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Havelland Jede Kuh wird überwacht
Lokales Havelland Jede Kuh wird überwacht
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19:27 17.02.2017
Auch in der Agrargenossenschaft Gülpe werden die Kühe automatisch gemolken. Quelle: Norbert Stein
Paretz

Dass mehr und mehr Technik in den Kuhstall einzieht und Landwirte heute kaum noch ohne Smartphone exstieren können, weil sie per App ihre Systeme von überall aus überwachen müssen, ist nicht neu. Wenn aber das bundesweite Forschungsvorhaben namens „Space Data Milking“ Erfolg hat, wäre das „ein Quantensprung“ in der elektronischen Tiererfassung, sagte Peter Bleser, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft am Freitag in Paretz. Er war mit viel Geld im Gepäck zur Data Service Paretz GmbH gekommen, weil dieses 15-köpfige Softwareunternehmen an einem neuen Forschungsprojekt zur Datenerfassung von Rindern in großen Stallanlagen beteiligt ist. Insgesamt stehen den sechs Firmen und Forschungseinrichtungen aus vielen Teilen Deutschlands in den nächsten 36 Monaten nun rund 1,3 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung. Allein das Paretzer Unternehmen erhielt einen Bescheid über 165 000 Euro.

Einfach gesagt geht es um die Entwicklung neuer Verfahren zur Ortung von Rindern, Aggregaten und Akteuren in Stallanlagen, erklärt Werner Feucker, einer von drei Geschäftsführern von Data Service.

Staatssekretär Peter Bleser (r.) übergibt den Fördermittelbescheid an die Geschäftsführung der Data Service Paretz gmbH: Quelle: Jens Wegener

Der Landwirt soll mit einem Blick auf den Computerbildschirm oder sein Smartphone in kürzerster Zeit erkennen und wissen, wo steht welche Kuh, wie viel hat die heute gefressen, wie viel Milch hat sie gegeben. „Diese und weitere Fakten helfen dem Landwirt in seinem Tiermanagement, ersparen vor allem viel Zeit“, sagt Torsten Huhne, Vertriebschef von Data Service Paretz. Zum anderen werden die erfassten Tierdaten automatisch weitergeben an Behörden, Tierärzte, Klauenpfleger und Berater.

Die digitale Erfassung aller Leistungs- und Lebensdaten von Rindern ist heute schon in vielen landwirtschaftlichen Betrieben Standard. Wobei der Landwirt immer noch einen Teil der werte manuell ins System eingeben muss. Data Service hat im Havelland bereits 44 Betriebe mit der entsprechenden Software versorgt – dem Herdenmanagementsystem Herde. „4000 Betriebe sind es in ganz Deutschland“, so Huhne weiter.

Im Mittelpunkt des jetzt gestarteten neuen Innovationsprojektes „Space Data Milking“ (der englische Name wurde wegen der besseren Vermarktungschancen gewählt) steht die Entwicklung von Chips, die ohne eigene Energieversorgung sondern mit Funkübertragung funktionieren. Diesen Part übernimmt die Dresdner Firma SAW-Components. In der Praxis bedeutet das: Jede Kuh kann in einem großen Stall punktgenau geortet werden. Dazu werden im Stall elektronische Antennen angebracht, die einen Radius von 15 Metern überwachen und dort die Funksignale des Chips aufnehmen können. Es soll auch möglich sein, wenn mehrere Tiere vor dem Melkautomat oder an anderen Stellen im Stall stehen, genau zu filtern, wer wer ist. Aus der Ferne überwacht werden kann später auch, wenn die Forschung erfolgreich sein sollte, ob die Stalltüren auf oder geschlossen sind.

„Wenn die Datenerfassung über diese Chips ohne eigenen Energieversorgung klappt, kann man von einem weiteren Schritt der Digitalisierung in der Landwirtschaft sprechen“, zeigte sich Staatssekretär Peter Bleser begeistert. Er sprach von einem „Navigationssystem für Tiere“. Es zeige sich erneut, dass Deutschland in diesem Forschungsbereich in der Welt vorn liege.

Im Ergebnis dieser Forschung entstehe ein deutlicher Mehrwert für den Landwirt durch eine komplexe Datenvernetzung, so Torsten Huhne. Aufgabe der Paretzer Firma in dem gemeinsamen Projekt ist es, alle über die Chips gesammelten Daten in das bestehende Herdenmanagementsystem einzupflegen und damit die Automatisierung betrieblicher Abläufe weiter voran zutreiben.

Aus Sicht des Kreisbauernverbandes Havelland kann das Forschungsprojekt „eine Weiterentwicklung darstellen, weil immer mehr zusätzliche Datenmengen verarbeitet werden müssen“, so der Geschäftsführer Johannes Funke. Aber er warnt auch: Wichtig sei, „dass der Bauer weiß, wie es seinen Tieren geht. Solche Projekte dürfen langfristig nicht dazu führen, dass Personen außerhalb des Agrarbetriebes mehr Informationen über die eigenen Kühe haben.“

Von Jens Wegener

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