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Jahrhundert-Tradition an der Havel

Ketzin Jahrhundert-Tradition an der Havel

Was wäre Ketzin ohne sein Fischerfest? Das Wochenende lieferte die Antwort auf diese Frage. Um eine Attraktion ärmer wäre die Stadt an der Havel auf jeden Fall. Vor tausenden von Gästen wurden Jahrhundert-Traditionen gepflegt.

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Der Festumzug war der Höhepunkt.

Quelle: Wolfgang Balzer

Ketzin/Havel. „Elende Schinderei. Nie im Leben hätte ich hier gefischt – wenn nicht Fischerfest wäre“, so der Kommentar von Fischermeister Lutz Schröder, der am Sonnabend und Sonntag mit seiner Mannschaft die traditionellen Fischzüge an der Havelpromenade gestaltet. Erst nach mehr als einer Stunde war das 500 Meter lange Schleppnetz, einer Jahrhunderte alten Tradition folgend, eingeholt. Zunächst musste das Kraut aus dem Netz gepuhlt werden. „Das wuchert bei der gegenwärtigen Sichttiefe in der Havel von 1,70 Meter besonders gut“, sagte der Fischermeister und war froh, dann endlich einen ordentlichen Fisch, einen Zander, an Moderator Udo Feist zur Versteigerung übergeben zu können. Ralph Foerster aus Falkensee war stolz, ihn für 50 Euro mitnehmen zu können. „Der wird filetiert. Im vergangenen Jahr hat es nicht geklappt, da habe ich zu spät mit bieten angefangen“, freute er sich.

Die Krone für die neue Fischerkönigin

Die Krone für die neue Fischerkönigin.

Quelle: Wolfgang Balzer

Wenig später Gemurmel. Den 25-Kilo-Wels traute sich selbst Schröder nicht aus dem Kescher zu nehmen. Für 60 Euro ersteigerte ihn Norbert Weber, auf dem Mittelaltermarkt beim Fischerfest Schmied auf Zeit. „Ich lasse ihn frei“, kündigte er an und so geschah es unter heftigem Beifall. „Früher wurde Fisch zum Essen gefangen, jetzt ist es mehr Sport, da hat der Fisch keine Chance“, sein Kurzkommentar. Lisa-Marie Zessin (17), die neue Fischerkönigin war mittendrin. Gerade rechtzeitig kamen sogar ein paar Sonnenstrahlen zur Eröffnung des 27. Fischerfestes durch Bürgermeister Bernd Lück heraus. Im Beisein vieler Ehrengäste, unter anderem Elke Nermerich, stellvertretende Landrätin, den Bürgermeistern der benachbarten Gemeinden und auch der Werderaner Blütenkönigin, Christin Schiffner, konnte das Fest beginnen.

Lob für die Ketziner

„Die Ketziner sind toll. Alle sind freundlich und hilfsbereit“, lobte dann auch Manuela Damm vom Veranstalter Coex GmbH. Erstaunt war sie, dass sich die Ketziner und ihre Gäste auch vom schlechten Wetter am Freitagabend nicht von ihrem Fischerfest vertreiben ließen.

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Drei Tage wurde in Ketzin das Fischerfest gefeiert. Es gab ein buntes Programm und einige Traditionsangebote.

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Am Sonnabend war das Wetter bestens. Da begann ein weiteres Spektakel. Beim Seesportclub hatte das traditionelle Kutterpullen über zweimal 400 Meter begonnen. Ein sportliches Ereignis mit hohem Spaßfaktor für die Mannschaften. Einen Spaß machten sich die schon mehrere Jahre siegenden Wikinger mit ihren Erzrivalen Dorsche II. „Heut gibt’s Dorsch“ stand auf ihren neuen Shirts zu lesen. Die „Dorsche“ trugen es mit Humor, konnten aber den dritten Sieg der Wikinger in Folge nicht verhindern.

Wikinger waren wieder vorne

Die Wikinger holten sich für alle Zeiten den Wanderpokal. „Dann muss ich wohl einen neuen spendieren“; meinte Bürgermeister Bernd Lück. Gut, dass er nicht auch noch die Siegprämie bezahlen musste. Mit aller Kraft streckte ein Wikinger das Fass Bier in die Höhe. Auf den Plätzen folgten die Kameraden der Ketziner Feuerwehr und der Eberswalder Ruderunion. Neun Mannschaften im Mix ruderten auf den harten Sitzen der Seesportkutter um den Pokal. Nicht einmal eine Sekunde Vorsprung hatten die Piranhas vor den Havelknechten und den Zaunkönigen. Bei den Frauen siegten die Damen des Sportstudios deutlich vor den Turbo Tussis.

Nicht immer lief es rund im Kutter: „Da hat einer einen Krebs gefangen“, informierte Seesportchef und Wettkampfleiter Dieter Hohn ganz ernst und meinte nichts anderes, als dass bei der Wende eine Kutterbesatzung die Ruder verhedderte. Das passiert schon mal im Eifer des Gefechtes – Kutterruderer wissen es nur zu gut.

Im Ofen wurde geräuchert

Indessen rauchten die Räucheröfen des Fischermeisters unentwegt. Räucheraale und Lachsforellen waren der Renner. Überhaupt hatten die Besucher die Qual der Wahl. Klosterhandbrot, Langos, Mutzenbraten, Schwein am Spieß und natürlich Thüringer Rostbratwurst – eine kleine Auswahl aus dem großen Angebot.

Festumzug – der Höhepunkt

Am Sonntag stand das Highlight an – der Festzug. Huldvoll winkte Bürgermeister Bernd Lück in historischer Robe bei der Fahrt durch die Altstadt vom festlich geschmückten Fischerkahn und das traditionsgemäß an der Spitze des großen Festumzuges und an seiner Seite Ketzins Fischerkönigin Lisa-Marie Zessin, und natürlich Fischermeister Lutz Schröder mit Gattin. Göttervater Zeus (Jörg Schulz) war persönlich auf den Marktplatz gekommen und ließ sich von der Havelfee Haveller (Sofie Reinschlüssel) erklären, warum die Einwohner meinen, dass „Ketzin – einfach göttlich“ ist.

Spaß beim Festzug

Spaß beim Festzug.

Quelle: Wolfgang Balzer

Das sei das diesjährige Motto des traditionellen Festumzuges, den mehr als 300 Einwohner für die Ketziner und ihre Gäste beim dreitägigen Fischerfest in bunten Bildern gestalten, sagte sie. Auch sein Sohn Hermes wird erwartet. Er siedele sich sogar mit einem neuen Standort ganz in der Nähe des Havelstädtchens an, meinte Haveller.

Der nordische Gott

Auch der nordische Gott der Fischer und der Meere, Njörd, spazierte mit seinen kleinen Wassergeistern von der Paretzer Kita Havelfrüchtchen durch die Zuschauerreihen auf dem Marktplatz. Poseidon schaute mit dem Mädchen Arielle wohl ein wenig sehnsüchtig zu ihrem Havel-Domizil, aber hier wohnt die Meerhexe im „doofen Loch“. Das kennen natürlich die Angler und Wassersportler bestens. Zum Spaß der Zuschauer kurvte mitten im Festzug das „Erste Ketziner Glücksengelchen“ mit seinem Fahrrad. Theodor Fontane war auch dabei. Zwar war der Schriftsteller nur in den Ortsteilen der Stadt aber nie in Ketzin selbst. Beim Festumzug gab er sich die Ehre.

Und wer war noch dabei?

Ausgerechnet Kriegsgott Ares und Aphrodite, die Göttin der Liebe und Eros, Gott der Liebe, zogen vereint durch die Altstadt. Mehr als eine Stunde zog der Umzug noch mit vielen von den Ketzinern, städtischen Vereinen und Betrieben selbstgestalteten fantasievollen Bildern über den Marktplatz. Launig vorgestellt wurden sie alle von Udo Feist. Zeus und Haveller erzählten die göttliche Geschichte über Ketzin/Havel mit den Gestalten der griechischen, römischen und nordischen Mythologie. Aufgeschrieben hat sie Birgit Behr, die auch mit „einem überaus fleißigen, zuverlässigen Team“, wie sie selbst sagt, den absoluten Höhepunkt des 27. Fischerfestes gestaltete. Allerdings haben es ihr die Ketziner leicht gemacht, lobte sie beim großen Abschlussbild auf der Festwiese. Viele wirken bei diesem Spektakel schon viele Jahre mit, sagte sie.

Tolle Tage an der Havel

Die Besucher erlebten an allen drei Tagen ein buntes Programm auf gleich drei Bühnen. Vielfach vermisst wurde in den letzten zwei Jahren das Abschlussfeuerwerk. „Auf den Havelinseln darf es wegen deren Schutzstatus nicht stattfinden und ein spezielles Feuerwerkerboot ist unbezahlbar“, informierte Lück. Am Sonntag sollte es nun wieder abgebrannt werden, in der Nähe der Freilichtbühne.

Von Wolfgang Balzer

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