sybac Solar Gmbh, die auf dem Gelände eine Photovoltaik-Anlage errichten will, mit Unvorhersehbarem konfrontiert wurden. Jetzt endlich, so scheint es, sind alle Hindernisse aus dem Weg geräumt. Der Baubeginn steht unmittelbar bevor. Bis zum Herbst soll auf einer 11,5 Hektar großen Fläche, welche die Sybac von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gepachtet hat, eine acht Hektar große Photovoltaik-Anlage errichtet werden. Doch der Weg dahin war steinig, im wahrsten Sinne des Wortes.

Zwar waren die großen Baracken, Fahrzeughallen und ein fast 30 Meter hoher Schornstein, die auf dem Militärareal standen, bereits 2014 von der Bima abgerissen worden. Aber die Betonplatten, mit denen der Boden versiegelt war, lagen noch. Und entpuppten sich als Brocken – im wahrsten Sinne des Wortes. Über 6000 Tonnen Schutt seien herausgerissen worden, berichtet Ronig. Zum Teil hätten die Fundamente bis 1,50 tief in den Boden geragt. Der Schutt liegt nun in großen Bergen am Rand der freien Fläche und kann, immerhin, nachdem er von Schadstoffexperten geprüft und als unbelastet eingestuft wurde, für den Bau der Straße rund um die Anlage verwendet werden.

Der Beton und dessen Beseitigung war aber noch das geringste Problem. Weil das nicht nur in der DDR, sondern bereits zu Wehrmachtszeiten militärisch genutzt Areal als Kampfmittelverdachtsfläche klassifiziert ist, mussten Sprengstoffexperten eines Kampfmittelräumdienstes das Areal Quadratmeter für Quadratmeter durchkämmen. „Das hat eine Menge Zeit und Geld gekostet“, sagt Ronig, ohne ins Detail zu gehen. Die Untersuchung ist so gut wie abgeschlossen, Munition und andere militärischen Altlasten wurden nicht gefunden.

Um das Ausmaß der dritten und größten Überraschung – im negativen Sinn – zu verdeutlichen, nennt Ronig ein Zahl: 400.000 Euro. So viel Geld musste investiert werden, um geschützte Zauneidechsen, die auf dem Gelände entdeckt worden waren, umzusiedeln. Monatelang habe ein Diplombiologe das Gelände kartiert, die Eidechsen registriert (es waren rund 220) und auf ein 15 Hektar große Ersatzfläche, die der Investor dazupachten musste, umgesetzt. Auch das habe mehr Zeit und Geld gekostet, als man vermutet haben, so Ronig.

Dass sich das Projekt im Rathenower Norden überhaupt noch lohnt – insgesamt investiert die Sybac an der Semliner Straße neun Millionen Euro – hängt mit einer weiteren Überraschung zusammen, einer positiven endlich mal. Bei Arbeiten auf der Tanklagerfläche stellte sich heraus, dass auf dem nebenan im Falkenweg liegenden ehemaligen Getreidelager auch Flächen zu pachten waren. Hier errichtet die Sybac nun eine 3,5 Hektar große Photovoltaik-Anlage auf dem Boden und zwei Dachanlagen auf einem Lagergebäude. Weil der Aufwand bei diesem Vorhaben viel geringer ist als nebenan, kommt das Unternehmen, das – wenn beide Anlagen als Einheit gesehen werden – auf den grünen Zweig.

10500 Kilowatt

Das Gelände des ehemaligen Tanklagers an der Semliner Straße ist insgesamt 48 Hektar groß. Es wird verwaltet von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Diese hat eine Teilfläche rund 12 Hektar große Teilfläche an die Sybac Solar verpachtet, auf der die Anlage errichtet werden soll.

Insgesamt werden die beiden Rathenower Anlagen in der Semliner Straße und am Falkenweg eine Leistung von 10 500 Kilowatt haben: Die pro Jahr erzeugte Energiemenge würde demnach reichen, um 3000 Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Von Markus Kniebeler

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