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Jahrbuch mit Dramatik und Romantik

Falkensee Jahrbuch mit Dramatik und Romantik

Das Heimatjahrbuch 2017 wurde im sehr gut besuchten Museum Falkensee vorgestellt. Es enthält 30 Beiträge über besondere Menschen, dramatische Zeiten und historische Schwindeleien.

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Burkhard Berg las aus dem Heimatjahrbuch nicht über den verliebten Pfarrer, sondern über eine dramatische Flucht. .

Quelle: Hans-Peter Theurich

Falkensee. Das Heimatjahrbuch 2017 für Falkensee und Umgebung ist da. Der Öffentlichkeit wurde das Heft am Freitagabend von Gabriele Helbig vorgestellt. Die Museumsleiterin freute sich, dass die Räume des Hauses bis auf den letzten Platz besetzt waren. Auf insgesamt 140 Seiten spiegeln 30 Texte das Leben der Gartenstadt wider. Fünf Artikel wurden von Autoren oder Mitgliedern des Museum-Fördervereins vorgelesen. „Es sind spannenden Geschichten über Menschen, die Falkensee bereichert haben“, sagte Gabriele Helbig.

Vor 55 Jahren wurde die Mauer gebaut, um die große Fluchtwelle einzudämmen. Es folgten spektakuläre Geschichten über Menschen, die mit allen möglichen Vehikeln den eingezäunten Staat der DDR verlassen wollten. Auch Heißluftballon und Seilbahn kamen zum Einsatz. In Falkensee war man bodenständiger. Manfred Schulz schrieb die Geschichte von Albert F. und Peter T. auf. Sie und ihre Familien flohen am 11. September 1966 mit einer Planierraupe. Albert F. war auf dem alten Demag-Gelände mit Räumarbeiten beschäftigt. Die Raupe hatten die beiden Männer mit Stahlplatten zu einem provisorischen Panzer umgebaut. Und das war gut so. Laut Stasi-Akten schossen die Grenzpolizisten einhundert Mal auf die Flüchtenden. 38 Schüsse trafen das Gefährt, zwei Personen wurden leicht verletzt. Die ganze Aktion dauerte etwa eine halbe Stunde. Dann waren die beiden Familien in West-Berlin. Burkhard Berg, Vorsitzender des Museums-Fördervereins, las die dramatische Geschichte.

So wie andern Orts Goethe nie fehlen darf, ist es im Havelland Theodor Fontane mit seinen Wanderungen, dem stets Referenz erwiesen wird. Torsten Bathmann verfasste „Wahl in Finkenkrug – Fontanes Poesie, der Alte Finkenkrug und die politische Wirklichkeit im Osthavelland in der Mitte des 19. Jahrhunderts“, so der raumgreifende Titel. Fontane schildert die Wahl dann als beinahe zweitrangig an einem Lagerfeuer bei Glühwein und Grog. Aber nicht nur das war wohl seiner dichterischen Freiheit geschuldet. Tatsächlich fand die Wahl in Potsdam statt. Gudrun Kranert, eine der Autorinnen des Jahrbuchs, las die Geschichte vor.

Erstmals als Autor des Jahrbuches trat Ralf-Bernhard Wartke aus Dallgow-Döberitz in Erscheinung. Der Archäologe schrieb über einen Kollegen aus Falkensee, Arthur Ungnad, er lebte von 1879 bis 1945. Beide waren am Berliner Vorderasiatischen Museum tätig. Und beide waren, freilich zu unterschiedlichen Zeiten, an den Ausgrabungen im syrischen Tell Halaf beteiligt. Neben vielen anderen Erforschungen der Keilschrift übersetzte Arthur Ungnad das Gilgamesch-Epos.

Brigitte Kerl stellte den Beitrag von MAZ-Redakteurin Marlies Schnaibel vor, die in der Zeitung vor 50 Jahren geblättert hatte. Hans-Ulrich Rhinow las seinen Beitrag über eine Künstlerin und Pfarrfrau; Titel „Caroline Rüss – Lebenserinnerungen aus Falkensee und Rohrbeck“. Er besuchte die 90-Jährige in Potsdam. Sie konnte leider nicht zur Präsentation des Heimatbuches kommen. Viele Falkenseer im Publikum erinnerten sich an die Rohrbecker Pfarrfrau. Ihr späterer Ehemann, Pfarrer Bernard Rüss, ein strenger Pietist aus Berlin, lernte seine Caroline kennen, als sie im Bikini ihre Wohnung renovierte. Grafiken der Künstlerin werden im Frühjahr im Museum in der Ausstellung „Druckgrafik No. 5“ zu sehen sein.

Das Buch ist mit einer Auflage von 1000 Exemplaren erschienen und für 7,50 Euro im Museumsshop und in ausgewählten Buchhandlungen erhältlich.

Von Judith Meisner

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