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Jäger sollen schießen, können aber nicht

Wildschweine Jäger sollen schießen, können aber nicht

Zerwühlte Grünstreifen, umgegrabene Vorgärten und besorgte Bürger: Wildschweine halten Schönwalde-Glien im Havelland in Atem. Diejenigen, die etwas gegen die stetig wachsende Population unternehmen könnten, sind in ihrem Handeln jedoch zunehmend eingeschränkt. Vor allem Hundebesitzer und Spaziergänger machen den Jagdpächtern zu schaffen.

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Wildschweine halten die Gemeinde in Atem.

Quelle: Fotolia

Schönwalde-Glien. Zerwühlte Grünstreifen, umgegrabene Vorgärten und besorgte Bürger - Wildschweine halten Schönwalde-Glien mit seinen Ortsteilen in Atem. „Wie viele umliegende Städte und Gemeinden haben wir seit Jahren ein Problem mit der zunehmenden Wildschweinpopulation. Sie zu schießen wird für Jagdpächter und Jäger jedoch immer schwerer“, sagt Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme (CDU).

Fehlendes Verständnis

Das bestätigen Axel Schulz und Frank Schmidt, die als Jagdpächter für Schönwalde-Siedlung und -Dorf zuständig sind. „Oftmals ist es das fehlende Verständnis für unsere Arbeit und allgemein für das Leben im ländlichen Raum. Zu jeder Tages- und Nachtzeit gehen die Menschen in Wald und Feld spazieren, joggen oder reiten aus“, so Axel Schulz. In der Dämmerung oder in der Dunkelheit zu erkennen, ob es sich um einen Menschen, einen Hund oder ein Wildschwein handelt, sei nahezu unmöglich.

„Wir haften für jeden Schuss und können erst schießen, wenn wir ganz sicher sind. Im Zweifel eben gar nicht“, so Schulz weiter. „Zum einen wollen sich die Leute frei bewegen, auf der anderen Seite wird von uns verlangt das Schwarzwild unter Kontrolle zu bringen – das passt nicht zusammen“, sagt der Jagdpächter.

Wildschweinschäden tauchen derzeit häufig auf im Schönwalder Gemeindegebiet

Wildschweinschäden tauchen derzeit häufig auf im Schönwalder Gemeindegebiet. Sie zu schießen wird jedoch immer schwieriger – Jagdpächter Axel Schulz haftet für jeden Schuss.

Quelle: Laura Sander

Auch frei laufende Hunde werden zunehmend zum Problem. „Hunde müssen im Wald an der Leine geführt werden, weil sie sonst den Lebensraum der Wildtiere bedrohen. Sobald sie anfangen zu wildern, sind wir zudem berechtigt die Hunde zu schießen“, sagt Christoph Holstein, Revierförster in Wansdorf.

„Viele Bodenbrüter, die noch vor einigen Jahren in unseren Wäldern heimisch waren, gibt es nicht mehr, weil sie ständig aufgeschreckt wurden. Einige Waldbesucher verstehen nicht, welchen Schaden ihr Verhalten anrichten kann“, so Bodo Oehme. „Die Menschen schreien außerdem nach dem Schutz des Jägers. Das kann jedoch nur funktionieren, wenn der Jäger die Möglichkeit hat zu schießen“, sagt Oehme, den noch ein weiteres Problem beschäftigt.

Unbrauchbar dank Hundekot

„Neben dem Aufschrecken der Wildtiere, haben wir verstärkt das Problem, dass Besitzer ihre Hunde an den Rand landwirtschaftlich bestellter Felder machen lassen und es nicht wegräumen. Ein breiter Streifen wird dadurch unbrauchbar – selbst wenn es sich nur um eine Fläche handelt, auf der Heu angebaut wird.“ Pferdehöfe können nichts mit dem verschmutzten Heu anfangen, fressen Milchkühe das Hundekotheu, gelangt der unschöne Zusatz sogar in die Milch. „Einige wenige Hunde richten keinen Schaden an.

Viele Hundehalter gehen jedoch täglich den gleichen Weg – da kommt was zusammen“, so Jagdpächter Schulz. „In der Stadt sammeln sie die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner doch auch auf. Warum dann nicht hier?“, fragt sich der Jäger, der seit mehr als 30 Jahren auf Schönwalder Gemarkung jagt. Immerhin gebe es derzeit in der Gemeinde rund 1700 Hundehalter.

Mehr Bewusstsein

„Wir haben bereits vor Jahren einen Flyer entwickelt, der auf die richtige Verhaltensweise in der Natur hinweist. Wirklich getan hat sich seitdem jedoch nichts“, weiß Bodo Oehme. „Spricht man Spaziergänger, Hundehalter oder Reiter auf ihr Fehlverhalten an und klärt sie auf, welche Folgen es möglicherweise haben kann, reagieren die meisten verständnisvoll. Regelmäßig kommt es jedoch auch zu aggressiven Auftritten, die in Ausnahmefällen sogar vor Gericht landen können“, so Christoph Holstein.

Schutz des eigenen Grundstücks

Um das eigene Grundstück vor Schäden durch Wild zu schützen, sollte ein 1,5 Meter hoher und im Boden verankerter Zaun aufgestellt werden. Jeder Eigentümer ist für den Schutz seines Grundstücks selber verantwortlich. Verursachte Schäden auf Flächen, auf denen die Jagd nicht ausgeübt werden darf, werden nicht erstattet.

„Wir wünschen uns ein stärkeres Bewusstsein der Menschen für ihr Verhalten in der Natur, den Umgang mit Wildtieren und mehr Verständnis für unsere Arbeit, die wir heute oftmals nicht mehr richtig ausüben können. In der Gemeinde selbst können wir schon lange nicht mehr jagen, obwohl es gerade hier gefordert wird“, so Schulz, der auf die Wildschweine anspielt, die mit Vorliebe Gräber auf dem Friedhof umgraben oder mühsam gepflegte Grünstreifen zerwühlen.

Von Laura Sander

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