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Ist die Jugend voll im Mainstream?

Jugendstudie Ist die Jugend voll im Mainstream?

Wie angepasst ist die Jugend von heute wirklich? Laut der nicht-repräsentativen Sinus-Jugendstudie 2016 sind junge Leute heutzutage überangepasst. Aber ist das wirklich so? Wir haben uns in der Region zwischen Dallgow-Döberitz und dem Löwenberger Land umgehört.

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Quelle: Fotolia

Oberhavel/Havelland. Von Rebellion keine Spur. Die Jugend von heute ist total angepasst. Sie will „so sein wie alle“. Heißt es jedenfalls in einer kürzlich veröffentlichten Jugendstudie. Die heute 14- bis 17-Jährigen suchen nach Geborgenheit und Orientierung, heißt es da. Mainstream sei kein Schimpfwort. Früher fand die Jugend doof, was die Eltern taten und dachten. Heute wohl nicht mehr. Sie suchen nach Werten, weniger nach Religion. Sie bezweifeln, ob sie etwas beim Umweltschutz oder dem kritischen Konsum bewirken können.

„Durch meinen Freundeskreis kann ich es nicht bestätigen, dass wir Mainstream sind“, sagt Lisa Doll (26) aus Glienicke. „Ich habe viele Freunde, die überhaupt nicht Mainstream sind. Jeder hat seinen eigenen Geschmack.“ Es gehe eher nicht darum, sich anzupassen.

Johanna Fischer (18) aus Brieselang findet, dass die Jugend ziemlich angepasst ist. „Viele nehmen die Dinge so hin, wie sie sind und hinterfragen wenig“, sagt sie. „Das liegt auch am Druck, der heute von den Medien und der Gesellschaft ausgeht.“

Ähnlich sieht das Jan Nahrstedt (18) aus Nauen. „Es gibt ziemlich starke Erwartungen an Jugendliche“, sagt er. „Sowohl in Bezug auf Bildung, als auch auf das äußere Erscheinungsbild.“ Allerdings hätten Jugendliche heute mehr Freiheiten als früher, findet er. „Das kann auch überfordernd wirken und dazu führen, dass man sich im Mainstream wiederfindet.“

Julika Dieterle (18) als Dallgow-Döberitz findet nicht, dass sie zu 100 Prozent angepasst ist. „Trotzdem ist es schwer, in der Gesellschaft seine Individualität auszuleben und rebellisch zu sein.“ Komische Blicke und dumme Sprüche kenne jeder, aber auch von Medien und Vertrauenspersonen gehe eine gewisse Vorgabe aus. „Umso beeindruckender finde ich es, dass es trotzdem einige wenige junge Menschen gibt, die ihre Individualität konsequent ausleben“, sagt Julika.

„Jeder ist immer noch ein Individuum“, findet Alexander Schur (14) aus Hoppenrade im Löwenberger Land. Die Entwicklung zu mehr Toleranz findet er gut. „Ich denke nicht, dass wir weniger rebellisch sind. Wenn uns etwas nicht passt, sagen wir es.“

Jenny Holz (15) aus Germendorf glaubt nicht, dass die Uniformität dazu führt, „dass die Jugend für nichts mehr kämpft, sondern gemeinsam ihre Ziele verfolgt.“ Ihr selbst sind diese Punkte wichtig: „Toleranz, Integration, Frauenrechte und die Umwelt.“

Magnus Kroner (15) aus Friedrichsthal denkt, dass es auch weiterhin verschiedene Gruppen von Menschen mit unterschiedlichen Ansichten gibt. Ein wichtiger Punkt sei die größere Informationsdichte: „Einige Youtuber wie zum Beispiel LeFloid appellieren immer wieder an den gesunden Menschenverstand.“

Für Kritik sorgt allerdings, dass die Jugendstudie nicht repräsentativ ist. Gerade mal 72 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sind befragt worden – allerdings in langen und persönlichen Interviews. „Ab 1000 Befragten spricht man von einer repräsentativen Umfrage“, findet Ulrike Schulz (27) aus Oranienburg. „Deswegen finde ich die Schlussfolgerungen zu schwammig. In den letzten Jahren wurden Kinder und Jugendliche liberaler erzogen und sind nun selbstbestimmter“, sagt sie.

Ähnlich äußert sich Marlene Schanner (15) aus Germendorf. „Es sind zu wenige befragt worden“, findet sie. Wenn die Umfrage aber stimme, findet sie das Ergebnis gut. „Aber es kommt ja immer darauf an, wo und wen man fragt.“ Dass sich angeblich die Jugend so gewandelt habe, „kann daran liegen, dass sich alles verändert. Dinge wie Kochen und Gartenarbeit aber bleiben.“ Diese Tätigkeiten würden Halt geben.

Weniger Zoff also mit den Eltern, seltener aufmüpfig – aber die großen Ziele, die hat „die Jugend von heute“ dann wohl doch noch nicht aus den Augen verloren.

Von Robert Tiesler, Juliane Weser, Anne Abraham und Markus Kollberg

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